Starship Präsentation 2019

Diese deutsche Übersetzung und das Transkript der Starship-Präsentation, die am 19. September 2019 stattfand, basieren auf dem YouTube-Video, das am 29. September 2019 von „The Sun“ veröffentlicht wurde. Viele der Bilder in diesem Beitrag enthalten einen Link zu den Videosequenzen, die während der Starship-Veranstaltung gezeigt wurden und auf die sich Elon Musk in seiner Rede bezieht. Um diese zu sehen, klicken Sie einfach auf die Bilder.

Elon Musk: (00:21) Ich glaube, das ist das Inspirierendste, was ich je gesehen habe. Ich möchte dem SpaceX-Team und den Zulieferern sowie den Menschen in Boca Chica und Brownsville danken. Danke für Ihre Unterstützung. Und, wow, was für ein außerordentlicher Job von so einem großartigen Team, um dieses unglaubliche Gefährt zu bauen. Das wollte ich als erstes loswerden. Ich meine, ich bin einfach so stolz, mit so einem tollen Team arbeiten zu können. Es ist übrigens sehr windig hier. Wenn Sie das online sehen – es ist wirklich windig.

Der Sinn dieser Präsentation und dieser Veranstaltung beinhaltet zwei Elemente. Das eine ist, die Öffentlichkeit zu inspirieren, die Menschen für unsere Zukunft im Weltraum zu begeistern, die Menschen für die Zukunft zu begeistern. Es gibt so viele Dinge, über die man sich Sorgen machen muss, so viele Dinge, über die man besorgt ist. Natürlich gibt es viele Probleme in der Welt, und diese sind wichtig, und wir müssen sie lösen. Aber wir brauchen auch Dinge, die uns begeistern, am Leben zu sein, die uns froh machen, morgens aufzuwachen und die uns für die Zukunft begeistern und versprechen, dass die Zukunft großartig sein wird.

Die Erforschung des Weltraums ist eines davon; und eine raumfahrende Zivilisation zu werden, die da draußen zwischen den Sternen ist. Das ist einer der Gründe, warum ich mich freue, am Leben zu sein; ich denke, so geht es vielen Menschen. Es ist einer der besten Gründe. Wir stehen vor einer Wahl: Welche Zukunft wollen wir? Wollen wir eine Zukunft, in der wir eine raumfahrende Zivilisation werden und in vielen Welten und da draußen zwischen den Sternen sind oder eine, in der wir für immer auf die Erde beschränkt sind? Ich wähle die erste, und ich hoffe, Ihr stimmt mir zu. (02:30)

Der entscheidende Durchbruch, den wir brauchen, um eine raumfahrende Zivilisation zu werden, besteht darin, die Raumfahrt wie die Luftfahrt zu gestalten. Wenn man mit einem Flugzeug fliegt, dann fliegt man dieses Flugzeug viele Male. Auf die Gefahr hin, das Offensichtliche zu sagen – wirklich fast jedes Transportmittel, ob nun ein Flugzeug oder ein Auto, ein Pferd oder ein Fahrrad, ist wiederverwendbar. Man benutzt dieses Transportmittel viele Male. Wenn man für jeden Flug ein neues Flugzeug kaufen müsste und für die Rückreise sogar zwei Flugzeuge bräuchte, könnten es sich nur sehr wenige Menschen leisten, zu fliegen. Oder wenn man ein Auto nur einmal benutzen könnte, könnten es sich nur sehr wenige Menschen leisten, Auto zu fahren. Der entscheidende und notwendige Durchbruch ist also eine schnell wiederverwendbare Orbitalrakete. Das ist im Grunde der Heilige Gral der Raumfahrt. Die grundlegende Sache, die benötigt wird.

