TED Talk 2017

Im April 2017 war Elon Musk zu einem TED Talk mit dem Titel „The future we’re building – and boring“ eingeladen. Chris Anderson, TED’s Chefkurator, stellt ihm darin Fragen zu dem kurz zuvor (12/2016) gegründeten Unternehmen ‚The Boring Company‘, zu Tesla und SpaceX und zu seiner Motivation, den Mars zu besiedeln. Das am 03.05.2017 veröffentlichte YouTube Video enthält Untertitel in 28(!) verschiedenen Sprachen, unter anderem auch in Deutsch. Die deutschen Untertitel sind nicht identisch mit dieser Übersetzung. Das englische Wortprotokoll zu diesem Interview finden Sie hier.

Chris Anderson: (00:00) Elon, hey, willkommen zurück bei TED. Schön, dass Sie da sind.

Elon Musk: Danke für die Einladung.

Chris Anderson: In der nächsten halben Stunde werden wir einige Zeit damit verbringen, Ihre Vision zu erkunden, wie eine aufregende Zukunft aussehen könnte, was die erste Frage wohl ein wenig ironisch macht: Warum sind Sie langweilig? (‚boring‘, engl. – ‚langweilig‘, aber auch ‚Bohren‘)

Elon Musk: Das frage ich mich häufig. Wir versuchen, ein Loch unter LA zu graben, und das ist der Anfang von etwas, das hoffentlich ein 3D-Tunnelnetzwerk sein wird, um das Verkehrsaufkommen zu entspannen. Im Moment ist der Verkehr eines der nervtötendsten Dinge. Er betrifft Menschen in allen Teilen der Welt. Er nimmt so viel von ihrer Lebensqualität. Es ist furchtbar. In L.A. ist es besonders schlimm.

Chris Anderson: Ich glaube, Sie haben eine erste Visualisierung davon für uns dabei. Darf ich das zeigen? (zeigt Animation)

Elon Musk: Auf jeden Fall. Das ist das erste Mal. Nur um zu zeigen, worüber wir reden. Es gibt ein paar entscheidende Faktoren, die für ein 3D-Tunnelnetz wichtig sind. Erstens muss man in der Lage sein, die Ein- und Ausfahrt des Tunnels nahtlos in das Gefüge der Stadt zu integrieren. Mit einem Aufzug – einer Art Auto-Schlitten, der auf einem Aufzug steht – kann man die Ein- und Ausfahrt in das Tunnelnetz integrieren, indem man einfach zwei Parklücken nutzt. Und dann wird das Auto auf dem Schlitten transportiert. Hier gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, also konstruieren wir das so, dass es mit 200 Kilometern pro Stunde fahren kann.

Chris Anderson: Wie viel?

Elon Musk: 200 Kilometer pro Stunde, also etwa 130 Meilen pro Stunde. Man sollte also in der Lage sein, von Westwood zum LAX in sechs Minuten zu fahren – fünf oder sechs Minuten.

Chris Anderson: Es wird also zunächst als eine Art mautpflichtige Straße konzipiert?

Elon Musk: Ja.

Chris Anderson: Was wohl auch den Verkehr auf den Straßen an der Oberfläche entlasten würde.

Elon Musk: Ich weiß nicht, ob Sie dies im Video bemerkt haben, (02:30) aber es gibt keine wirkliche Grenze, wie viele Ebenen so ein Tunnelsystem haben könnte. Man kann viel weiter in die Tiefe graben als man nach oben bauen kann. Die tiefsten Minen sind viel tiefer als die höchsten Gebäude hoch sind. Also kann man mit einem 3D-Tunnelnetz jedes beliebige Maß an städtischer Verkehrsüberlastung entschärfen. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt.

Ein Haupteinwand gegen die Tunnel ist, dass eine zusätzliche Tunnelebene lediglich kurzfristig die Verkehrsüberlastung entschärft, aber das Verkehrsaufkommen wieder zunimmt und man dann wieder von vorne anfängt, nämlich beim Stau. Allerdings können Sie eine beliebige Anzahl von Tunneln, eine beliebige Anzahl von Ebenen hinzufügen.

Chris Anderson: Dennoch, die Leute sagen, dass es – traditionell gesehen – unglaublich teuer ist, zu graben, und das würde dieser Idee im Weg stehen.

Elon Musk: Ja, da haben sie recht. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Der Ausbau der U-Bahn in LA, eine zweieinhalb Meilen lange Erweiterung, glaube ich, wurde gerade für zwei Milliarden Dollar fertiggestellt. Es kostet also ungefähr eine Milliarde Dollar pro Meile, um die U-Bahn in LA auszubauen. Und das ist nicht die höchstwertigste U-Bahn der Welt. Also ja, es ist normalerweise ziemlich schwierig, Tunnel zu graben. Ich denke, wir brauchen mindestens eine zehnfache Verringerung der Kosten pro Tunnelmeile.

Chris Anderson: Und wie könnten Sie das erreichen?

Elon Musk: Man müsste nur zwei Dinge tun und könnte bereits eine Verbesserung in ungefähr dieser Größenordnung erreichen. Und ich denke, man kann noch darüber hinausgehen. Als erstes muss man den Tunneldurchmesser mindestens halbieren. Ein einspuriger Straßentunnel muss laut Vorschrift einen Durchmesser von 26 Fuß, vielleicht 28 Fuß haben, um Unfälle und Rettungsfahrzeuge einzukalkulieren und eine ausreichende Belüftung für Autos mit Verbrennungsmotor zu gewährleisten.

Verkleinert man diesen Durchmesser jedoch auf das von uns angestrebte Maß, nämlich 12 Fuß, was ausreicht, um einen elektrischen Autoschlitten hindurch zu bekommen, verringert sich der Durchmesser um die Hälfte und die Querschnittsfläche um das Vierfache. Und die Tunnelbaukosten richten sich nach der Querschnittsfläche. Das ist also ungefähr eine Verringerung der Kosten um fast die Hälfte.

