Interview mit Elon Musk im chinesischen Fernsehen (2015)

Das von „Elon Musk best videos“ am 30.11.2015 auf YouTube veröffentlichte Video ist ein Ausschnitt eines Porträts über und Interviews mit Elon Musk, das im chinesischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Das Transkript und die deutsche Übersetzung betreffen nur das Interview, in dem unter anderem darüber gesprochen wird, warum ein Tesla glücklich macht, wie es ist, einen großen Scheck per Post zu erhalten, warum Elon Musk einem NASA-Mitarbeiter sagte, dass er ihn liebe, und dass es möglich ist, dass Kinder lieber zur Schule gehen, statt Schulferien zu haben. Um die nicht transkribierten Dokumentationssequenzen anzusehen, klicken Sie bitte auf die Zeitangaben-Links.

Elon Musk: (00:00) Wenn man das in ein Produkt umsetzen kann, das die Leute erleben können und das sie mögen und das sie begeistert, dann ist das ein gutes Maß für den Erfolg des Produkts. Mir gefällt es also sehr, dass die Leute beim Kauf eines Autos Freude erleben. Und viele Leute haben mir gesagt, dass es das beste Produkt ist, das sie je gekauft haben, und dass es sie glücklich gemacht hat. Jemand sagte mir sogar, dass, wann immer sie sich traurig fühlen, sie einfach in die Garage gehen und sich das Auto ansehen; das mache sie glücklich. Ich sagte: „Das ist cool. Das ist wirklich cool.“

Interviewer: Was genau hat sie denn glücklich gemacht?

Elon Musk: Das ist, was sie mir sagten – also das Auto.

Interviewer: Ja. Aber was ist Ihre Erklärung dafür? Warum könnte das die Menschen glücklicher machen?

Elon Musk: Es ist attraktiv, es ist ein schönes Auto. Es macht ein paar Dinge. Wenn man sich zum Beispiel dem Auto nähert, spürt es, dass man kommt, und die Türgriffe fahren aus, und es bereitet sich sozusagen darauf vor, dass man kommt. Es ist fast wie ein Haustier.

Interviewer: Aber haben Sie noch diese Art von Freude, wenn Sie das Auto selbst benutzen? Oder haben Sie sich daran gewöhnt und die anfängliche Freude verloren?

Elon Musk: Wissen Sie, in meinem Fall ist das ein bisschen knifflig, weil ich immer auf der Suche nach Fehlern bin. Um das Auto weiter zu verbessern, muss ich eigentlich immer sehr kritisch denken. Wenn ich also das Auto sehe, sehe ich all die Dinge, die meiner Meinung nach verändert werden müssen, um es besser zu machen. So kann man leicht den Sinn für das Wunderbare verlieren oder nur die Mängel sehen. Aber es ist schwierig, das unter einen Hut zu bringen, denn wenn man etwas verbessern will, dann muss man es auf seine Mängel hin analysieren. Aber das verhindert dann irgendwie den Spaß an der Sache. Es ist eine zweischneidige Angelegenheit.

(01:52 – 02:17) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: Sie scheinen überzeugt zu sein, dass wir alle mit Elektroautos fahren werden, und vielleicht eines Tages gar nicht mehr selbst fahren, sondern ein Autopilot das für uns übernimmt. Glauben Sie das wirklich?

Elon Musk: Nun, ich denke, es ist ziemlich klar – zumindest für mich – dass der gesamte Verkehr vollständig elektrisch werden wird. Es ist aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht besser für die Welt, wenn wir früh auf elektrischen Verkehr umsteigen. Das wird einen positiven Einfluss auf Umweltverschmutzung, globale Erwärmung und vieles anderes haben. Und ich glaube, dass wir auf ein Zeitalter des autonomen Transports zusteuern, in dem man das Auto mit seinem Telefon oder ähnlichem herbeiruft, dann einsteigt und dem Computer einfach sagt, wohin man fahren möchte, und es bringt einen dorthin. Das wird sehr schnell passieren, vielleicht in vier oder fünf Jahren.