Und es ist eine sehr schwierige Sache. Die Physik der Erde macht es nur knapp möglich. Mit einer etwas höheren Schwerkraft der Erde wäre es unmöglich. Mit einer etwas geringeren Schwerkraft der Erde wäre es ganz einfach. Wir befinden uns also wirklich an der Grenze des physikalisch Möglichen. Um also eine schnell und vollständig wiederverwendbare Orbitalrakete zu bauen, muss man Triebwerke mit einem unglaublich hohen spezifischen Impuls (Isp) haben, die extrem effizient sind.

Man braucht außerdem eine außerordentlich masseneffiziente Struktur. Und das alles muss dann zurück zur Startrampe kommen, mit Treibstoff aufgefüllt werden und sehr schnell wieder geflogen werden können, genau wie ein Flugzeug. Aufgrund der physikalischen Gegebenheiten, also der hohen Gravitation der Erde und einer ziemlich dichten Atmosphäre, ist das eine sehr schwierige, allerdings nicht unmögliche Aufgabe. Aber es ist die grundlegendste Sache. Mit SpaceX haben wir vor 17 Jahren angefangen, und die erste Rakete, die wir entworfen haben, war die Falcon 1, die wir dort sehen. (05:00)

Als wir anfingen, waren wir sehr naiv. Heute ist der 28. September; das ist der 11. Jahrestag, an dem SpaceX zum ersten Mal die Umlaufbahn erreicht hat. Heute vor elf Jahren hat SpaceX zum ersten Mal den Orbit erreicht. Es war unser vierter Start. Und wenn dieser Start nicht gelungen wäre, wäre dies das Ende von SpaceX gewesen. Mir wäre das Geld ausgegangen und es hätte keine Investoren mehr gegeben. Wenn also dieser vierte Start nicht gelungen wäre, wäre es das gewesen.

Aber zum Glück war uns das Schicksal an diesem Tag wohlgesonnen, und wir haben es in die Umlaufbahn geschafft. Ich habe großen Respekt vor jedem, der es in den Orbit schafft. Das ist eine schwierige Sache. Wir waren sehr naiv damals – offensichtlich sehr naiv in vielerlei Hinsicht, denn wir haben tatsächlich versucht, die erste Raketenstufe (Antriebsstufe) zu bergen. Die erste Stufe hatte einen Fallschirm, und wir dachten, okay, wir lassen den Fallschirm einfach aufspringen, wenn sie in die Atmosphäre zurückkommt. Dann landet sie irgendwo im Meer, und wir fischen sie mit einem Boot dort raus. Das klappte nicht. Ich erinnere mich sogar daran, wie ich wütend auf den Fallschirmlieferanten wurde und schimpfte, dass dessen Fallschirm nicht funktioniere. Nein, es war nicht seine Schuld.

Wenn die Rakete aus dem Weltraum kommt, trifft die erste Stufe mit Mach 10 bis 12 auf die Atmosphäre, die dann einer Betonwand gleicht und „bumm“. Also muss man die Rakete sorgfältig ausrichten. Man braucht aerodynamische Oberflächen und man muss den Eintritt in die Atmosphäre abbremsen. Dann muss man sie durch die Atmosphäre leiten und eine durch die Antriebsmotoren kontrollierte Landung durchführen. Das hat uns viele, viele Versuche gekostet.

Wir haben sogar ein Video gemacht, ein Pannenvideo von all den Malen, die wir versagt haben, was oft war. (07:30) Ich glaube, wir brauchten etwa 14 Versuche oder so, bis wir die Rakete schließlich erfolgreich landeten. Wenn wir zur nächsten Folie gehen, könnt Ihr einen Blick darauf werfen… – Das ist der Grasshopper, das ist eigentlich Falcon 9. Es ist schwer, den Maßstab zu erkennen, aber das ist ein Booster (erste Stufe einer Trägerrakete) in der Größe von Falcon 9 mit einem Triebwerk und großen Beinen mit riesigen Stoßdämpfern; wir wussten nicht, was zum Teufel wir da taten.

Elon Musk (voice-over): Erstaunlicherweise hatte der Grasshopper keine Blessuren; der Grasshopper ist noch am Leben.

Die Kühe sind verwirrt.