Zudem graben Tunnelbaumaschinen derzeit nur die Hälfte der Zeit und halten dann an. Die restliche Zeit wird für die Verstärkung der Tunnelwand benötigt. Wenn Sie die Maschine stattdessen so konstruieren, dass sie fortwährend gräbt und gleichzeitig die Tunnelwand verstärkt, verdoppelt sich die Leistung. Kombiniert man das, ist das ein Faktor von acht.

(05:00) Außerdem sind diese Maschinen weit davon entfernt, an ihre Leistungs- oder thermischen Grenzen zu stoßen, sodass man die Leistung der Maschine erheblich steigern kann. Man kann mindestens eine Verbesserung um den Faktor zwei, vielleicht sogar um den Faktor vier oder fünf erreichen.

Ich denke also, dass es eine  Reihe von ziemlich einfachen Schritten gibt, um die Kosten pro Meile drastisch zu verbessern. Unser Ziel ist eigentlich… – Wir haben eine Schnecke als Haustier namens Gary. Das ist von Gary, der Schnecke aus „South Park“, ich meine, Entschuldigung, „SpongeBob Schwammkopf“. Also, Gary ist derzeit 14-mal schneller als eine Tunnelbohrmaschine.

Chris Anderson: Sie wollen Gary schlagen.

Elon Musk: Wir wollen Gary schlagen. Er ist kein geduldiger, kleiner Kerl, und das wird unser Sieg sein. Wir haben gewonnen, wenn wir die Schnecke schlagen.

Chris Anderson: Aber viele Leute, wenn sie von zukünftigen Städten träumen, stellen sich fliegende Autos, Drohnen usw. vor. Man fährt oberirdisch. Warum ist das nicht eine bessere Lösung? Man spart sich die ganzen Kosten für den Tunnelbau.

Elon Musk: Genau. Ich bin natürlich für fliegende Objekte; schließlich baue ich Raketen, also mag ich Dinge, die fliegen. Das ist keine Voreingenommenheit gegenüber fliegenden Dingen. Aber fliegende Autos sind eine Herausforderung; sie wären ziemlich laut und würden eine Menge Wind erzeugen. Sagen wir mal so: Wenn etwas über Ihrem Kopf fliegt, jede Menge Autos, die überall herumfliegen, ist das nicht gerade eine angstmindernde Situation. Man denkt sich dann nicht: „Nun, ich fühle mich heute besser.“ Sie denken: „Hat der die Radkappen gewartet, oder wird sich eine lösen und mich guillotinieren?“ Solche Dinge.

Chris Anderson: Sie haben also diese Vision von zukünftigen Städten mit diesen umfangreichen 3D-Tunnelnetzwerken darunter. Gibt es hier eine Verbindung zu Hyperloop? Könnten Sie diese Tunnel für die Hyperloop-Idee verwenden, die Sie vor ein paar Jahren vorgestellt haben?

Elon Musk: Ja, also wir hantieren schon eine Weile mit der Hyperloop-Sache herum. Wir haben eine Hyperloop-Teststrecke neben SpaceX gebaut, nur für einen Studentenwettbewerb, um innovative Ideen im Transportwesen zu fördern. (07:30) Und am Ende war es tatsächlich die größte Vakuumkammer der Welt nach dem Large Hadron Collider, gemessen am Volumen. Es hat also ziemlich viel Spaß gemacht, das zu machen, aber es war eine Art Hobby-Sache.

Und dann denken wir, dass wir vielleicht… – also, wir habe ein kleines Schubauto gebaut, um die Testkapseln anzuschieben, und wollen nun sehen, wie schnell wir diesen Anschieber fahren lassen können, wenn er nichts schiebt. Wir sind also vorsichtig optimistisch, dass wir schneller sein können als der schnellste Hochgeschwindigkeitszug der Welt, selbst auf einer Strecke von 0,8 Meilen.

Chris Anderson: Whoa. Gute Bremsen.

Elon Musk: Ja, ich meine, es ist – ja. Es wird entweder in winzige Teile zerschellen oder ziemlich schnell sein.

Chris Anderson: Aber Sie können sich dann einen Hyperloop in einem Tunnel vorstellen, der ziemlich lange Strecken zurücklegt.

Elon Musk: Ganz genau. Und wenn man sich die Tunneltechnik ansieht, stellt man fest, dass man, um einen Tunnel zu bauen,… – Um einen Tunnel gegen den Grundwasserspiegel abzudichten, muss man typischerweise die Tunnelwand so konstruieren, dass sie etwa fünf oder sechs Atmosphären aushält. Um ein Vakuum ganz oder beinahe zu erreichen, benötigt man nur eine Atmosphäre. Eigentlich stellt sich heraus, dass ein Tunnel, der gut genug ist, um dem Grundwasserspiegel zu widerstehen, automatisch auch für ein Vakuum geeignet ist.

Chris Anderson: Wie lang könnte so ein Tunnel für den Hyperloop werden. Haben Sie bereits eine Vorstellung davon?

Elon Musk: Ich denke, es gibt keine wirkliche Längenbegrenzung. Sie können so viel graben, wie Sie wollen. Wenn man so etwas wie einen Hyperloop von DC nach New York möglich machen wollte, würde man wahrscheinlich den gesamten Weg unterirdisch verlegen, weil das Gebiet dicht besiedelt ist. Man gräbt unter vielen Gebäuden und Häusern hindurch, und wenn man tief genug ist, kann man den Tunnel nicht wahrnehmen.