Interviewer: Ja, aber wie reagieren Sie auf einige – Sie wissen schon – die öffentlichen Meinungen, die Skepsis? Denn es scheint, dass eine Menge Leute Sie beobachten und sagen, ‚na ja, mal sehen, wie weit das gehen kann.‘

Elon Musk: Nun, ich nehme an, dass es Skepsis gegenüber allem Neuen gibt; das ist normal. Und ich erwarte nicht, dass die Leute mir einfach glauben. Aber ich denke, wenn man sich generell meine Vorhersagen anschaut, sind sie öfter richtig als falsch. Ich spreche wirklich nur über fünf Jahre. Wir werden erschwingliche Elektroautos mit großer Reichweite haben, und sie werden autonom sein.

(03:50 – 05:23) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: (bezieht sich auf den zuvor gezeigten Bericht) Wie sehen Sie diesen Widerspruch? Wie könnten Sie ihn unter einen Hut bringen?

Elon Musk: Es ist nicht wirklich ein Widerspruch, denn ich sage immer, dass es für die Zivilisation wichtig ist, eine multiplanetare Spezies zu sein. Es geht also nicht um eine Flucht, also dass wir die Erde verlassen und versuchen sollten, auf dem Mars zu leben oder so etwas in der Art.

Interviewer: Warum konzentrieren wir uns nicht darauf, unseren Planeten zu retten, anstatt darauf, eine Hintertür offen zu haben?

Elon Musk: Nun, ich denke, dass 99 % unserer Bemühungen der Erde gelten sollten, und 99,9 % unserer Bemühungen tun das tatsächlich. Aber es lohnt sich, dieses 1 % zu nehmen und zu versuchen, eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars zu errichten und ein multiplanetarisches Leben zu ermöglichen. Dafür gibt es ein paar gute Gründe. Erstens besteht immer die Möglichkeit, dass auf der Erde etwas Schreckliches passiert, das wir im Zweifel nicht voraussehen. Die Untersuchungen der Fossilien belegen, dass es in den letzten 500 Millionen Jahren fünf große Ereignisse gab, die zu massenhaftem Artensterben geführt haben und dazu, was mit den Dinosauriern geschah. Die waren einmal hier; sie sind nicht mehr da. Das ist also sozusagen das defensive Argument. Und dann gibt es da noch das Argument der Inspiration, der Begeisterung, wie ich es nenne. Eine Stadt auf dem Mars zu bauen wäre einfach ein unglaubliches Abenteuer. Es muss Dinge im Leben geben, die aufregend und inspirierend sind, so dass man morgens beim Aufwachen sagt: „Ja, ich bin froh, am Leben zu sein.“ Und ich denke, dieses große Abenteuer wäre so etwas.

Interviewer: Wissen Sie, es gibt ein Sprichwort im Chinesischen, das heißt (… 06:53). Vor zweitausend Jahren gab es einen Mann, der den ganzen Tag damit verbrachte, sich Gedanken darüber zu machen, was sei, wenn der Himmel herunterfalle? Alle lachten ihn aus und sagten: „Warum kannst du dir nicht über etwas Pragmatischeres Gedanken machen?“ Sind Sie also dieser Mann, der sich Sorgen darüber macht, dass wir vielleicht in ein paar Jahrtausenden auf einen anderen Planeten umziehen müssen?

Elon Musk: Nun, es geht nicht darum, auf einen anderen Planeten zu ziehen. Es geht um eine multiplanetare Spezies. Wir werden immer noch auf der Erde sein, aber wir werden auch auf dem Mars sein. Und wir wollen eine raumfahrende Zivilisation und eine multiplanetare Spezies werden und schließlich die Sterne erforschen. Ich denke, das ist eine viel aufregendere Zukunft als eine Zukunft, in der wir für immer auf die Erde beschränkt sind, bis wir dann schließlich – eventuell durch ein plötzliches Ereignis – aussterben.