Elon Musk: Was Ihr dort gesehen habt, war ein Gefährt in der Größe von Falcon 9. Wirklich schwer zu begreifen ist, dass dieses riesige Schiff (Starship) das Gleiche tun wird wie der Grasshopper. Dieses Ding wird abheben, auf 65.000 Fuß fliegen, etwa 20 Kilometer hoch, zurückkommen und landen, und das in etwa ein oder zwei Monaten. Zu sehen, wie dieses riesige Ding abhebt und wieder zurückkommt, wird also ziemlich episch sein. Und dann hoffentlich, ja, …(Beifall) – Ja, es ist heftig.

Das ist ein ziemlich radikaler… Ich werde später in der Präsentation darüber sprechen; das ist ein ziemlich neuer Ansatz, eine Rakete zu steuern – einem Fallschirmspringer viel ähnlicher als einem Flugzeug. Aber darüber spreche ich später. (10:00) Also, von Falcon 1 über Falcon 9 zu Falcon Heavy, die wir gestartet haben… eigentlich war der erste Start von Falcon Heavy erst im Februar letzten Jahres. Es sind also nur etwa anderthalb Jahre seit dem ersten Start von Falcon Heavy vergangen, bei dem wir zwei Booster nebeneinander gelandet haben. Dieses Video hat mir immer gefallen. Es wurde von meinem Freund Jonah gemacht.

Ja. Ich hätte nie gedacht, dass das passieren würde. (12:30) Ich bin froh, dass es passiert ist. Einige Leute waren verwundert über den Roadster mit dem Astronauten, Ihr wisst schon, Starman. Tatsächlich kam diese Idee bei einer Diskussion mit meinem Freund Jonah auf. Ich war bei ihm in der Küche und sagte: „Weißt du, normalerweise wird bei einem Raketenstart ein Betonklotz abgeschossen, aber das klingt nicht sehr inspirierend. Fällt dir irgendwas Lustiges ein, was wir in den Weltraum schicken könnten?“ Und er sagte: „Warum nimmst Du nicht deinen Tesla?“ Und ich meinte, das sei eine tolle Idee.

Und eine andere Freundin von mir meinte: „Warum stellst du nicht einen winzigen Tesla auf das Armaturenbrett?“ Also haben wir einen winzigen Tesla auf das Armaturenbrett gestellt, mit einem winzigen Starman in dem winzigen Tesla. Das ist nur, um die Aliens in der Zukunft zu verwirren. Sie werden sich fragen: „Was zum Teufel ist das?“ Wir wollten einfach etwas, das die Fantasie anregt und die Leute für den Weltraum begeistert.

Also, lasst uns Starship ansehen. Hier steht es und Ihr könnt es wahrhaftig sehen. Da ist ein Bild, also mehr ein Rendering. Es ist ungefähr 50 Meter hoch, ungefähr 165 Fuß oder so.

Mir fällt auf, dass wir hier einen Fehler beim Trockengewicht des Schiffes haben; ich bitte um Entschuldigung. Ich wünschte, es wären 85 Tonnen. Das Trockengewicht muss ungefähr 120 Tonnen betragen. Der anfängliche Mach-1-Prototyp ist näher an 200 Tonnen, und in der Serienproduktion werden es wohl etwa 120 Tonnen sein. Wenn wir wirklich Glück haben, könnte es auf 110 Tonnen runtergehen; 99 Tonnen wären einfach fantastisch. Was die Nutzlast angeht, wird das Schiff also etwa 150 Tonnen bei voller Wiederverwendbarkeit bis in den Orbit und zurück schaffen können.