Manchmal denken die Leute, na ja, es wird schon ziemlich lästig sein, wenn ein Tunnel unter meinem Haus durchführt. Wenn aber der Tunnel mehr als drei oder vier Tunneldurchmesser unter ihrem Haus gegraben wird, können sie den Tunnelbau gar nicht wahrnehmen. Ganz ehrlich, wenn Sie in der Lage sein sollten, einen Tunnel von der Oberfläche aus zu entdecken, (10:00) egal welches Gerät Sie benutzen, können Sie eine Menge Geld für dieses Gerät vom israelischen Militär bekommen, das versucht, Tunnel von der Hamas zu entdecken; und von der US-Zollbehörde und der Grenzpatrouille, die versuchen, Drogentunnel zu entdecken.

Es ist tatsächlich so, dass Erde unglaublich gut Schwingungen absorbiert, und sobald ein Tunnel unter einem bestimmten Niveau liegt, ist er nicht mehr nachweisbar. Wenn man ein sehr empfindliches, seismisches Instrument hat, könnte man ihn vielleicht wahrnehmen.

Chris Anderson: Sie haben also eine neue Firma gegründet, um das zu tun, die „The Boring Company“ („Das Bohr-Unternehmen“, aber auch „Das langweilige Unternehmen“) heißt. Sehr nett. Sehr lustig.

Elon Musk: Was ist daran lustig?

Chris Anderson: Wie viel von Ihrer Zeit nimmt das in Anspruch?

Elon Musk: Vielleicht zwei oder drei Prozent.

Chris Anderson: Sie haben es ein Hobby genannt. So sieht ein Hobby von Elon Musk aus.

Elon Musk: Das ist es wirklich. Im Grunde sind es Praktikanten und Leute, die das in Teilzeit machen. Wir haben ein paar gebrauchte Maschinen gekauft. Wir werkeln irgendwie ein bisschen herum, aber es macht gute Fortschritte.

Chris Anderson: Einen noch größeren Teil Ihrer Zeit verwenden Sie auf die Elektrifizierung von Autos und Transport bei Tesla. Ist eine der Motivationen für das Tunnelbauprojekt die Erkenntnis, dass in einer Welt, in der Autos elektrisch und selbstfahrend sind, grundsätzlich mehr Autos auf den Straßen unterwegs sein könnten als jetzt?

Elon Musk: Ja, genau. Viele Leute denken, dass selbstfahrende Autos schneller fahren und dies zu weniger Staus führt. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das auch, aber sobald selbstfahrende Autos im Carsharing angeboten werden, wird es viel billiger sein, mit dem Auto zu fahren. Man kann von Punkt zu Punkt fahren, und eine Fahrt mit dem Auto wird preiswerter sein als eine Busfahrkarte. Die Anzahl der Fahrten wird also mit dem Carsharing selbstfahrender Autos viel höher sein, und das Verkehrsaufkommen wird tatsächlich viel schlimmer werden.

Chris Anderson: Sie haben Tesla mit dem Ziel gegründet, die Welt davon zu überzeugen, dass die Elektrifizierung die Zukunft des Automobils ist, und vor ein paar Jahren haben die Leute noch über Sie gelacht. Jetzt nicht mehr so sehr.

Elon Musk: Okay. Ich weiß nicht.

Chris Anderson: (12:30) Aber hat nicht ziemlich jeder Autohersteller ernsthafte Elektrifizierungspläne für die kurz- bis mittelfristige Zukunft angekündigt?

Elon Musk: Ja. Ich denke, fast jeder Autohersteller hat irgendein Elektrofahrzeugprogramm. Sie variieren in ihrer Ernsthaftigkeit. Einige meinen es sehr ernst mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge, andere befassen sich nur oberflächlich damit. Und einige, erstaunlicherweise, verfolgen immer noch Brennstoffzellen; aber ich denke, nicht mehr lange.

Chris Anderson: Aber gibt es nicht trotzdem ein Gefühl, Elon, wo Sie jetzt einfach den Sieg erklären und sagen könnten, „Wir haben es geschafft“? Sie könnten andere die Welt elektrifizieren lassen und sich auf andere Dinge konzentrieren.

Elon Musk: Ich werde solange wie möglich bei Tesla bleiben. Es gibt eine Menge spannender Dinge, die wir vorhaben. Wie sie wissen, kommt bald das Model 3. Wir werden den Tesla Semi Truck vorstellen.

Chris Anderson: Okay, dazu kommen wir noch. Also, Model 3 soll etwa im Juli auf den Markt kommen.

Elon Musk: Ja, es sieht ganz gut aus für den Produktionsstart im Juli.

Chris Anderson: Wow. Eines der Dinge, auf das die Leute mit Spannung warten, ist der Autopilot. Sie haben vor einer Weile ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie diese Technologie aussehen wird.

Elon Musk: Ja.

Chris Anderson: Model S hat ja auch jetzt schon Autopilot (zeigt das Video) Was sehen wir hier?

Elon Musk: Also, hier kommen nur Kameras und GPS zum Einsatz. Es wird kein LIDAR oder Radar verwendet, sondern nur passive Optik, was im Wesentlichen das ist, wie ein Mensch seine Umgebung optisch wahrnimmt. Das ganze Straßensystem soll mit passiver Optik oder Kameras navigiert werden. Wenn man also Kameras oder die optische Wahrnehmungstechnik entwickelt, die das können, dann ist autonomes Fahren machbar. Wenn man die entsprechende optische Wahrnehmungstechnik nicht hat, ist es nicht machbar. Deshalb konzentrieren wir uns so sehr darauf, ein neuronales Netz für die optische Wahrnehmung zu haben, das sehr effektiv für die Straßenbedingungen ist.

Chris Anderson: Genau. Viele andere Leute gehen den LIDAR-Weg. Sie wollen hauptsächlich Kameras plus Radar.

Elon Musk: Man kann allein mit Kameras absolut übermenschliche Fähigkeiten erzielen. Man kann wahrscheinlich ausschließlich mit Kameras zehnmal besser als ein Mensch sein.