(07:33 – 08:00) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: Sie haben sich im Grunde schon als Kind viele Dinge in der Computerprogrammierung selbst beigebracht, und danach haben Sie Physik und Wirtschaft studiert. Sie haben sich selbst Automobiltechnologien beigebracht, und dann Raketentechnik, Batterietechnologie und so weiter und so fort. Was ist die Motivation hinter all dem?

Elon Musk: Nun, ich lerne grundsätzlich alles, was ich lernen muss, um ein Ziel zu erreichen. Und ich denke, eigentlich könnten das die meisten Menschen tun. Aber sie begrenzen sich oft selbst. Menschen sind zu mehr fähig, als sie denken. Ich habe gemerkt, dass man fast alles lernen kann, wenn man einfach eine Menge Bücher liest und mit Leuten spricht.

Interviewer: Aber war Lesen für Sie als Junge auch eine Flucht oder Rettung? In der Schule waren sie anscheinend die meiste Zeit der Jüngste in der Klasse und sind manchmal gemobbt worden.

Elon Musk: Das ist wahr.

Interviewer: Also was hat das Lesen für Sie damals bedeutet?

Elon Musk: Nun, das war natürlich in der Zeit, bevor es Videospiele gabe, und das Fernsehen war auch nicht sehr gut. Und ich war tatsächlich eine ganze Weile der Jüngste und der Kleinste in der Klasse. Meine Eltern zogen oft um, so dass ich sechs verschiedene Schulen besuchte und es schwierig war, Freunde zu finden. Im einen Jahr war man in der Schule, im nächsten in der anderen. Also waren Bücher sicherlich etwas, das ich als tröstlich empfand, und ich habe die ganze Zeit gelesen – einfach die ganze Zeit, wissen Sie, von morgens bis abends.

(09:36 – 09:55) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Elon Musk: Generell fand ich das Fantasy-/Science-Fiction-Genre am interessantesten. Ich habe auch eine Menge Philosophen und religiöse Texte und solche Sachen gelesen, und auch eine Menge Sachbücher; ich habe die Enzyklopädie gelesen. Und tatsächlich, ich erinnere mich, als ich gerade in der Grundschule war, las ich etwas über Ionenantriebe. Und ich dachte, die wären super cool. Jetzt starten wir Satelliten mit Ionentriebwerken.

Interviewer: Aber wie sieht es mit realen Figuren der Geschichte aus? Sie wissen schon, Newton oder Einstein, und so weiter? Haben Sie sich vorgenommen, jemand Großes zu sein, jemand, der ein Vermächtnis in der Geschichte für die ganze Menschheit hinterlassen kann?

Elon Musk: Nein, das habe ich nie gedacht. Ich wusste als Kind nicht, was ich machen würde, wenn ich erwachsen bin. Ich wollte einfach nur an Dingen beteiligt sein, die auf der Höhe der Zeit waren, die Spaß machten und die Zukunft der Welt beeinflussten. Aber ich hatte nicht geglaubt, dass irgendetwas Großartiges passieren würde.

(10:56 – 11:26) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: (bezieht sich auf den zuvor gezeigten Bericht) Waren Sie sich sicher, was Sie erreichen würden?

Elon Musk: Nein, eigentlich habe ich erwartet, dass ich scheitern werde.

Interviewer: Sie haben erwartet zu scheitern, aber haben es dann trotzdem gemacht?

Elon Musk: Ich habe mit dem Scheitern gerechnet, da die meisten Unternehmen scheitern. Wenn mehr als 90 % der Unternehmen scheitern und ich keine Erfahrung darin habe, Unternehmen zum Laufen zu bringen, dann ist das Scheitern das wahrscheinlichste Ergebnis. Aber ich hielt es nicht für außerordentlich riskant, denn ich sprach mit meinem Professor und erzählte ihm von meinem Plan, eine Internetfirma zu gründen. Und dass das wahrscheinlich nicht funktionieren würde. Ich fragte ihn, ob es ihm etwas ausmache, wenn ich zurück in die Klasse käme, wenn es nicht klappt. Er meinte: „Nein. Kein Problem.“

Interviewer: Woher kam die ursprüngliche Investition? Ihr eigenes Taschengeld, oder von Ihrer Mutter finanziert?

