Axel Springer Award 2020 – Pioneers Talk

Anlässlich der Verleihung des ‚Axel Springer Award 2020‘ am 1. Dezember 2020 in Berlin trafen sich Vertreter der deutschen Unternehmenslandschaft mit Elon Musk zu einem „Pioneers Talk“ und stellten Fragen zu verschiedensten Themen. Das englische Transkript und die deutsche Übersetzung basieren auf dem auf YouTube veröffentlichten Video.

Christoph Keese: (00:06) Herzlich willkommen zum Axel Springer Pioneers Talk. Ich freue mich sehr, dass Sie alle an unserer Diskussion teilnehmen. Das Thema des Tages ist „Mission zum Mars“‘, und wir haben heute einen ganz besonderen Gast, nämlich Elon Musk. Elon, herzlich willkommen.

Elon Musk: Danke, dass ich dabei sein darf.

Christoph Keese: Sie sind der Gründer von so vielen Unternehmen, von Tesla, von SpaceX. Darauf werden wir gleich noch zu sprechen kommen. Aber wir haben noch mehr Gäste in der Runde, die ich kurz vorstellen darf.

Dr. Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone, dem Telekommunikationsunternehmen; Olivier Reppert, CEO von Share Now, dem Carsharing-Unternehmen; Markus Essing, CEO von Philip Morris, die ihr Geschäftsmodell, weg vom Tabak, neu aufstellen; Andreas Kroiss, CEO von Einhell, einem Unternehmen, das sich auf den Handel mit Do-It-Yourself-Bauelementen spezialisiert hat. Entschuldigen Sie…

Andreas Kroiss: Ich sagte für Batterien. Unser Hauptgeschäft ist unsere Batterieplattform. Wir haben also eine Gemeinsamkeit.  

Christoph Keese: Dr. Asoka Wöhrmann, CEO von DWS, der großen b2c- und Investmentgesellschaft, und Oscar de Bok, CEO der DHL Supply Chain. Und mein Name ist Christoph Keese, ich bin vom Axel Springer Verlag und Ihr Moderator. Also, Elon, wir kommen gerade von einer Besichtigung Ihrer Baustelle in Grünheide. Und ich glaube, man kann sagen, dass alle tief beeindruckt waren. Vor zwölf Monaten war das noch ein Wald, da gab’s noch keine…

Elon Musk: Eine Papierfabrik, technisch gesehen. Die Bäume wurden nur für die Herstellung von Pappe angebaut. Wir haben keinen Urwald gerodet; es war buchstäblich eine Kartonfabrik. Manchmal fragen sich die Leute, ob wir alte Bäume abholzen. Aber es ist nur, tatsächlich und buchstäblich, ein Zuchtholzwald zur Herstellung von Pappen. Wir reißen eine Pappenfarm nieder.

Christoph Keese: Okay, aber es gab kein Abwasser, kein Frischwasser, zumindest nicht in Rohren unter der Erde…

Elon Musk: Nur Regen in einer anständigen Menge, ja.

Christoph Keese: Und kein Strom. Und jetzt steht dort eine fast fertiggestellte, riesige Fabrik.

Photo: @Albrecht_Kohler aka @gigafactory_4 (Twitter)

Elon Musk: Ja, ein Großteil der Hülle ist bereits gebaut. Und es gibt noch eine Menge Arbeit, da das Gebäude… – wenn Sie einen Computer nehmen, dann wäre das Gebäude das Gehäuse, in dem sich der Computer befindet, aber der Computer selbst ist der schwierige Teil.

Christoph Keese: Ja. Also bitte sagen Sie uns… – Die Deutschen sind ja nicht gerade dafür bekannt, dass sie sehr schnell Bauwerke errichten. Wir sind hier gerade in Berlin – schauen Sie sich den Berliner Flughafen an, richtig? Wie schaffen Sie es, so schnell zu bauen?

Elon Musk: Nun, es ist tatsächlich ziemlich schwierig, alle Genehmigungen zu bekommen, und es erfordert eine Menge Aufwand und eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden. Ich würde also definitiv nicht sagen, dass es einfach ist, die Genehmigungen zu bekommen. Einer der Ansätze, die wir gewählt haben, war, das Risiko mit temporären Genehmigungen einzugehen. Es gibt also eine Möglichkeit, die Dinge im System zu beschleunigen, indem man mit temporären Genehmigungen arbeitet. Aber das Risiko ist, dass Ihre langfristige Genehmigung verweigert werden könnte, und in dem Fall müsste man das gesamte Bauvorhaben stoppen.

Christoph Keese: Und alles abreißen.

Elon Musk: Ja. Die meisten Unternehmen sind also nicht bereit, das Risiko einer befristeten Genehmigung einzugehen und dann das Risiko, stoppen und abreißen zu müssen.

Christoph Keese: Nun, Elon, Sie sind CEO eines börsennotierten Unternehmens; eines sehr wertvollen.

Elon Musk: Okay.

Christoph Keese: Von vielen öffentlichen (… 03:28). Wie erklären Sie den Aktionären, dass Sie dieses Risiko eingehen?

Elon Musk: Ich weiß es nicht. Offen gesagt denke ich, dass wahrscheinlich eine Menge Risiken mit Tesla verbunden sind. Und wenn ein Investor eine risikoarme Situation bevorzugt, würde ich ihm empfehlen, nicht in Tesla zu investieren.

Christoph Keese: Aber viele investieren trotzdem in Tesla, weil sie an die Geschwindigkeit glauben.

Elon Musk: Ja.

Christoph Keese: Warum ist die Geschwindigkeit so essenziell?