Das ist eine sehr große Zahl für ein vollständig wiederverwendbares Raumschiff. Wir sind zuversichtlich, dass die allerersten Versionen über 100 Tonnen schaffen werden, aber ich denke, es gibt einen klaren Weg zu 150 Tonnen. Die Kosten für ein vollständig wiederverwendbares System sind im Wesentlichen (15:00) die Kosten für den Treibstoff, der hauptsächlich aus Sauerstoff besteht. Das sind dreieinhalb Tonnen Sauerstoff für jeweils eine Tonne Treibstoff. Einer der Vorteile dieser Architektur gegenüber der Falcon-Architektur ist also, dass wir tatsächlich mehr Sauerstoff pro Treibstoffeinheit verbrauchen und nicht weniger. Merlin oder die Falcon-Architektur verbraucht etwa zweieinhalb Tonnen Sauerstoff pro Tonne Treibstoff. Hier sind es dreieinhalb Tonnen Sauerstoff für eine Tonne Treibstoff. Beim Aufstieg wird also hauptsächlich flüssiger Sauerstoff verwendet, denn im Vakuum gibt es im Grunde keine Luft mehr.

Also, die nächste Folie. Vorhin habe ich darüber gesprochen, wie Starship in die Atmosphäre eintritt und wie es gesteuert wird.

Das unterscheidet sich sehr von allem anderen. Es fällt wirklich, und zwar auf kontrollierte Weise. Wir versuchen bei einer Rakete Widerstand statt Auftrieb zu erzeugen; das ist wirklich das Gegenteil von dem, wie ein Flugzeug funktioniert. Man will so viel Widerstand wie möglich erzeugen. Und man will einen gewissen Auftrieb, besonders in der oberen Atmosphäre, um die maximale Aufheizgeschwindigkeit kontrollieren zu können. Man möchte genug Auftrieb, um sich in dem Teil der Atmosphäre mit geringer Dichte aufzuhalten, damit man Geschwindigkeit abbauen kann. Im Grunde sieht das so aus: Wenn das die Erde ist, fällt die Rakete etwa im 60 Grad Winkel.

Meine Hand ist die Rakete – sie bewegt sich in einem Winkel von etwa 60 Grad. Wenn man sich also in der Umlaufbahn befindet, bewegt man sich tatsächlich mit etwa 25-facher Schallgeschwindigkeit horizontal zum Boden. Dies ist ein sehr wichtiges Konzept, das für unser normales tägliches Leben kontraintuitiv ist. Im Orbit zu sein, in der Schwerelosigkeit zu sein, hat nichts mit Höhe zu tun. Es geht um die Geschwindigkeit. Wie schnell bewegt man sich – in horizontaler Richtung? Wenn sich etwas in einer Umlaufbahn befindet, saust es so schnell um die Erde, dass die äußere Beschleunigung, die äußere Radialbeschleunigung, gleich der inneren Beschleunigung der Schwerkraft ist. Und dann hat man die Schwerelosigkeit. Das ist der Grund dafür, dass man keine Schwerkraft hat.

Die Leute denken oft, dass die Raumstation (ISS) stationär ist (17:30), aber in Wirklichkeit umrundet sie die Erde mit 25-facher Schallgeschwindigkeit oder etwa 17.000 Meilen pro Stunde. Auf den Bildern sieht sie immer stationär aus. Und da es keine Luft gibt, muss man keine aerodynamische Form haben. Es kann also eine völlig verrückte Struktur sein, die nicht so aussieht, als sollte sie die 25-fache Schallgeschwindigkeit erreichen können – aber sie tut es. Und man kann nur die Beschleunigung spüren. Die Geschwindigkeit kann man nicht spüren. Die Leute fragen sich manchmal, wie es sich anfühlt, 25-mal so schnell wie der Schall zu sein. Eigentlich fühlt es sich nach nichts an. Nur die Beschleunigung dorthin kann man fühlen.

Also, das Raumschiff kommt zurück – diese Plattform ist die Erde – es kommt mit Hyperschallgeschwindigkeit zurück, so ungefähr in einem 60-Grad-Winkel. Es kommt also so zurück, fällt dann einfach wie ein Fallschirmspringer und steuert sich selbst – und dann dreht es sich und landet so. Das war jetzt eine unglaublich eindrückliche Erklärung.