Elon Musk: Nun, ich hatte ungefähr 3.000 Dollar und einen Computer. Dann kam mein Bruder dazu, und er hatte, glaube ich, 5.000 Dollar. Dann kam noch ein anderer Freund von uns, und er hatte 6.000 Dollar. Das war also nicht wirklich viel. Am Anfang hatten wir nicht genug Geld, um eine Wohnung und zusätzlich ein Büro zu mieten. Da das Büro billiger war, schliefen wir dort. Außerdem dachten wir, dass ein Büro vielleicht professioneller ist; wir wollten Geschäftsleute nicht in einer Wohnung empfangen. Aber nachts schliefen wir einfach auf der Couch im Büro und gingen ins YMCA, um zu duschen. Ganz zu Anfang hatten wir nur einen Computer, also funktionierte die Website nur tagsüber, weil ich nachts die Software programmierte.

Interviewer: Ihr Bruder und ein Freund haben sich Ihnen angeschlossen, aber Sie waren bereit, zu scheitern. Wie haben Sie sie überzeugt, sich Ihnen anzuschließen?

Elon Musk: Oh, sie dachten auch, wir würden scheitern.

Interviewer: Was wurde daraus?

Elon Musk: Es ist schließlich ziemlich gut gelaufen. Ich meine, wir haben das Unternehmen wachsen lassen, und es wurde schließlich für etwa 300 Millionen Dollar verkauft.

(13:31 – 13:56) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: Also, wenn ein junger Mann plötzlich – Gott, Sie wissen schon – Millionen von Dollar, und dann eine Milliarde… – waren Sie nicht zumindest für eine Weile überwältigt?

Elon Musk: Ja, darauf können Sie wetten. Auf jeden Fall. Es war irgendwie aufregend.

Interviewer: Was haben Sie mit diesem Geld gemacht? Wie war es, so einen Scheck zu bekommen?

Elon Musk: Das war großartig. Sie haben tatsächlich einen Scheck mit der Post geschickt. Da war dann ein Scheck in der Post, was irgendwie unglaublich ist, weil es ein Scheck über diese riesige Summe war – per Post.

(14:25 – 14:40) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: (bezieht sich auf den zuvor gezeigten Bericht) Das war wohl eine der verrücktesten Sachen, die Sie gemacht haben.

Elon Musk: Ja, ich war mit Peter Thiel unterwegs, einem meiner Mitbegründer von PayPal. Wir sind eigentlich nur die Sand Hill Road hochgefahren und waren auf dem Weg zu Michael Moritz von Sequoia Capital. Peter fragte mich: „Was kann dieses Auto denn?“ Und dann kamen die berühmten letzten Worte, die ich sagte: „Pass mal auf.“ Ich gab Gas und machte einen Spurwechsel, die Heck brach aus, und das Auto drehte sich. Dann sind wir in die Böschung gefahren und das Auto wurde in die Luft geschleudert, hat sich dann weitergedreht wie ein Diskus, etwa drei Meter hoch in der Luft und – bam – landete dann in der ursprünglichen Fahrtrichtung – es war wie im Film. Die Fahrwerkaufhängung war durchbrochen und ich fuhr an den Straßenrand. Ich dachte nur ‚heiliger Bimbam, das war krass‘. Danach habe ich Fahrstunden mit dem McLaren genommen, weil es ein schwierig zu fahrendes Auto ist.

Interviewer: Sind Sie heutzutage ein sehr vorsichtiger Fahrer?

Elon Musk: Ich denke, ich bin ein ziemlich umsichtiger Fahrer. Ja.

(15:40 – 16:17) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Elon Musk: (bezieht sich auf den zuvor gezeigten Bericht) Aber ich hatte da eine schwierige Wahl. Denn ich konnte entweder das gesamte Geld für SpaceX oder für Tesla bereitstellen und damit die Chance erhöhen, dass eines der beiden Unternehmen überlebt. Oder ich konnte das Geld aufteilen. Aber wenn ich das Geld aufteilte, dann würden vielleicht beide Unternehmen sterben. Das ist fast so, als hätten Sie zwei Kinder, und Sie haben nur so viel Essen – Was machen Sie?