Elon Musk: Nun, ich denke, die Geschwindigkeit ist eine grundlegende Determinante für die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Unternehmens. Also vor allem, wenn es um Technologie geht. Die Innovationsrate bestimmt grundlegend, welche Unternehmen erfolgreich sind, welche Unternehmen die Nummer eins in einem bestimmten Bereich sind. Wenn ein Unternehmen die doppelte Innovationsgeschwindigkeit eines anderen hat, wird dieses Unternehmen langfristig eindeutig gewinnen, vorausgesetzt, dass es nicht an einer selbst zugefügten Wunde stirbt oder bereits während der Start-up-Phase.

Christoph Keese: Sie bauen eine Fabrik, die auf eine halbe Million Autos ausgelegt ist.

Elon Musk: Wie ich schon oft erwähnt habe, ist die Herstellung eines Prototyps einfach. Aber die Produktion ist schwer, vor allem, wenn man fortschrittliche Produktionstechniken hat, die die Menschen vorher nicht verwendet haben. (05:00) Der größte Teil unserer Entwicklungsarbeit liegt in der Fertigung, im Grunde in der Konstruktion der Maschine, die die Maschine herstellt. Ich kann das also nicht genug betonen. Die Fabrik, insbesondere eine fortschrittliche Fabrik, ist der schwierige Teil; das Fahrzeugdesign ist vergleichsweise einfach.

Wir werden also eine halbe Million Fahrzeuge pro Jahr anstreben, und unser Ziel ist es, so schnell wie möglich dorthin zu kommen. Die einzige Begrenzung für das Wachstum ist, wie schnell wir Autos mit hoher Qualität und Zuverlässigkeit herstellen können. Das ist das einzige bestimmende Element für das Tempo des Fortschritts. Dennoch denke ich, dass wir selbst bei extremen Anstrengungen wahrscheinlich bis – das ist nur eine Schätzung – etwa Ende 2022 brauchen, um dieses Produktionsniveau zu erreichen.

Christoph Keese: Wie sieht es mit der Nachfrage aus? Noch fahren nicht viele Europäer Elektroautos. Trotzdem bauen Sie eine Giga-Fabrik, wie sie genannt wird. Ist die Nachfrage oder die Schaffung von Nachfrage für Sie ein Thema, oder denken Sie, wenn das Auto gut ist, wenn das Auto praxistauglich ist, wenn es bezahlbar ist, wird es verkauft werden?

Elon Musk: Auf jeden Fall.

Christoph Keese: Auf jeden Fall?

Elon Musk: Ja. Keine Frage.

Christoph Keese: Sie haben keinen Zweifel daran?

Elon Musk: Null.

Christoph Keese: Wie kommt das? Die Schaffung von Nachfrage stellt immer ein großes Thema für einen Unternehmer dar; aber Sie scheinen total zuversichtlich zu sein, dass es funktionieren wird.

Elon Musk: Auf jeden Fall. Wenn man ein überzeugendes Produkt hat und es erschwinglich ist, also das Preis-Leistungs-Verhältnis gut ist – also die Leute genug Geld haben, um es zu kaufen – und das Produkt selbst überzeugend ist, dann wird die Nachfrage nie ein Problem sein. Das ist also nichts, worüber ich mir Sorgen mache. Ich sorge mich darum, dass wir es bezahlbar machen können.

Denn selbst wenn Sie den Wert für Geld unendlich machen würden – wenn die Leute nicht genug Geld haben, können sie es dennoch nicht kaufen. Dann ist es einfach frustrierend für sie. Sie sehen dieses tolle Produkt, aber es ist zu teuer und sie können es nicht kaufen. Also, das Auto bezahlbar zu machen – und gleichzeitig die Fähigkeiten und die Qualität des Produkts weiter zu verbessern – das ist die größte Herausforderung.

Christoph Keese: Viele fragen sich, wie Elon Musk das alles stemmt. Ich weiß, dass Ihnen diese Frage schon oft gestellt wurde, und ich habe viele Interviews mit Ihnen gehört. Aber trotzdem frage selbst ich mich immer wieder, wie schafft er das? Denn Tesla an sich ist ein riesiger, komplexer Betrieb mit Fabriken auf mittlerweile fast allen Kontinenten.

Elon Musk: Fast.

Christoph Keese: Fast, ja. Aber es ist nicht Ihr einziges Unternehmen. Sie haben SpaceX, das ein großer Erfolg zu sein scheint. Sie haben Ihr eigenes Raumfahrtprogramm, Sie reden über eine Mission zum Mars, Sie haben Neuralink, das Computer mit Gehirnen verbindet.

Elon Musk: Neuralink ist ein kleines Unternehmen.

Christoph Keese: Es ist ein kleines Unternehmen?

Elon Musk: Es ist sehr klein.

Christoph Keese: Sie lassen die Boring Company Tunnel…

Elon Musk: Auch sehr klein.

Christoph Keese: Ein sehr kleines Unternehmen. Sie haben den Hyperloop mit ins Leben gerufen. Das ist keine Firma, sondern…

Elon Musk: Nun, die Boring Company kann den Hyperloop mit übernehmen.

Christoph Keese: Die Boring Company kann den Hyperloop übernehmen?

Elon Musk: Ja, ich meine, ein Hyperloop ist im Grunde nur ein schnell fahrendes Elektroauto in einer Vakuumröhre.

Christoph Keese: Okay. Sie haben Starlink, das schnelles Internet auf fast jeden Quadratmeter der Erde bringt.

Elon Musk: Starlink wird großartig sein.