Chris Anderson: Die neuen Autos, die jetzt verkauft werden, sind mit acht Kameras ausgestattet. (15:00) Das, was da gezeigt wurde, ist noch nicht möglich. Wann werden sie dazu in der Lage sein?

Elon Musk: Ich denke, wir sind immer noch auf dem besten Weg, bis zum Ende des Jahres von LA nach New York quer durchs Land fahren zu können, völlig autonom.

Chris Anderson: OK, also spätestens Ende des Jahres, sagen Sie, wird sich jemand in einen Tesla setzen, nicht einmal das Lenkrad berühren, „New York“ eintippen, und los geht’s.

Elon Musk: Ja.

Chris Anderson: Ende 2017 wird derjenige nicht einmal das Lenkrad berühren müssen?

Elon Musk: Ja. Wir sollten im November oder Dezember dieses Jahres in der Lage sein, den ganzen Weg von einem Parkplatz in Kalifornien zu einem Parkplatz in New York zu fahren, ohne dass während der gesamten Reise irgendwelche Bedienelemente berührt werden.

Chris Anderson: Erstaunlich. Aber ein Teil davon ist möglich, weil Sie bereits eine Flotte von Teslas haben, die auf all diesen Straßen unterwegs sind. Sie sammeln eine riesige Datenmenge über das nationale Straßennetz.

Elon Musk: Ja, aber viel interessanter ist – und da bin ich eigentlich ziemlich zuversichtlich – dass das Auto die Strecke auch meistern kann, wenn man sie dynamisch ändert. Also, es ist ziemlich einfach…

Eine bestimmte Strecke wirklich gut fahren zu können, ist eine Sache. Aber das Auto sollte in der Lage sein, Sie sicher an jedes Ziel zu bringen, sobald Sie auf der Schnellstraße eines beliebigen Landes fahren. Es ist also nicht auf die Strecke von LA nach New York beschränkt. Wir könnten es in Seattle-Florida ändern, an diesem Tag, in Echtzeit. Sie wollten von L.A. nach New York. Jetzt fahren Sie von LA nach Toronto.

Chris Anderson: Lassen wir mal die Vorschriften beiseite und konzentrieren uns auf die Technologie: Wie lange wird es noch dauern, bis jemand eines Ihrer Autos kaufen und buchstäblich die Hände vom Lenkrad nehmen kann, um einzuschlafen, aufzuwachen und festzustellen, dass er angekommen ist?

Elon Musk: Ich glaube, in etwa zwei Jahren. Die wahre Kunst ist nicht, dass es, sagen wir mal, in 99,9 Prozent der Fälle funktioniert. Denn wenn ein Auto in einem von tausend Fällen einen Unfall hat, dann wird man wahrscheinlich immer noch nicht beruhigt einschlafen. Das sollte man zumindest nicht. (17:30) Natürlich wird es nie perfekt sein. Kein System kann perfekt sein. Aber wenn es unwahrscheinlich ist, dass das Auto in hundert oder tausend Leben einen Unfall hat, dann denkt man sich: Okay, wow, im Verlauf von tausend Leben würde ich wahrscheinlich nie einen Unfall erleben, dann sollte das in Ordnung sein.

Chris Anderson: …einzuschlafen. Ich schätze, Ihre große Sorge ist, dass die Leute sich zu früh in Sicherheit wiegen, und dass Sie einige schreckliche Vorfälle haben werden, die die Dinge verzögern.

Elon Musk: Nun, ich denke, dass das autonome Fahrsystem wahrscheinlich den Unfall zumindest abmildern würde, außer unter seltenen Umständen. Man sollte bei der Fahrzeugsicherheit bedenken, dass sie der Wahrscheinlichkeit unterliegt. Jedes Mal, wenn ein menschlicher Fahrer in ein Auto einsteigt, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er einen selbst verschuldeten Unfall hat. Die Wahrscheinlichkeit ist niemals gleich Null. Die entscheidende Frage für autonomes Fahren ist also: Wie viel besser muss autonomes Fahren sein als ein Mensch, bevor man sich darauf verlassen kann?

Chris Anderson: Aber sobald man buchstäbliches, sicheres Hands-Off-Fahren anbieten kann, hat man doch die Macht, die ganze Branche umzukrempeln. Denn an diesem Punkt – sie haben es angesprochen – werden die Leute in der Lage sind, ein Auto zu kaufen, das sie beim Arbeitsplatz absetzt und dann weiterfährt, um einen Uber-ähnlichen Service für andere Leute anzubieten. Das Auto könnte Geld für sie verdienen und vielleicht sogar die Kosten für ihre Leasingraten decken, so dass sie quasi ein Auto umsonst bekommen könnten. Ist das wirklich wahrscheinlich?

Elon Musk: Ja, absolut. Das wird passieren. Es wird eine gemeinsam genutzte autonome Flotte geben, bei der man sein Auto kauft und wählen kann, ob man es exklusiv nutzen möchte, ob es nur von Freunden und Familie oder nur von anderen Fahrern mit fünf Sterne-Bewertung genutzt werden darf, oder ob man es manchmal teilen möchte, zu anderen Zeiten aber nicht. Das wird ganz sicher so kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Chris Anderson: Wow. Also, Sie haben den Semi-Truck erwähnt. Ich glaube, Sie planen die Ankündigung für September, aber ich bin neugierig, ob es etwas gibt, das Sie uns heute bereits zeigen können?

Elon Musk: Ich werde Ihnen einen Teaser Shot des Trucks zeigen. (Bild wird gezeigt) Er lebt.

Chris Anderson: Okay.

Elon Musk: Das ist definitiv ein Fall, bei dem wir mit der Selbstfahrfunktion vorsichtig sein sollten.