Damit kann man ein Gefühl dafür bekommen – das ist viel besser.

Da habt Ihr‘s. Seht Ihr, das ist das Gleiche. Es wird total irre aussehen, wenn das Ding landet. Ja, das wird unglaublich sein.

Lasst uns also über den Raptor-Antrieb sprechen. Das Schiff wird insgesamt sechs Motoren haben.

Drei der Raptoren der Meeresniveau-Variante; diese sind tatsächlich gerade in der Rakete installiert. Wir haben also die drei Meeresniveau-Triebwerke… das ist ein Bild davon – so sieht es aus. Wir haben also die drei Meeresniveau-Raptor-Triebwerke, die kardanisch gelagert sind, was bedeutet, dass sich das ganze Triebwerk bewegt. Die Rakete steuert also durch Bewegung des ganzen Triebwerks. Während ein Flugzeugtriebwerk statisch ist und man durch Querruder, Seitenruder, Höhenruder und Landeklappen steuert, bewegt man bei der Rakete das gesamte Triebwerk zum Steuern. Dieses Raumschiff wird mit drei Meeresniveau-Triebwerken ausgestattet, die sich bis zu einem Winkel von etwa 15 Grad bewegen, und drei Vakuumtriebwerken, die für die Effizienz in der Umlaufbahn optimiert sind und sich nicht bewegen werden. Sie werden einfach fest installiert.

Das erlaubt uns, die größte Glockendüse (20:00) für die Vakuum-Raptor-Motoren zu verwenden. Das Ziel ist ein 380 Sekunden Isp für das Vakuumtriebwerk. Das ist eine sehr… – Für Weltraumfreaks ist das eine wirklich tolle Zahl. Und auch für die Stahllegierungs-Triebwerke ist ein Isp von über 350 Sekunden wirklich großartig. Also eigentlich… – Entschuldigung, ich schaue hier auf die Folie, und Ihr nicht. Also, das meinte ich mit „so sieht es innen aus“… – Bitte ein Dia zurück. Das ist jetzt das Innere des Raumschiffs.

So sieht es in der Basis aus. Okay. Dann zum Hitzeschild.

Wir haben verschiedene Iterationen des Hitzeschilds durchlaufen. Es gibt hier viele Möglichkeiten.

Letztendlich haben wir uns für sechseckige Hitzeschildfliesen entschieden, Keramikfliesen, im Grunde ein Glasgemisch auf Mikrostrukturebene. Sehr leicht, aber sehr rissfest – im Wesentlichen Glasfliesen. Und da Starship eine Stahlkonstruktion ist… – Im ersten Moment denkt man: „Oh, das ist Stahl. Ist das nicht schwer?“ Nein, tatsächlich ist es die leichteste Konstruktion. Ich denke, die beste Designentscheidung bei diesem ganzen Ding ist der 301er Edelstahl. Denn bei kryogenen Temperaturen hat ein 301er Edelstahl ungefähr die gleiche effektive Festigkeit wie ein fortschrittlicher Verbundwerkstoff oder Aluminium-Lithium. Im Gegensatz zu den meisten Stahlarten, die bei niedrigen Temperaturen spröde werden, wird der 301er Edelstahl viel stabiler.

Im extraharten Zustand, d. h. kaltgewalzt, ist er noch viel stärker. Tatsächlich ist das Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht bei kryogenen Temperaturen gleichwertig oder vielleicht sogar etwas besser als bei modernen Verbundwerkstoffen oder Aluminium-Lithium. Dies wird nicht besonders gewürdigt. (22:30) Denn wenn man sich nur nach dem Materialhandbuch richtet und nach der Festigkeit von rostfreiem Stahl fragt, sieht er viel schwächer aus, als er ist. Wenn man aber die Festigkeit bei kryogener Temperatur betrachtet, sieht man, dass er dann viel stärker ist; bei sehr niedrigen Temperaturen fast doppelt so stark. Dann wird 301er Stahl besser als Kohlefaser oder Aluminium-Lithium.