Christoph Keese: Es wird großartig werden. Aber wie…

Elon Musk: Starlink ist Teil von SpaceX.

Christoph Keese: Ein Teil von SpaceX?

Elon Musk: Ja.

Christoph Keese: Wie schaffen Sie es, so tief in so viele verschiedene technische Herausforderungen einzutauchen?

Elon Musk: Nun, ich habe Physik studiert, und ich empfehle Physik auf jeden Fall als eine gute Grundlage, um die Natur der Realität zu verstehen. Physik ist im Grunde nur das Verständnis, wie das Universum tatsächlich funktioniert. Und das ist eine gute Grundlage für eine Vielzahl von technischen Disziplinen. Ich denke auch, dass die analytischen Prinzipien, die Art der analytischen Konstrukte, die in der Physik verwendet werden, im Grunde auf alles anwendbar sind.

Die Physik hat all diese Denkweisen entwickelt, wie das ‚First Principle Thinking‘, das Nachdenken über Dinge im Grenzbereich von hoch und niedrig. Man testet seine Hypothese, was im Wesentlichen dem wissenschaftlichen Prinzip entspricht. Diese Dinge sind unglaublich hilfreich in allen Bereichen. Es ist nur so, dass die meisten Menschen dazu neigen, beim Nachdenken Analogien oder Vergleiche mit etwas, das bereits existiert, heranzuziehen. Und das ist eine Art mentale Abkürzung, die weniger Hirnbelastung erfordert. Dennoch ist sie nicht… – Es ist schwer, fundamentale Einsichten zu erlangen, wenn man nicht vom Standpunkt des Urprinzips aus über die Dinge nachdenkt.

Christoph Keese: Und das ‚First Principle Thinking‘ ist eine Art deduktives Denken, das fast die Kraft eines Naturgesetzes hat, eines physikalischen Gesetzes, das Dinge geschehen lässt, weil sie geschehen müssen?

Elon Musk: Nein, ich meine, das ‚First Principle Thinking‘ bedeutet einfach, sich über die grundlegendsten Wahrheiten, die wir über eine bestimmte Situation wissen, Klarheit zu verschaffen; sich zu fragen, ob die Dinge auf einer sehr granularen Ebene wahr sind; ob die einfachsten Bausteine, von denen wir am meisten überzeugt sind, wahr sind. Und dann schließt man von diesen fundamentalen Axiomen aufwärts. Es ist einfach eine Art Denken in Schlussfolgerungen.

Sollten wir die Axiome, von denen man am meisten glaubt, dass sie wahr sind, für wahr halten? Sind sie die relevantesten? Führen sie notwendigerweise zu einer Schlussfolgerung? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, die mit dieser Schlussfolgerung verbunden ist? Die Realität besteht tatsächlich aus Wahrscheinlichkeiten. Sie ist nicht deterministisch. Sie ist nicht „das eine oder das andere“.

Christoph Keese: Wann hatten Sie Ihre persönliche Erleuchtung, dass diese Regel, die aus der Physik kommt, auch für die Geschäftswelt gilt?

Elon Musk: Ich denke eher, dass es auf alles zutrifft, aber – ich weiß nicht – ich denke, wahrscheinlich 1995 oder 94, so um die Zeit herum.

Christoph Keese: …beim Schwimmen, beim Joggen, unter der Dusche? Wann haben Sie das erkannt? War es ein Prozess oder ein Moment?

Elon Musk: Ich habe über das Internet nachgedacht in der Zeit, als es entstand. Ich fragte mich, was das Internet im Grunde ist. Es ist nicht ein Ort, an dem man E-Mails bekommt oder Bilder postet oder so. In Wirklichkeit ist das Internet wie ein Nervensystem für die Menschheit, während die frühere Kommunikation mehr einer Osmose glich. Um Informationen weiterzutragen, musste jemand jemanden mit einem Telefon anrufen oder ihm einen Brief schreiben, und dann wurde dieser Brief von einer anderen Person, von einer Reihe von Menschen zum Zielort getragen.

Inzwischen erfolgt Kommunikation sofort von jedem Ort der Welt zu jedem anderen und benötigt keinen Menschen, der sie trägt. Das ist so ähnlich wie auf zellulärer Ebene: Ein kleines, primitives, vielzelliges Lebewesen kommuniziert im Wesentlichen nur durch Osmose von einer Zelle zur nächsten, also durch Diffusion. Aber höher entwickelte Organismen haben ein Nervensystem. Die Geschwindigkeit, mit der Informationen übertragen werden können, ist viel schneller. Und die Zugänglichkeit von Informationen ist grundlegend anders.

Und jetzt, mit dem Internet, könnten Sie inmitten des Amazonas-Dschungels mit dem Internet und einer Satellitenverbindung Zugang zu allen Informationen der Welt haben, während man früher selbst in der Library of Congress in den USA, wo es die meisten Bücher gibt, immer noch nur Zugang zu einem Bruchteil der weltweiten Informationen hatte. Das bedeutet, die Menschheit wird zu einem Superorganismus, und zwar in einem Ausmaß, das nur mit einer Art von sofortiger Kommunikation in Lichtgeschwindigkeit von überall nach überall, im Gegensatz zu Osmose und Diffusion, möglich ist.