Chris Anderson: (20:00) Es ist nicht viel zu sehen, aber das sieht nicht aus wie der nette, kleine Laster von nebenan. Das sieht eher unerbittlich aus. Was für ein Sattelschlepper ist das?

Elon Musk: Das ist ein Schwerlast-Sattelschlepper mit großer Reichweite; er besitzt die höchste Beladungskapazität und hat eine hohe Reichweite. Im Prinzip soll er die Schwerlasttransporte vermindern. Das halten die Leute derzeit nicht für möglich. Sie denken, der Lkw habe nicht genug Leistung oder Reichweite. Mit dem Tesla Semi wollen wir zeigen, dass ein Elektro-Lkw tatsächlich jeden Diesel-Lkw übertrumpfen kann. Und wenn Sie einen Tauzieh-Wettbewerb veranstalten würden, würde der Tesla Semi den Diesel-Semi bergauf ziehen.

Chris Anderson: Das ist ziemlich cool. Zunächst einmal sollen sie nicht selbstfahrend sein. Das sind Lkws, die Lkw-Fahrer fahren wollen.

Elon Musk: Ja. Der Spaß dabei ist, dass ein Elektromotor eine flache Drehmoment-Drehzahl-Kurve hat, während ein Dieselmotor oder jede Art von Verbrennungsmotor eine Drehmoment-Drehzahl-Kurve hat, die wie ein Hügel aussieht. Also wird dies ein sehr flotter Lkw sein. Sie können damit herumfahren wie mit einem Sportwagen. Es gibt keine Gänge, also sozusagen nur einen Gang.

Chris Anderson: Ich glaube, daraus könnte man einen großartigen Film machen. Ich weiß nicht, was für einen Film, und ich weiß nicht, ob er gut ausgeht; aber es wird ganz bestimmt ein toller Film.

Elon Musk: Es war schon bizarr, als ich den Test-Prototyp für den ersten Truck gefahren habe. Es ist wirklich seltsam, weil man herumfährt, und man einfach so wendig ist. Und dabei ist man in diesem riesigen Truck.

Chris Anderson: Moment, Sie sind schon einen Prototyp gefahren?

Elon Musk: Ja, ich bin damit auf dem Parkplatz herumgefahren und dachte: „Das ist irre…“

Chris Anderson: Wow! Das ist nicht nur heiße Luft.

Elon Musk: „…diesen riesigen Truck zu fahren und solche verrückten Manöver zu machen.“

Chris Anderson: Das ist cool. Okay, von einem wirklich krassen zu einem weniger krassen Bild. (Bild wird gezeigt) Das ist einfach ein süßes Haus aus „Desperate Housewives“ oder so. Was in aller Welt ist hier los?

Elon Musk: Nun, dies illustriert das Bild der Zukunft, von dem ich denke, dass es sich so entwickeln wird. Sie haben ein Elektroauto in der Einfahrt stehen. Wenn Sie zwischen das Elektroauto und das Haus schauen, (22:30) sehen Sie dort drei Powerwalls an der Hauswand, und das Hausdach ist ein Solardach. Das ist also ein echtes Solarglasdach.

Chris Anderson: Okay.

Elon Musk: Das ist ein Bild eines echten… – nun ja, zugegeben, es ist ein echtes Fake-Haus. Das ist ein echtes, unechtes Haus.

Chris Anderson: Einige dieser Dachziegel sind also solarstromfähig – haben also die Fähigkeit…

Elon Musk: Ja. Solarglasziegel, bei denen man die Struktur und die Farbe sehr fein anpassen kann. Und dann gibt es eine Art Mikrolamellen im Glas, so dass, wenn man von der Straße aus oder in der Nähe der Straße auf das Dach blickt, alle Ziegel gleich aussehen, egal ob sich eine Solarzelle darin befindet oder nicht. Sie haben also eine gleichmäßige Farbe vom Boden aus gesehen. Wenn Sie das Dach von einem Hubschrauber aus betrachten würden, könnten Sie tatsächlich hindurchschauen und sehen, dass einige der Glasziegel eine Solarzelle besitzen und einige nicht. Vom Straßenniveau aus kann man das nicht erkennen.

Chris Anderson: Man setzt die Solarzellen in die Ziegel mit hoher Sonneneinstrahlung ein. Das macht diese Dächer sehr günstig, oder? Sie sind nicht viel teurer als eine einfache Dacheindeckung.

Elon Musk: Ja. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Kosten für das Dach plus die Stromkosten… – Ein Solarglasdach wird weniger kosten als ein normales Dach plus die Stromkosten. Mit anderen Worten, es wird aus wirtschaftlicher Sicht keinen Zweifel geben. Wir denken, es wird großartig aussehen und es wird halten.

Wir dachten darüber nach, eine unendliche Garantie zu geben. Wir entschieden uns dagegen, da das so klingen könnte, als ob wir nur Unsinn reden. Aber eigentlich ist das Sicherheitsglas. Lange, nachdem das Haus verfallen und nichts mehr davon vorhanden ist, werden die Glasziegel immer noch da sein.

Chris Anderson: Das ist beeindruckend. Sie werden das also in ein paar Wochen mit vier verschiedenen Bedachungstypen einführen. Stimmt das?

Elon Musk: Ja, wir fangen mit zwei an, und die anderen beiden werden wir Anfang nächsten Jahres vorstellen.

Chris Anderson: Wie groß ist der Ehrgeiz hierbei? Wie viele Häuser könnten Ihrer Meinung nach mit dieser Art von Dacheindeckung ausgestattet werden?