Ein weiterer Vorteil ist die hohe Schmelztemperatur. Als wiederverwendbares Raumschiff kehrt man wie ein Meteorit zur Erde zurück. Man möchte also etwas, das nicht bereits bei einer niedrigen Temperatur schmilzt. Man möchte etwas, das erst bei einer hohen Temperatur schmilzt. Und hier ist Stahl ebenfalls extrem gut. Stahl hat eine Schmelztemperatur von etwa 1500 Grad Celsius, während Aluminium vielleicht 300 oder 400 Grad hat, und dasselbe gilt für Kohlefaser. Und das macht wirklich einen großen Unterschied.

Denn diese viel höhere Schmelztemperatur bedeutet, dass man beim Eintritt in die Atmosphäre keine Hitzeabschirmung auf der Leeseite des Schiffes benötigt. Und die Abschirmung an der Luvseite – der heißen Seite – kann massiv reduziert werden, weil die Dicke der Kachel für eine wiederverwendbare Rakete abhängig von der Temperatur der Rückseite der Kachel ist, d.h. der Schnittstelle mit der Flugkapsel. Und weil Stahl eine viel höhere Temperatur vertragen kann, ist der Hitzeschild sogar auf der Luvseite viel leichter. Aber der Nettoeffekt ist, dass eine Rakete aus 301-Edelstahl tatsächlich die leichteste mögliche wiederverwendbare Architektur ermöglicht.

Nun zu den Kosten. Die Kohlefaser, die wir verwendeten, kostete $130 pro Tonne. Der Stahl kostet $2.500 pro Tonne. Oh, Entschuldigung, $130.000 pro Tonne gegenüber $2.500 pro Tonne. Das macht viel mehr Sinn. $130.000 pro Tonne für die Kohlefaser und $2.500 pro Tonne für den Stahl. Der Stahl kostet also etwa 2 % der Kohlefaser. Es ist also bei weitem eine gute Sache, dass wir von Kohlefaser zu Stahl gewechselt haben. (25:00) Außerdem ist es sehr einfach, rostfreien Stahl zu schweißen. Wir konnten ihn sogar im Freien schweißen, ohne eine Fabrik. Großes Geschick des Teams. Dennoch, mit Kohlefaser ist das unmöglich, mit Aluminium-Lithium auch. Aber Stahl ist leicht zu schweißen, und er ist widerstandsfähig gegen die Elemente.

Auf dem Mars kann man Stahl zerschneiden, man kann ihn schweißen und modifizieren. Das ist kein Problem. Und das ist ein guter Punkt. Man ist da draußen auf dem Mond oder Mars; man braucht ein Material, mit dem man arbeiten kann, das man zuschneiden und für andere Dinge verwenden kann. Das ist mit Sicherheit eine tolle Sache. Wie auch immer, Stahl – es ist offensichtlich, dass ich Stahl liebe; ich musste das mal sagen.

Also, mal sehen, als nächstes zum Booster.

Also, der Booster ist für bis zu 37 Raptor-Triebwerke ausgelegt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir so viele nehmen, aber 31 könnten es werden. Ich denke, die Mindestanzahl, wird um die 24 liegen. Der Booster ist so konstruiert, dass man mehrere Triebwerke herausnehmen kann, also kann man tatsächlich Triebwerke hinzufügen oder wegnehmen, wie man möchte. Man braucht im Grunde nur eine Menge Schubkraft, die nach oben drückt. Im Laufe der Zeit wird man wohl eine Rakete mit einer Kraft von etwa 7.500 Tonnen haben, was etwa dem doppelten Schub einer Saturn V entspricht, etwas mehr als dem doppelten Schub, und das bei einer Bruttostartmasse von etwa 5.000 Tonnen, womit sich ein Schub-Gewichts-Verhältnis von etwa eineinhalb ergibt.