Christoph Keese: Das ist eine Menschheit, die sich in so etwas wie einen Bio-Organismus verwandelt, oder sich zumindest nach den gleichen Regeln verhält…

Elon Musk: Nicht nur die Geschwindigkeit des Informationsflusses, sondern in der Tat sogar qualitativ der Zugang zur Information war früher sehr begrenzt. Ich meine, jetzt kann man sich rein theoretisch alles selbst beibringen. Früher hatten zum Beispiel die Universitäten so etwas wie ein Monopol auf die höhere Bildung. Aber jetzt sind alle Vorlesungen des MIT online, man kann alle Lehrbücher kaufen, man kann die Tests online machen, man kann alles lernen, was man will, zumindest fast. Ich bin mir nicht sicher, was man nicht online lernen könnte. Sie können heutzutage online kostenlos mehr lernen als jemand, der zu früheren Zeiten einen Doktortitel gemacht hat.

Christoph Keese: Das ist sehr beeindruckend.

Elon Musk: Ich meine, was ist heute der Zweck von Universitäten? Ich denke, es geht hauptsächlich darum, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, Spaß zu haben und mit Freunden zu reden. Es geht nicht um Informationen.

Christoph Keese: Guter Punkt. Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen ist genau das, was wir hier tun. Und so lassen Sie uns die Runde eröffnen und bitte Fragen stellen. Das soll ein offener Dialog sein. Wer möchte beginnen?

Dr. Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone

Hannes Ametsreiter: Also, noch einmal, was Christoph schon gesagt hat: Wir waren tief beeindruckt von dem, was wir beim Besuch der Giga-Factory gesehen haben. Es ist fantastisch, das zu sehen. Ich habe eine Frage, die ich sehr interessant finde, da es in unserem Geschäft um Konnektivität geht. Sie wurden einmal gefragt, welche Infrastruktur für das autonome Fahren vernetzter Autos benötigt wird. Und Sie haben, glaube ich, geantwortet: „Wir nehmen, was wir kriegen,“ was für uns ein bisschen enttäuschend ist, weil wir so großartiges 4G und 5G haben und hören wollen, dass es verbunden sein muss. Was ist Ihre Ansicht bezüglich der Konnektivitätsbandbreite, die Sie für das Auto in Zukunft brauchen?

Und noch eine Frage: (15:00) Wie werden Sie es schaffen, einen Vorsprung zu behalten? Sie waren der Erste, der verstanden hat, dass die Elektromobilität erfolgreich sein könnte und Erfolg haben wird, und sie der richtige Weg ist. Sie ist effizient. Wie können Sie weiterhin den anderen voraus sein? Weil jetzt alle damit anfangen. Ich denke, der größte Ansporn der Elektromobilität kommt von der Konkurrenz, die jetzt nachrückt. Das heißt, Sie sind das Original, Sie haben die Nase vorn. Wie bleiben Sie vorne mit den Batterien und mit den Konzepten, der Software-Plattform?

Elon Musk: Unsere Autos waren fast von Anfang an vernetzt, bereits der frühe Roadster. Wir haben sogar ein Mobilfunkmodem in unsere allerersten Autos, den Roadstern, eingebaut.

Hannes Ametsreiter: Den ersten habe ich in Österreich gekauft.

Elon Musk: Okay, toll, danke. Also, wir haben mit 2G oder so angefangen. Und jetzt stehen unsere Autos kurz vor dem Übergang zu 5G und allem, was dazugehört. Es ist wichtig, ein vernetztes Auto zu haben, damit man die Software aktualisieren und eine Fernanalyse durchführen kann. Viele der Probleme können mit einem Software-Update gelöst werden. Ich meine, unser Auto ist extrem anpassungsfähig. Es ist im Grunde wie ein Computer auf Rädern. Das bedeutet, dass die Leute weniger Zeit in einem Service-Center verbringen müssen.

Und außerdem kann das Auto Probleme selbst diagnostizieren, dem Service-Center im Voraus mitteilen, wir können die Teile vorrätig halten, und somit können wir beim Service viel effizienter sein. Sie können auch jedes beliebige Fernsehprogramm sehen. Man hat High-Speed-Daten Zugriff im Auto; Sie können sich wirklich jede Show anschauen.

Hannes Ametsreiter: Ist es eine spezielle Unterhaltungsplattform, oder nehmen Sie einfach alles aus dem Internet?

Elon Musk: Wir haben mit Netflix und Disney und allen anderen zusammengearbeitet und es verfügbar gemacht. Es gibt auch einen Webbrowser, also kann man sich technisch gesehen alles anschauen, was das Internet bietet. Und es gibt auch Videospiele. Ich denke, Unterhaltung wird extrem wichtig werden, vor allem, wenn wir uns auf völlig autonome Autos zubewegen. Wenn das Auto selbst fährt, was werden Sie dann während der Fahrt tun? Wahrscheinlich wollen Sie Unterhaltung, und vielleicht auch ein paar Dinge, um arbeiten zu können.

Hannes Ametsreiter: Nutzen Sie für das autonome Fahren nur Sensoren wie zum Beispiel Lidar, oder brauchen Sie mehr dafür?

Elon Musk: Wir glauben, dass die Nutzung von ausschließlich Kameras der richtige Weg ist. Wir verwenden überhaupt kein Lidar. Das gesamte Straßennetz ist für passive Optik, also im Wesentlichen für das Sehen, ausgelegt. Wenn man also ein Auto richtig fahren lassen will, muss man das (passiv optische) Sehen möglich machen. Sobald das Auto auf diese Weise die Umgebung wahrnehmen kann, braucht man wirklich keine anderen Instrumente, so wie ein vorsichtiger Fahrer, ein menschlicher Fahrer, auch mit einer extrem guten Leistung fahren kann. Und im Gegensatz zu einem Menschen wird ein Computer nicht müde. Das Auto hat 360-Grad-Umgebungskameras, es hat drei Kameras, die nach vorne gerichtet sind. Es ist also so, als hätte man Augen im Hinterkopf. Das (passiv optische) Sehen ist der richtige Weg.