Interviewer: Also, wie haben Sie sich entschieden?

Elon Musk: Ich teilte es auf.

Interviewer: Als Sie dem Scheitern so nah waren – was haben Sie sich gesagt? Kann ich das überleben?

Elon Musk: Nein, ich…

Interviewer: Sie haben sich selbst nicht in Frage gestellt?

Elon Musk: Nein. Das schwierige in solchen Situationen ist die Verantwortung gegenüber den Angestellten und den Investoren, die sich mit eingebracht haben. Es wäre sehr ernüchternd gewesen, wenn ich meiner Verantwortung, das Unternehmen überleben zu lassen, nicht hätte nachkommen können.

Interviewer: Sie sagten, Sie hätten fast einen Nervenzusammenbruch gehabt. Woher kam die Hartnäckigkeit bzw. die Belastbarkeit?

Elon Musk: Ich erinnere mich an den Moment, der einem Nervenzusammenbruch am nächsten kam. Ich dachte nie, dass ich jemand bin, der, Sie wissen schon – ich dachte, Nervenzusammenbrüche – das ist lächerlich. Warum sollten Menschen so etwas haben? Aber ich erinnere mich, dass ich am Sonntag vor Weihnachten 2008 aufwachte und dachte: „Verdammt, so nah war ich noch nie dran.“ Es sah ziemlich düster aus. Denn zu diesem Zeitpunkt war zwar der vierte Start von SpaceX geglückt, aber uns ging immer noch das Geld aus, weil wir drei Misserfolge und nur einen Erfolg hatten – immer noch nicht genug. Und dann war die Finanzierungsrunde für Tesla noch nicht abgeschlossen, und wir hatten nur zwei Tage, vielleicht drei… ich glaube, es waren vielleicht zwei oder drei Tage, um sie vor Weihnachten abzuschließen. Also befürchtete ich, dass das ein wirklich schlechtes Ende des Jahres werden könnte. Vielleicht würden beide Firmen scheitern.

Interviewer: Haben Sie geweint oder gebrüllt?

Elon Musk: Nein, das habe ich nicht.

Interviewer: Oder die Wohnung zerstört?

Elon Musk: Nein. Aber Schlafen war schwierig.

(18:45 – 18:53) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Elon Musk: (bezieht sich auf den zuvor gezeigten Bericht) Ich habe nicht erwartet, dass sie (die NASA) anrufen. Eigentlich dachte ich, sie wären im Urlaub, weil es so kurz vor Weihnachten war. Es war nur ein paar Tage vor Weihnachten. Also dachte ich, naja, es ist unmöglich, dass sie anrufen. Sie müssen für den Rest des Jahres nach Hause gefahren sein.

(19:06 – 19:11) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Elon Musk: Aber sie haben angerufen und gesagt, dass SpaceX diesen 1,4 Milliarden Dollar Vertrag bekommt.

Interviewer: Was war Ihre Reaktion auf diese Nachricht?

Elon Musk: Ich habe gesagt: „Ich liebe Sie.“ Was, glaube ich, keine normale Reaktion für NASA-Vertragsbeamte ist. Das war gut. Und dann, ein paar Tage später, haben wir die Tesla-Finanzierungsrunde in der letzten Stunde des letzten Tages, an dem es möglich war, abgeschlossen – das war 18 Uhr an Heiligabend 2008.

(19:48 – 20:15) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: Also sind Misserfolge nicht das Schlimmste, aber man muss daraus lernen und darauf reagieren?

Elon Musk: Ja, genau. Wenn man etwas Neues aufbaut, macht man Fehler. Und es ist wichtig, diese Fehler zu erkennen, sie zuzugeben und Korrekturmaßnahmen zu ergreifen. Der Erfolg eines Unternehmens hängt sehr viel mehr davon ab, wie schnell man Fehler behebt, und nicht davon, ob man Fehler macht.

Interviewer: Oder die Fehler zugibt.