Elon Musk: (25:00) Ich denke, irgendwann werden fast alle Häuser ein Solardach haben. Die Zeitskala hierfür wird wahrscheinlich in der Größenordnung von 40 oder 50 Jahren liegen. Im Durchschnitt wird ein Dach alle 20 bis 25 Jahre ersetzt. Aber man fängt nicht sofort an, alle Dächer zu ersetzen. Wenn man allerdings 15 Jahren vorspult, wird es ungewöhnlich sein, ein Dach ohne Solaranlage zu haben.

Chris Anderson: Ist es eine mentale Sache, dass hierbei nicht ganz verstanden wird, dass aufgrund der Kostenverlagerung, der Wirtschaftlichkeit der Solarenergie, die meisten Häuser tatsächlich genug Sonnenlicht auf ihrem Dach haben, um so ziemlich alle ihre Bedürfnisse zu erfüllen? Wenn man die Energie einfangen würde, könnte man damit so ziemlich alles versorgen, was man braucht. Man könnte vom Stromnetz unabhängig werden.

Elon Musk: Es kommt darauf an, wo man sich befindet und wie groß das Haus im Verhältnis zur Dachfläche ist. Dennoch kann man in der Tat behaupten, dass die meisten Häuser in den USA genug Dachfläche haben, um den gesamten Bedarf des Hauses zu decken.

Chris Anderson: Der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit der Autos, des Semi, dieser Häuser, ist also der fallende Preis der Lithium-Ionen-Batterien, auf den Sie mit Tesla eine große Wette eingegangen sind. In vielerlei Hinsicht ist das fast die Kernkompetenz. Sie haben beschlossen, sich diese Kompetenz wirklich zu eigen zu machen, indem Sie die größte Produktionsanlage der Welt bauen, um das weltweite Angebot an Lithium-Ionen-Batterien zu verdoppeln. Hiermit. Was ist das? (zeigt ein Bild)

Elon Musk: Ja, das ist also die Gigafactory; der bisherige Fortschritt der Gigafactory. Letztendlich können Sie grob erkennen, dass es insgesamt eine Art Diamantform ergibt, und wenn die Fabrik vollständig fertig ist, wird sie wie ein riesiger Diamant aussehen; zumindest ist das die Idee dahinter. Und sie ist nach dem geografischen Norden ausgerichtet. Das ist ein kleines Detail.

Chris Anderson: Und sie ist in der Lage, schließlich etwa hundert Gigawattstunden an Batterien pro Jahr zu produzieren.

Elon Musk: Einhundert Gigawattstunden. Wahrscheinlich mehr, aber ja.

Chris Anderson: Und die Produktion hat schon begonnen?

Elon Musk: Wir produzieren bereits.

Chris Anderson: Sie haben dieses Video herausgebracht. (zeigt Video der Batterieproduktion) Ist das im Zeitraffer?

Elon Musk: Das ist die Zeitlupenversion.

Chris Anderson: Wie schnell ist es wirklich?

Elon Musk: Nun, wenn es mit voller Geschwindigkeit läuft, (27:30) kann man die Zellen ohne Stroboskoplicht nicht wirklich sehen. Sie sind nur unscharf.

Chris Anderson: Eine Ihrer Kernideen für eine aufregende Zukunft ist eine Zukunft, in der wir keine Schuldgefühle mehr wegen des Energieverbrauchs haben. Wie können wir uns das vorstellen. Wie viele Gigafactories, wenn Sie so wollen, braucht man, um uns dorthin zu bringen?

Elon Musk: Ungefähr 100, grob geschätzt. Nicht 10, nicht 1000. Wahrscheinlich um die 100.

Chris Anderson: Sehen Sie, ich finde das erstaunlich. Sie können sich vorstellen, was nötig wäre, um die Welt von diesem Riesenthema fossile Brennstoffe wegzubringen. Also, man baut eine und das kostet fünf bis 10 Milliarden Dollar oder ähnlich, und dann vielleicht die nächste. Es ist schon cool, dass Sie sich dieses Projekt vorstellen können. Und Sie planen bei Tesla, zwei weitere Standorte in diesem Jahr anzukündigen.

Elon Musk: Ich denke, wir werden noch in diesem Jahr Standorte für zwei bis vier Gigafactories bekannt geben. Ja, wahrscheinlich vier.

Chris Anderson: Keine weiteren Andeutungen? Wie, wo, auf welchem Kontinent? Sie müssen nicht antworten.

Elon Musk: Wir müssen einen globalen Markt ansprechen.

Chris Anderson: Okay. Das ist cool. Ich denke, wir sollten über – eigentlich den globalen Markt – reden. Ich werde Ihnen eine Frage über Politik stellen, nur eine. Ich habe die Politik irgendwie satt, aber ich möchte Sie das fragen. Sie sind jetzt in einem Gremium und geben einer Person Ratschläge… –

Elon Musk: Wem?

Chris Anderson: …die gesagt hat, dass sie nicht wirklich an den Klimawandel glaube. Es gibt eine Menge Leute da draußen, die denken, dass Sie das nicht tun sollten. Sie möchten, dass Sie davon Abstand nehmen. Was würden Sie denen sagen?

Elon Musk: Nun, ich denke, dass ich zunächst einmal nur in zwei Beiräten bin, wo das Format darin besteht, durch den Raum zu gehen und die Leute nach ihrer Meinung zu Dingen zu fragen. So ein Treffen gibt es etwa alle ein oder zwei Monate. Das ist die Summe meines Beitrags.

Aber ich denke, in dem Maße, in dem es Leute im Raum gibt, die dafür plädieren, etwas gegen den Klimawandel (30:00) oder für soziale Themen zu tun,…- Ich habe die bisherigen Meetings dafür genutzt, für Einwanderung und Klimaschutz zu sprechen. Und wenn ich das nicht getan hätte, wäre das nicht auf der Tagesordnung erschienen. Vielleicht wird nichts passieren, aber zumindest wurde es angesprochen.