Aktiv optische Systeme haben einen gewissen Wert, wenn sie eine Wellenlänge haben, die okklusionsdurchdringend ist, also durch Nebel, Regen oder Staub hindurchsehen kann. Aber es muss hochauflösend sein, so dass man sich z. B. auf ein Radar mit einer Wellenlänge von etwa vier Millimetern verlassen kann. Das ist gut für die Okklusionsdurchdringung. Aber es muss genug Auflösung haben, um sicher zu sein, dass man für ein echtes Objekt bremst, und nicht nur für eine Brücke oder einen Gullydeckel oder so etwas.

Hannes Ametsreiter: Wie erhalten Sie sich Ihren Vorsprung?

Elon Musk: Ich weiß nicht, ob wir die Nase vorn haben werden. Vielleicht werden wir nicht vorne bleiben. Ich denke nur darüber nach, wie wir die Erfahrung für den Besitzer des Autos verbessern können. Wie können wir es am spaßigsten, am funktionalsten machen? Was können wir tun, damit sie das Produkt so sehr wie möglich lieben? Und wenn jemand anderes ein besseres Produkt anbietet, dann sollte dieser die Führung übernehmen. Und wir sollten dann verlieren.

Olivier Reppert, CEO Share Now

Olivier Reppert: Okay. Wir von Share Now glauben wirklich, dass wir die Lebensqualität in den Städten verbessern können, und wir lieben Autos, wirklich; wir lieben sie wirklich. Aber wir glauben auch, dass Carsharing etwas ist, das die Nutzung von Autos mit Sicherheit viel effizienter macht. Und außerdem macht es das Fahren bezahlbar, selbst mit einem sehr teuren Auto, da man es nur minutenweise oder stundenweise bezahlen muss. Ich denke, das ist wirklich etwas, was man tun kann, egal wie viel Geld man hat.

Es wäre interessant zu hören, wie Sie die Mobilität in 20 Jahren, speziell im urbanen Bereich, sehen, da wir immer versuchen, auch in unserem Geschäftsfeld in die Zukunft zu schauen und Innovation im Mobilitätsbereich zu betreiben. (20:00) Vielleicht haben Sie die eine oder andere Idee, die uns helfen könnte, unser Produkt weiter zu entwickeln.

Elon Musk: Ich denke, in 20 Jahren wird fast jedes Auto, das produziert wird, vollständig autonom und elektrisch sein. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Flotte elektrisch sein wird, oder dass die gesamte Flotte autonom sein wird, denn die jährliche Produktionsrate von neuen Autos und Lastwagen liegt bei etwa 100 Millionen Stück pro Jahr. Aber es gibt zwei Milliarden Autos und LKWs im aktiven Einsatz, und diese Zahl steigt. Im Grunde genommen dauert es 20 Jahre von dem Punkt an, an dem 100 % der gesamten Fahrzeugproduktion elektrisch ist; von diesem Zeitpunkt an dauert es noch 20 Jahre, bis die Flotte vollständig elektrisch ist.

Sie wissen das natürlich, aber den meisten Leuten ist nicht klar, dass man nicht einfach alle Autos und LKWs wie Mobiltelefone über Nacht ersetzen kann. Die Produktion von Neufahrzeugen beträgt nur 5% der Flottengröße. Und so, wie es im Moment aussieht, sind nur ein paar Prozent der Neuwagenproduktion elektrisch. Und zumindest im Moment ist keine Neuwagenproduktion vollständig autonom. Aber in 20 Jahren werden wahrscheinlich 100 % der Produktion elektrische und vollautonome Autos sein.

Olivier Reppert: Und selbst im städtischen Bereich, wo ich sagen würde, dass die Herausforderung in Bezug auf autonomes Fahren am größten ist…

Elon Musk: Kein Problem.

Olivier Reppert: Das ist in 20 Jahren kein Problem mehr?

Elon Musk: In 20 Jahren? Mein Gott. Ich hoffe, dass es die Zivilisation in 20 Jahren noch gibt. Wissen Sie, ich würde das als Gewinn auffassen.

Olivier Reppert: Okay. Gut. Ja.

Christoph Keese: Danke schön. Markus Essing, Philip Morris.

Markus Essing, CEO Philip Morris

Markus Essing: Wir haben eine ziemlich, wie ich finde, ehrgeizige, nicht sehr bescheidene Vision formuliert, um den Weg in eine rauchfreie Zukunft zu gehen, was, wie ich finde, ziemlich mutig ist. Ihre Vision, denke ich, geht auch über Elektroautos hinaus. Sie berücksichtigt den Übergang zu erneuerbaren Energien, was ich super inspirierend finde, und das Wichtigste für mich oder meine Kinder ist. Was ist Ihrer Meinung nach notwendig?

Schauen wir uns einerseits die, sagen wir mal, grünen Energieoptionen an, die wir heute kennen, wie Sonne und Wind? Und eine dezentralisierte Energieerzeugung? Oder würden Sie eine solche Anlage, wie wir sie heute gesehen haben, an einem Ort bauen, an dem es viel Sonne oder Wind gibt? Oder schauen Sie sich sogar ganz neue Energiequellen an, die darüber hinausgehen?