Elon Musk: Auf jeden Fall. Und wenn Sie den Unterschied zwischen einem Startup sehen, das erfolgreich ist, und einem, das nicht erfolgreich ist, dann liegt das daran, dass das Erfolgreiche – beide haben Fehler gemacht – aber das Erfolgreiche erkennt die Fehler und behebt sie sehr schnell. Und das Erfolglose versucht zu leugnen, dass die Fehler existieren.

Interviewer: Nein, extrem kluge Menschen sind manchmal ziemlich arrogant, weil sie an das glauben, woran sie glauben, richtig? Und wenn sie dann mit Kritik konfrontiert werden, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie zugeben, dass sie Fehler machen könnten. War das bei Ihnen der Fall?

Elon Musk: Ich habe während meines Physikstudiums gelernt, dass… – in der Physik wird einem beigebracht, sich selbst immer in Frage zu stellen; man wird gelehrt, immer anzunehmen, dass man falsch liegt, nicht anzunehmen, dass man richtig liegt. Und man muss beweisen, dass man nicht falsch liegt. Das ist sehr effektiv, um kontraintuitive Dinge zu erkennen, die nicht offensichtlich sind.

Interviewer: Sie sind sehr berühmt dafür, dass Sie sagen, Scheitern sei tatsächlich eine Option. Und wenn man nicht scheitert, bedeutet das, dass man nicht innovativ genug ist.

Elon Musk: Ja, es ist nicht so, dass ich Scheitern mag. Ich meine, wer mag schon Scheitern – es ist schrecklich. Aber wenn man nur Dinge tut, bei denen man sicher ist, dass sie gelingen, dann wird man nur sehr offensichtliche Dinge tun.

(21:50 – 22:03) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: Innovativ zu sein kann sehr spannend sein. Geschäfte zu machen erfordert manchmal Ausdauer, manchmal kann es sehr langweilig sein. Haben Sie den gleichen Spaß an der Innovation wie am Geschäft, am Führen eines Unternehmens? Oder wären Sie lieber nur ein Innovator, ein Ingenieur, anstatt ein Geschäftsinhaber zu sein?

Elon Musk: Ich meine, ich würde liebend gerne nur Innovationsarbeit leisten und mich einfach nur mit Technik beschäftigen. Aber Sie sprechen einen guten Punkt an. Denn bei vielem im Leben im Allgemeinen und auch bei jedem Job müssen Sie Ihre Aufgaben erfüllen. Wissen Sie, es gibt…

Interviewer: …niemanden sonst, der das für Sie tut?

Elon Musk: Nun, ja, ich denke, um bei fast allem erfolgreich zu sein, muss man sowohl die schwierigen als auch die angenehmen Dinge tun; man muss sowohl die langweiligen als auch die nicht langweiligen Dinge tun. Und wenn Sie Ihre Aufgaben nicht erledigen, dann bleibt der Erfolg aus. Wenn Sie die Dinge nicht tun, die Sie nicht gerne tun, dann wird die Firma in Schwierigkeiten geraten. Grundsätzlich macht es mehr Spaß, das Essen zu kochen, als den Abwasch zu machen. Okay, aber Sie müssen das Geschirr abwaschen.

Interviewer: Man muss beides tun.

Elon Musk: Ja, man muss beides tun, genau.

Interviewer: Was sind denn einige der Ideen, die Sie aktuell begeistern? Denn es gibt so viele brillante Ideen auf der Welt. Wie können Sie sich auf die Dinge konzentrieren, die Sie tun, anstatt sich von so vielen anderen guten Ideen ablenken zu lassen?

Elon Musk: Es gibt eine Menge Möglichkeiten für die Elektrifizierung von Autos, Flugzeugen und Booten, und mich begeistert der Gedanke an einen senkrecht startenden und landenden Überschall-Elektrojet. Das ist etwas, das ich gerne irgendwann in der Zukunft machen würde, wenn es die Zeit erlaubt.