Chris Anderson: Okay. Lassen Sie uns also über SpaceX und den Mars sprechen. Das letzte Mal, als Sie hier waren, sprachen Sie über etwas, das wie ein unglaublich ehrgeiziger Traum schien, nämlich wiederverwendbare Raketen zu entwickeln. Und jetzt haben Sie genau das getan.

Elon Musk: Endlich. Es hat lange gedauert.

Chris Anderson: Erklären Sie uns das. Was sehen wir uns hier an? (zeigt ein Video)

Elon Musk: Dies ist also eines unserer Raketentriebwerke, das aus einer sehr großen Höhe und mit hoher Geschwindigkeit zurückkommt und die obere Raketenstufe gerade in den Weltraum gebracht hat. Ich denke, dies könnte ungefähr Mach 7 oder so gewesen sein, die Ablieferung der oberen Raketenstufe. (das Raketentriebwerk landet)

Chris Anderson: Das war also eine beschleunigte…

Elon Musk: Das war die Zeitlupenversion.

Chris Anderson: Ich dachte, das wäre im Zeitraffer. Das ist wirklich erstaunlich. Mehrere Versuche scheiterten, bevor es endlich gelungen ist. Aber inzwischen haben Sie das wie oft, fünf oder sechs Mal, gemacht?

Elon Musk: Ich glaube, wir sind beim achten oder neunten Mal angelangt.

Chris Anderson: Und zum ersten Mal haben Sie tatsächlich eine der gelandeten Raketen wieder verwendet.

Elon Musk: Ja, wir haben das Raketentriebwerk gelandet und dann wieder für den Flug vorbereitet und es erneut geflogen. Es handelt sich also um den ersten „Reflight“ eines Raketentriebwerks, bei dem dieser Reflight von Bedeutung ist. Es ist nämlich wichtig zu verstehen, dass die Wiederverwendbarkeit nur dann sinnvoll ist, wenn es schnell geht und eine vollständige Wiederverwendbarkeit möglich ist. Wie bei einem Flugzeug oder einem Auto. Man schickt sein Flugzeug nicht zwischen zwei Flügen zu Boeing.

Chris Anderson: Richtig. Das erlaubt Ihnen also, von dieser wirklich ehrgeizigen Idee zu träumen, viele, viele, viele Menschen zum Mars zu schicken, in, ich schätze mal, 10 oder 20 Jahren. Und Sie haben diese ungeheuerliche Rakete entworfen, um das zu tun. Helfen Sie uns, das Ausmaß dieses Dings zu verstehen. (zeigt Bild)

Elon Musk: Nun, Sie können sehen, dass das eine Person ist. (32:30) Und das ist die Rakete.

Chris Anderson: Wenn das ein Wolkenkratzer wäre, dann wären das, habe ich das gelesen, 40 Stockwerke?

Elon Musk: Wahrscheinlich ein bisschen mehr, ja. Diese Ausführung hat etwa die vierfache Schubkraft der Saturn V Mondrakete.

Chris Anderson: Viermal so viel Schubkraft wie die größte Rakete, die die Menschheit je zuvor erschaffen hat.

Elon Musk: Ja.

Chris Anderson: Wie man das halt so macht.

Elon Musk: Ja. In 747-Einheiten ausgedrückt: eine Boeing 747 hat nur etwa eine Viertelmillion Pfund Schubkraft, also entsprechen jede 10 Millionen Pfund Schubkraft vierzig dieser Jumbo Jets. Damit wäre also das Schubkraftäquivalent 120 Jumbo Jets, wenn alle Triebwerke brennen.

Chris Anderson: Und selbst mit einer Maschine, die so konstruiert ist, dass sie der Schwerkraft der Erde entkommen kann, könnte dieses Ding tatsächlich eine voll beladene 747, Menschen, Fracht, alles, in den Orbit bringen.

Elon Musk: Ganz genau. Sie könnte eine voll beladene 747 mit maximaler Treibstofffüllung, maximaler Passagieranzahl und maximaler Fracht als Fracht mitnehmen.

Chris Anderson: Darauf aufbauend haben Sie kürzlich ein Interplanetares Transportsystem vorgestellt, das bildlich dargestellt so aussieht. (zeigt Film) Ist das eine Szene, die in 30 Jahren stattfinden soll? In 20 Jahren? Dass Menschen in diese Rakete einsteigen?

Elon Musk: Ich hoffe, dass der Zeitrahmen circa acht bis zehn Jahren beträgt. Das ist unser Ziel. Unsere internen Ziele sind aggressiver, aber ich denke… – Obwohl die Rakete ziemlich groß erscheint und im Vergleich zu anderen Raketen auch groß ist, denke ich, dass die zukünftigen Raumschiffe dieses wie ein Ruderboot aussehen lassen werden. Die zukünftigen Raumschiffe werden wirklich riesig sein.

Chris Anderson: Warum, Elon? Warum müssen wir zu Ihren Lebzeiten eine Stadt auf dem Mars bauen, in der eine Million Menschen leben, was Sie, wie ich glaube, gerne tun würden?

Elon Musk: Ich denke, es ist wichtig, (35:00) eine inspirierende und ansprechende Zukunft zu haben. Es muss einfach Gründe geben, warum man morgens aufsteht und leben will. Zum Beispiel: Warum wollen Sie leben? Was ist der Grund dafür? Was inspiriert dich? Was liebst du an der Zukunft? Und wenn wir nicht da draußen sind, wenn die Zukunft nicht beinhaltet, dass wir da draußen zwischen den Sternen und eine multiplanetare Spezies sind, dann finde ich das unglaublich deprimierend; wenn das nicht unsere Zukunft ist.