Elon Musk: Ich meine, ich fühle mich recht wohl bei der Vorhersage, dass die überwiegende Mehrheit der Stromerzeugung auf der Erde solar und elektrisch sein wird – Sonne und Wind, sollte ich sagen. Wind ist tatsächlich… – Ich war überrascht, wie gut Wind geworden ist. Windkraft ist extrem kostengünstig. Tatsächlich werden viele der besten Windturbinen in Deutschland hergestellt. Also, die Zahlen sind extrem gut.

Das muss mit großen Batteriepaketen gepaart werden, um die Windkraft zu puffern, denn die Windgeschwindigkeit ändert sich. Und manchmal weht der Wind nicht. Aber die Leute wollen konstanten Strom haben; sie wollen nicht nur Strom haben, wenn der Wind weht. Also muss man Windturbinen mit großen Batteriepaketen kombinieren. Und das Gleiche gilt für Solaranlagen. Man muss die Solarzellen puffern. Nachts scheint natürlich keine Sonne, und manchmal ist es sehr bewölkt.

Markus Essing: Sehen Sie in der wachsenden Elektroautoflotte einen Puffer, um diese ans Netz zu bringen, oder ist das unrealistisch?

Elon Musk: Ich meine, ich könnte in diesem Punkt durchaus falsch liegen. Die frühen Roadster, die wir gebaut haben, hatten die „Fahrzeug-zu-Netz“ Funktion, aber niemand hat sie genutzt. Also haben wir – Sie wissen schon, es kostet etwas Geld, niemand hat es genutzt – also haben wir es abgeschaltet. Wir könnten es jetzt wieder einschalten. Und eigentlich ist es ganz einfach, vor allem in Europa, wegen der Art und Weise, wie die Anschlüsse funktionieren. Ein bisschen mehr Aufwand bedeutet es in den USA – wir brauchen ein Zubehörteil für vielleicht 100 Dollar, um das dort machen zu können.

Aber ich glaube wirklich, dass die Leute eine Batterie für zu Hause haben wollen. In der Zukunft sehe ich am ehesten die Solarstromerzeugung auf dem Dach. Entweder die Dachziegel selbst ist solarstromerzeugend oder Solarmodule werden auf einem bestehenden Dach installiert. Das wird dann mit einer lokalen Batterie kombiniert – wir haben ein Produkt namens „Power Wall“, das dafür sehr beliebt ist. Wenn das mit Solar- und Windkraftanlagen auf Netzebene kombiniert wird, haben wir eine Langstrecken-Hochspannungs-Gleichstromverbindung.

Hochspannungs-Gleichstrom ist extrem effizient bei der Übertragung von elektrischer Leistung. Meiner Meinung nach braucht man keine Supraleiter. Der Energieverlust bei der Stromübertragung über große Entfernungen ist I²R, also Stromstärke zum Quadrat mal Widerstand. Wenn Sie einfach die Spannung erhöhen, können Sie die Stromstärke niedrig sein lassen (25:00), und dann ist Ihre I²R-Erwärmung niedrig. Wenn Sie also eine hohe Spannung und eine niedrige Stromstärke haben, können Sie eine enorme Menge Strom mit sehr geringen Verlusten transportieren.

Ich denke, es gibt andere Quellen, wie zum Beispiel Wasserkraft und Erdwärme. Ich bin eigentlich nicht gegen Atomkraft. Ich weiß, dass einige Leute die Kernenergie nicht mögen. Aber ich denke, dass Atomkraft in einer Gegend, in der es keine Naturkatastrophen wahrscheinlich sind, eigentlich in Ordnung ist. Ich glaube nicht, dass man Kernkraft an einem Ort haben möchte, an dem es viele Erdbeben oder Tsunamis oder so etwas gibt, oder große Hurrikans, die Namen haben. Aber an Orten, an denen Naturkatastrophen kein Thema sind, halte ich Atomkraft für sehr sicher.

Markus Essing: HerzlichenDank.

Andreas Kroiss, CEO Einhell

Andreas Kroiss: Danke schön. Wir arbeiten in unserer Firma auch an einer Batterieplattform, allerdings ganz anders. Meine Vision ist, dass wir den Do-It-Yourself-Markt revolutionieren. Ich möchte in jedem Haus mit Garten einen Akku haben, so dass alle Werkzeuge und alle Gartengeräte auf einer Plattform betrieben werden können. Also, eine Batterie für alle Werkzeuge im Garten und im Haus. Der Schlüssel ist sicher die Batterie, wie beim Auto.

Wir arbeiten jeden Tag an Laufzeit und Leistung, denn das ist es, was der Kunde im Auto, aber auch bei Werkzeugen und im Garten verlangt. Der Unterschied, denke ich, ist, dass unser Ladegerät immer dabei ist. Und wenn wir ganz in die Elektromobilität gehen, was glauben Sie, wie schnell wir die Autos aufladen können und wie lange wir dafür brauchen werden? Wenn jeder ein E-Auto fährt und diese aufladen möchte, wie können wir ein komplettes Chaos vor den Tankstellen vermeiden?

Elon Musk: Nun, ich denke, die meisten Leute werden ihre Autos zu Hause aufladen. In der Regel laden die Leute ihre Autos dort auf, wo sie auch ihre Handys aufladen, nämlich zu Hause in der Nacht. Das funktioniert eigentlich ziemlich gut mit der Netznutzung, weil der Stromverbrauch im Netz hauptsächlich tagsüber stattfindet. Man braucht eigentlich nicht viele neue Kraftwerke, wenn man bedenkt, dass die Leute ihr Auto hauptsächlich nachts zu Hause aufladen.