(23:41 – 24:44) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: (bezieht sich auf den zuvor gezeigten Bericht) Und auch, wenn Maschinen uns viele Aufgaben abnehmen, gibt es immer noch Aufgaben, die wir selbst übernehmen sollten, wie zum Beispiel die Vaterschaft. Wie erziehen Sie Ihre fünf Söhne?

Elon Musk: Tatsächlich habe ich eine kleine Schule gegründet.

Interviewer: Was für eine Schule? Können Sie sie uns beschreiben?

Elon Musk: Sicher. Sie ist klein, es sind jetzt nur 14 Kinder, und es werden 20 Kinder ab September. Die Schule heißt „Ad Astra“, was „zu den Sternen“ bedeutet. Anders als bei den meisten anderen Schulen gibt es keine Klassen, also nicht so etwas wie erste, zweite und dritte Klasse. Die Kinder müssen nicht im gleichen Alter in die gleiche Klassenstufe gehen, ähnlich einer Fließbandfertigung. Manche Menschen lieben Englisch oder Sprachen, manche Menschen lieben Mathe, manche Menschen lieben Musik, und sie haben unterschiedliche Fähigkeiten zu unterschiedlichen Zeiten. Es macht mehr Sinn, die Ausbildung auf ihre Neigungen und Fähigkeiten abzustimmen. Das ist zum Beispiel ein Prinzip dieser Schule.

Ein anderes ist, dass es wichtig ist, Problemlösung zu lehren oder am Problem zu lehren und nicht über Werkzeugen. Wie lehrt man zum Beispiel, wie Motoren funktionieren. Eine traditionellere Herangehensweise wäre, alles über Schraubenzieher und Schraubenschlüssel beizubringen. Es gibt einen Kurs über Schraubenzieher, einen Kurs über Schraubenschlüssel und all diese Dinge. Das ist ein sehr schwieriger Weg. Ein viel besserer Weg wäre zu sagen: „Hier ist der Motor. Jetzt nehmen wir ihn mal auseinander. Wie sollen wir ihn auseinandernehmen? Oh, wir brauchen einen Schraubenzieher. Dafür ist der Schraubenzieher da. Wir brauchen einen Schraubenschlüssel. Dafür ist der Schraubenschlüssel da.“ Und dann passiert etwas ganz Wichtiges, nämlich dass die Relevanz der Werkzeuge deutlich wird.

Interviewer: Also alle Ihre fünf Jungs sind in dieser Schule?

Elon Musk: Ja.

Interviewer: Bis wann? Ist das von der Vorschule an?

Elon Musk: Ich weiß nicht. Die Schule ist erst ein Jahr alt. Die Kinder mögen es.

Interviewer: Sie mögen es?

Elon Musk: Ja.

Interviewer: Und Sie wollen sie von den regulären Schulen fernhalten?

Elon Musk: Nein. Ich habe nur nicht gesehen, dass die regulären Schulen die Dinge taten, von denen ich dachte, dass sie getan werden sollten. Zum Beispiel hielten sich diese beiden Schulleiter nicht an diese Prinzipien. Also dachte ich, na ja, mal sehen, was wir tun können. Vielleicht wird es besser sein, eine Schule zu gründen. Ich stellte unter anderem einen Lehrer von der Schule ein, an der meine Kinder waren, der ebenfalls dachte, dass es einen besseren Weg gibt zu lehren.

Interviewer: Haben die Kinder Sie in irgendeiner Weise mit ihrem innovativen Denken überrascht?

Elon Musk: Ja, es scheint ziemlich gut zu laufen. Ich meine, die Kinder gehen wirklich gerne zur Schule. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen. Ich hatte es gehasst, zur Schule zu gehen, als ich ein Kind war; es war eine Folter. Also die Tatsache, dass sie tatsächlich denken, dass die Ferien zu lang sind, weil sie wieder zur Schule gehen wollen, überzeugt mich.

Interviewer: Nun, es gibt so viele junge Leute, die Generation der Millennials, die ihr eigenes Unternehmen gründen wollen, mit der Zugänglichkeit des Internets und einem so großen Markt hier in China. Was ist Ihr Rat für sie? Denn manchmal verfallen sie leicht in Tagträumerei oder Wunschdenken. Wie erhält man das Gleichgewicht zwischen Fantasie und Pragmatismus?