Chris Anderson: Das wird oft als eine Entweder-Oder Situation gesehen. Es geschehen so viele schreckliche Dinge zurzeit auf unserem Planeten, vom Klima über Armut bis hin zu, Sie wissen schon, suchen Sie sich etwas aus. Und das erscheint wie eine Ablenkung. Sie sollten nicht darüber nachdenken. Sie sollten das lösen, was hier und jetzt ist. Und fairerweise muss man sagen, dass Sie mit Ihrer Arbeit bezüglich nachhaltiger Energie bereits einen guten Teil genau dazu beigetragen haben. Aber warum nicht einfach nur das tun?

Elon Musk: Ich denke, es gibt… – Ich betrachte die Zukunft vom Standpunkt der Wahrscheinlichkeiten aus. Es ist wie ein verzweigter Strom von Wahrscheinlichkeiten, und es gibt Aktionen, die wir ergreifen können, die diese Wahrscheinlichkeiten beeinflussen oder die eine Sache beschleunigen oder eine andere verlangsamen. Ich kann etwas Neues in den Strom der Wahrscheinlichkeiten einführen. Nachhaltige Energie wird auf jeden Fall kommen, egal was passiert. Wenn es Tesla nicht gäbe, wenn es Tesla nie gegeben hätte, würde es notwendigerweise entstehen müssen. Das ist tautologisch.

Ohne nachhaltige Energie muss man nicht-nachhaltige Energie nutzen. Irgendwann wird sie ausgehen, und die Gesetze der Ökonomie werden die Zivilisation unweigerlich zur nachhaltigen Energie hinführen. Der fundamentale Wert eines Unternehmens wie Tesla ist das Ausmaß, in dem es das Aufkommen nachhaltiger Energie beschleunigt, es schneller macht, als es sonst der Fall wäre.

Wenn ich also darüber nachdenke, was der fundamentale Wert eines Unternehmens wie Tesla ist, würde ich sagen, dass es hoffentlich die Entwicklung um ein Jahrzehnt, möglicherweise sogar mehr als ein Jahrzehnt, beschleunigen wird. Das betrachte ich als den fundamentalen angestrebten Nutzen von Tesla.

Dann gibt es die Entwicklung zu einer multiplanetaren Spezies (37:30) und einer raumfahrenden Zivilisation. Das ist nicht unumgänglich. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass dies nicht unumgänglich ist. Die nachhaltige Energiezukunft ist meiner Meinung nach weitgehend unvermeidlich, aber eine raumfahrende Zivilisation zu sein, ist es definitiv nicht.

Wenn man sich den Fortschritt im Weltraum ansieht, war man 1969 in der Lage, jemanden auf den Mond zu schicken. Dann hatten wir das Space Shuttle. Das Space Shuttle konnte Menschen nur in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen. Dann wurde das Space Shuttle stillgelegt, und die Vereinigten Staaten konnten niemanden mehr in den Orbit bringen.

Das ist also der Trend. Der Trend geht gegen Null. Die Menschen irren sich, wenn sie glauben, dass sich die Technologie automatisch verbessert. Das tut sie nicht. Sie entwickelt sich nur dann weiter, wenn eine Menge Leute sehr hart daran arbeiten. Ansonsten wird das Technologiewissen langsam wieder verschwinden. Schauen Sie sich große Zivilisationen an, wie die alten Ägypter. Sie konnten die Pyramiden bauen, und sie haben vergessen, wie man das macht. Und dann die Römer; sie bauten diese unglaublichen Aquädukte. Sie haben vergessen, wie man das macht.

Chris Anderson: Elon, wenn man Ihnen zuhört und sich die verschiedenen Dinge anschaut, die Sie gemacht haben, scheint es fast so, als hätten Sie bei allem diese einzigartige, doppelte Motivation, die ich so interessant finde. Einmal der Wunsch, für das langfristige Wohl der Menschheit zu arbeiten. Und dann der Wunsch, etwas Aufregendes zu tun. Und oft hat man das Gefühl, dass Sie das eine brauchen, um das andere anzutreiben.

Bei Tesla wollen Sie nachhaltige Energie, also bauen Sie dafür diese supersexy, aufregenden Autos. Wir müssen auf Solarenergie umstellen, also entwickeln Sie diese schönen Dächer. Wir haben noch gar nicht über Ihr neuestes Projekt gesprochen, für das wir auch leider keine Zeit mehr haben. Sie wollen die Menschheit vor den Gefahren der KI bewahren, und deshalb werden Sie diese wirklich coole Gehirn-Maschine-Schnittstelle entwickeln, die uns allen unendliches Erinnerungsvermögen und Telepathie und so weiter ermöglichen kann.

Und zum Thema Mars hat man das Gefühl, als würden Sie sagen: Ja, wir müssen die Menschheit retten und einen Plan B haben, aber wir müssen auch die Menschheit inspirieren, und das ist ein Weg, sie zu inspirieren.

Elon Musk: Ich denke, der Wert von Schönheit und Inspiration wird sehr unterschätzt, keine Frage. Aber ich möchte eines klarstellen: Ich versuche nicht, der Retter von irgendjemandem zu sein. (40:00) Ich möchte nur über die Zukunft nachdenken, ohne traurig zu sein.

Chris Anderson: Eine schöne Aussage. Ich denke, jeder hier würde zustimmen, dass nichts davon zwangsläufig geschehen wird. Die Tatsache, dass Sie in Ihrem Kopf das träumen, was sonst niemand zu träumen wagen würde, oder sonst niemand in der Lage wäre, auf der Ebene der Komplexität zu träumen, wie Sie das tun – die Tatsache, dass Sie das tun, Elon Musk, ist wirklich bemerkenswert. Danke, dass Sie uns allen helfen, ein bisschen größer zu träumen.

Elon Musk: Aber Sie sagen mir, wenn es irgendwann wirklich verrückt wird, ja?

Chris Anderson: Vielen Dank, Elon Musk. Das war wirklich großartig. (40:50)

Ein Kommentar zu „TED Talk 2017

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