Allerdings kann das nicht jeder tun, wenn man zum Beispiel auf der Straße parken muss oder so. Und da braucht man dann Supercharger-Stationen oder das Laden am Arbeitsplatz. Der gesamte Stromverbrauch wird also steigen. Ich meine, wenn alles, wenn der gesamte Transport elektrisch wird, der gesamte Straßenverkehr elektrisch wird, wird sich der Stromverbrauch ungefähr verdoppeln – der gesamte Stromverbrauch. Wie ich schon sagte: Weil die meisten von uns das nachts machen, bedeutet das keine Verdoppelung der Kraftwerke.

Aber wir werden die Menge an Solar- und Windenergie, Erdwärme, Wasserkraft, Kernkraft – ich denke, das ist in Ordnung, wie gesagt – erhöhen müssen, um den Energiebedarf der Elektrofahrzeuge zu bedienen. Wissen Sie, meine Vermutung ist, dass die Mehrheit der Stromproduktion langfristig Photovoltaik gepaart mit Batterien sein wird. Das ist meine Vermutung.

Christoph Keese: Vielen Dank. Herr Dr. Wöhrmann von der DWS.

Dr. Asoka Wöhrmann, CEO DWS Group

Asoka Wöhrmann: Vielen Dank. Die DWS ist ein Unternehmen, das in große Unternehmen auf der ganzen Welt investiert. Ich möchte Ihnen gratulieren, dass Sie Deutschland für diese Giga-Fabrik gewählt haben. Ich denke, Sie haben sich für den Bereich der Technik entschieden. Das ist eine große Kultur in Deutschland. Ich muss sagen, dass ich kein gebürtiger Deutscher bin, aber ich bin hier aufgewachsen; und hier gibt es eine wirklich große Kultur für die Automobilindustrie. Und dass Sie nach Deutschland gekommen sind, ist für mich beeindruckend. Aber eine Sache, die ich gelernt habe…

Elon Musk: Ja, ich liebe Deutschland, es ist großartig.

Asoka Wöhrmann: Ja, es könnte sein, dass wir später mehr Zeit haben, um zu reden. Aber eine Sache, die ich heute auch von Ihnen gelernt habe, ist, nicht wie ein Ingenieur, sondern wie ein Physiker zu denken. Das ist wichtig, denke ich. Ich habe vier kleine Kinder. Also muss ich sie jetzt ein bisschen anders beraten.

Elon Musk: Großartig. Ich denke, die Leute sollten mehr Kinder haben. Ganz im Ernst. Ich meine, wenn die Leute keine Kinder haben, wo sollen dann die Menschen herkommen? Man muss sie irgendwie erzeugen. Es dauert lange, sie großzuziehen.

Asoka Wöhrmann: Ja, ich habe vier, aber wissen Sie, ich muss vorsichtig sein, die Autos sind zu klein. Aber noch einmal, ich möchte sagen, Sie haben die Autoindustrie revolutioniert und haben eine Hingabe für Elektroautos. Was ist die nächste große Sache in Ihrem Kopf? Wissen Sie, Sie haben viele Firmen genannt, die Sie besitzen. (30:00) Was ist eine wirkliche Disruption, die Sie im Sinn haben? Vielleicht wollen Sie heute nicht darüber sprechen, aber es könnte interessant sein.

Elon Musk: Zunächst einmal ist nicht die Disruption um der Disruption willen mein Ziel. Ich denke wirklich, dass es einige wichtige Dinge gibt, die wir lösen müssen, damit wir positiv in die Zukunft blicken können. Meine Art und Weise zu denken funktioniert ungefähr so: „Okay, was müssen wir tun, um sicherzustellen, dass eine gute Zukunft wahrscheinlicher wird?“

Wir müssen eine Lösung für nachhaltige Energie finden. Das ist völlig logisch. Wenn wir keine nachhaltige Energieerzeugung sicherstellen können, dann ist unsere Energieerzeugung nicht-nachhaltig, und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bevor es losgeht… – bevor die Zivilisation zusammenbricht. Selbst wenn es kein Umweltproblem gäbe – da die Verfügbarkeit von Öl begrenzt ist, können wir dies nicht langfristig aufrechterhalten. Mein ursprüngliches Interesse an Elektrofahrzeugen war eigentlich nicht ökologischer Natur. Es entsprang aus Besorgnis. Ich habe Physik studiert und erkannte, dass wir sofort auf Solarenergie umsteigen müssen, oder wir haben ein Problem. Uns geht das Öl aus und die Zivilisation bricht zusammen. Das ist das Problem.

Jetzt haben natürlich die Umweltbedenken die Dringlichkeit erhöht. Denn je mehr CO2 wir in die Ozeane und die Atmosphäre pumpen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief geht. Wie ich schon sagte, es geht eher um eine Wahrscheinlichkeit als um eine Gewissheit. Aber es ist ein unkluges Experiment, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre und den Ozeanen dramatisch zu erhöhen; gerade, weil wir wissen, dass wir sowieso umsteigen müssen, weil uns das Öl irgendwann ausgehen wird.

Warum also dieses Experiment durchführen? Es macht keinen Sinn. Wir wissen, dass wir den Übergang zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft schaffen müssen. Dann lassen Sie uns doch einfach damit weitermachen. Und nicht das verrückte Experiment durchführen und schauen, was passiert, wenn die Atmosphäre 2000 ppm CO2 hat. Das ist verrückt.

Asoka Wöhrmann: Okay. Vielen Dank.

Christoph Keese: Letzte Frage. Herr de Bok.