Elon Musk: Bei der Gründung eines Unternehmens stimmt, was Edison sagte: „1% Inspiration, 99% Transpiration“. Bei der Gründung eines Unternehmens geht es also zu einem großen Teil um die Ausführung. Man fängt mit einer Idee an, und diese Idee ist meistens falsch. Und dann passt man diese Idee an und verfeinert sie immer weiter. Und man hört sich Kritik an. Manche Kritik verwirft man – man versucht, die falsche Kritik zu verwerfen – man versucht, auf die richtige Kritik zu hören und sich dann in einer Art rekursiver Selbstverbesserung zu engagieren, indem man es ständig verfeinert und besser macht.

Und man muss wirklich hart arbeiten – das ist sehr wichtig. Und sich dann immer weiterentwickeln mit dem Hinblick darauf, ob ich etwas Nützliches mache für andere Menschen. Denn das ist es, was ein Unternehmen tun soll. Wissen Sie, ein Unternehmen ist nur eine Gruppe von Menschen, die zusammenkommen, um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu produzieren. Und ein Unternehmen sollte nur existieren, wenn dieses Produkt oder diese Dienstleistung für die Kunden wirklich nützlich ist.

(29:03 – 29:15) Dokumentation/Bericht über Elon Musk auf Chinesisch, Übersetzung nicht verfügbar

Interviewer: Ich schätze, Sie werden nicht die ganze Zeit über Tesla leiten. Was ist der nächste Schritt für Sie?

Elon Musk: Nun, ich werde sicherlich Tesla und SpaceX in absehbarer Zukunft leiten. Und das Hauptziel von Tesla ist es, ein erschwingliches, großartiges Elektroauto zu bauen, eine Art Auto der dritten Generation. Denn Sie können die Welt für Elektroautos nur dann verändern, wenn die Leute es sich leisten können, ein großartiges Elektroauto zu kaufen. Erschwingliche Elektroautos sind nicht großartig, und die großartigen Elektroautos sind nicht erschwinglich. Wir brauchen großartige Elektroautos, die erschwinglich sind. Das ist also das Ziel von Tesla. Und mit SpaceX ist es ein etwas längerfristiges Ziel, weil wir die Wiederverwendbarkeit von Raketen ermöglichen müssen. Das ist grundlegend, um die Kosten der Raumfahrt um den Faktor 100 zu verbessern. Und dann müssen wir die Raketen wirklich groß machen und in der Lage sein, viele Menschen und große Fracht zum Mars zu schicken. Bis jetzt ist noch niemand auf dem Mars gewesen. Das ist also ein sehr hoher Berg, den es zu erklimmen gilt.

Interviewer: Wollen Sie einer von denen sein, die die Reise ausprobieren?

Elon Musk: Das würde ich gerne. Wenn klar ist, dass SpaceX auch ohne mich zurechtkommt, dann werde ich zum Mars reisen.

Interviewer: Haben Sie das Gefühl, dass es eine Art Schicksal für Sie gibt?

Elon Musk: Manchmal habe ich das Gefühl, aber ich weiß nicht, ob dieses Gefühl berechtigt ist.

Interviewer: Was sind die Regeln, nach denen Sie leben wollen? Denn es scheint, dass Sie viele Regeln gebrochen haben. Aber was sind einige der Regeln, an die Sie sich halten wollen?

Elon Musk: Ich möchte nützlich sein. Und ich möchte in der Lage sein, zurückzublicken und zu sagen, dass meine Handlungen einen guten Effekt auf die Welt hatten.

Interviewer: Wunderbar. Ich danke Ihnen vielmals, Elon. Ich danke Ihnen für Ihre Zeit.

Elon Musk: Ich danke für die Einladung. Das Gespräch mit Ihnen war sehr angenehm.

Ein Kommentar zu „Interview mit Elon Musk im chinesischen Fernsehen (2015)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s