Oscar de Bok, CEO DHL Supply Chain

Oscar de Bok: Ja, es ist schön, dass Sie diesen Punkt gerade erwähnten. Ich bin verantwortlich für die DHL Supply Chain. Und wir haben ziemlich ehrgeizige Pläne in Richtung Null-Emission und bezüglich der Optimierung der Lieferkette für die Kunden, um dorthin zu gelangen. Aber wir werden immer wieder damit konfrontiert, dass wir auch eine Fluggesellschaft betreiben. Und das ist tatsächlich…

Elon Musk: Wie viele Flugzeuge haben Sie?

Oscar de Bok: …unsere größte Ambition: Wie bekommen wir diesen Bereich CO2-neutral? Ich bin neugierig, was Sie dazu zu sagen haben.

Elon Musk: Nun, eigentlich bin ich gerade neugierig, wie viele Flugzeuge Sie haben?

Oscar de Bok: Viele.

Elon Musk: Eine Menge. Okay. Also, ja, Flugzeuge werden sicherlich elektrisch betrieben werden. Die erforderliche Energiedichte, um ein Flugzeug mit einer vernünftigen Reichweite zu haben, ist viel größer als bei Autos oder Schiffen. Meine (…32:54) Berechnungen legen nahe, dass man etwa 400 Wattstunden pro Kilogramm für ein Flugzeug mit einer vernünftigen Reichweite benötigt. Das ist bei einer Reichweite von gut über 1000 Kilometern der Fall, einschließlich einiger Reserven und, Sie wissen schon, Notstrom und so weiter.

Und dann, wenn Sie über 400 Wattstunden pro Kilogramm gehen, verbessert es sich auf nichtlineare Weise, da man die meiste Energie dafür aufwenden muss, um in die Höhe zu kommen; sobald man eine gewisse Höhe erreicht hat, wird die Luft dünn, und die aufzuwendende Leistung nimmt ab. Wenn man auf 450 Wattstunden pro Kilogramm erhöht, obwohl es, sagen wir mal, 460 oder 480 Wattstunden pro Kilogramm sind, verdoppelt man die Reichweite. Selbst bei einer Steigerung der Energiedichte um 20 % verdoppelt sich die Reichweite auf mindestens 2000 Kilometer, wenn nicht sogar mehr.

Wir erreichen das schrittweise mit einer fast jährlichen Verbesserung der Energiedichte. Das sind einfach Wattstunden pro Kilogramm. Und viele der Verbesserungen der Energiedichte optimieren auch die Kosten, da man weniger Material benötigt und in der Lage ist, mehr Energie in die gleiche Menge an Material zu stecken, was weniger Material pro Energieeinheit bedeutet. Zurzeit befinden wir uns bei etwas über 300 Wattstunden pro Kilogramm, und einige der sehr teuren Zellen können über 400 Wattstunden pro Kilogramm erreichen. Aber ich denke, dass wir auch bei den Zellen, die in großer Stückzahl hergestellt werden, 400 Wattstunden pro Kilogramm erreichen.

Ich gehe davon aus, dass es einen signifikanten Übergang zu Elektroflugzeugen geben wird, beginnend mit Propellerflugzeugen, weil sie im Allgemeinen pro Kilometer effizienter sind als Jets. Dann folgen Turboprops, dann Verkehrsflugzeuge und so weiter. Dieser Übergang geschieht wahrscheinlich recht bald. Innerhalb der nächsten fünf Jahre (35:00) sollten wir die ersten Elektrojets sehen.

Christoph Keese: Okay, das ist faszinierend. Ich danke Ihnen. Unsere Zeit ist fast vorbei. Lassen Sie uns mit ein paar kurzen Fragen und kurzen Antworten abschließen. Planen Sie immer noch, zum Mars zu fliegen? Selbst?

Elon Musk: Ich würde gerne zum Mars fliegen. Der Grund für SpaceX ist nicht, wissen Sie… – wenn ich zum Mars reisen könnte, wäre das schön; aber wichtig ist die Errichtung einer sich selbst versorgenden Stadt auf dem Mars. Das ist von zentraler Bedeutung für die langfristige Zukunft der Menschheit oder des Bewusstseins, wie wir es kennen. Daher geht es nicht in erster Linie um ein paar Leute auf dem Mars, sondern vielmehr darum, eine autarke Stadt auf dem Mars zu errichten und die Menschheit zu einer raumfahrenden Zivilisation zu machen, was ich für die Zukunft unglaublich inspirierend finde.

Christoph Keese: Danke schön. Und die allerletzte Frage. Sie sagten, Sie mögen Deutschland. Aus welchen Gründen mögen Sie Deutschland?

Elon Musk: Ich weiß es nicht. Es war immer schön, wenn ich hier war.

Christoph Keese: Sie haben ein Semester in München studiert?

Elon Musk: Nein, nein, ich habe ein Frühjahrssemester lang Deutsch in Kanada studiert. Also, ich mag die Ingenieurskultur, und es gibt… – es ist schwer zu sagen, warum man etwas mag, aber ich habe hier immer eine gute Zeit. Ich glaube, die Leute wollen wirklich etwas zustande bringen. Und eine Menge der coolsten Leute, die ich kenne, sind Deutsche. Also, ich weiß es nicht genau. Wahrscheinlich mag ich deswegen Deutschland.

Christoph Keese: Wir belassen es dabei. Vielen Dank, dass Sie hier sind. Ich danke Ihnen vielmals.

Dies war unser ‚Pioneers Talk‘. Danke, dass Sie sich uns angeschlossen haben. Danke an alle, die hier sind. Danke, Elon Musk, dass Sie bei uns sind. Danke, und einen schönen Tag noch. (36:47)

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