Für eine wiederverwendbare Rakete braucht man ein hohes Schub-Gewicht-Verhältnis – im Gegensatz zu einer Einwegrakete, bei der ein niedriges Schub-Gewicht-Verhältnis in Ordnung ist. Jedes Schub-Gewicht-Verhältnis unter eins ist nicht sinnvoll, denn wenn man weniger Schub als Gewicht hat, bewegen man sich nicht. Für eine wiederverwendbare Rakete braucht man also ein hohes Schub-Gewicht-Verhältnis. Das ist eine sehr wichtige (27:30) Änderung der Designoptimierung. Deshalb denke ich, dass mehr Triebwerke wahrscheinlich gut sind und man mit der Zeit auf etwa 7.500 Tonnen und ein Schub-Gewicht-Verhältnis von eineinhalb oder mehr kommt.

Den Gitterflossen werden wir wahrscheinlich eine Art Rautenform verpassen. Das sieht cooler aus. Es funktioniert auch besser. Die hinteren Flossen sind eigentlich nur Beine. Sie werden nicht zur Stabilisierung oder Führung benötigt. Sie sind im Wesentlichen Standbeine.

Nun gut. Gehen wir also zu den Entwicklungstests. Das ist ein Raptor, der feuert.

Gut. Und dann hatten wir natürlich ein Raptor in Betrieb beim Starhopper.

Wenn man sich das ansieht, ist der Maßstab schwer einzuschätzen, aber der Starhopper hat den gleichen Durchmesser wie Starship. Und das seht Ihr ja hier. Also, das könnte nun die Größe einer Mülltonne haben, hat aber real einen Durchmesser von ungefähr 9 Metern oder 30 Fuß, die Beinspanne nicht mitgerechnet. (30:00) So, damit könnt Ihr die Größe besser einschätzen.

Also, der kleine Punkt dort ist ein Mensch. Dann kommt der Hopper daneben, der Millennium Falcon zum Vergleich, dann Starship – das ist das, was Ihr vor Euch seht. Und dann komplett, fast zweieinhalb Mal so groß wie dieses Gefährt hier. Diese Simulation gibt Euch ein Gefühl für den Maßstab der Dinge.

Elon Musk (voice-over): Das erinnert mich ein wenig an eine Szene aus ‚Spaceballs‘.

Elon Musk (voice-over): Das ist die orbitale Wiederbetankung. Das Befüllen des Tanks im Orbit ist extrem wichtig, um zum Mars und zum Mond zu gelangen und dort eine Stadt zu errichten. Das ist ein wichtiger Schritt.

Das war’s.

Publikum: Zum Mond.

Elon Musk: Zum Mars. Ganz genau.

Eine schnell wiederverwendbare Orbitalrakete ist… eine schnell wiederverwendbare Rakete ist erforderlich, um – Alliteration – einen Durchbruch bei den Kosten für den Zugang zum Weltraum zu erreichen; dass man die Raketen nicht nach jedem Flug wegwirft. Aber ein weiterer wichtiger Schritt ist das Auftanken in der Umlaufbahn, so dass das Raumschiff mit, sagen wir, 150 Tonnen Nutzlast für den Mond oder Mars oder darüber hinaus in die Umlaufbahn gelangen kann. Und dann kann es seine Treibstofftanks wieder auffüllen. So kann es aus der niedrigen Erdumlaufbahn (35:00) mit 1.200 Tonnen Treibstoff die Reise beginnen. Das ist sehr wichtig, damit die Delta-Geschwindigkeit ausreicht, um 150 (…35:12) Tonnen auf die Oberfläche des Mondes oder des Mars zu transportieren mit voller Wiederverwendbarkeit und Auftanken in der Umlaufbahn, was im Wesentlichen…

Das Tanken im Orbit ist eigentlich eine vereinfachte Version dessen, was SpaceX beim Andocken an die Raumstation macht. Das Andocken an die Raumstation ist also schwieriger als das orbitale Nachtanken, aber beim Üben des Andockens an die Raumstation hat SpaceX auch gelernt, wie man in einer komplexen Umgebung im Orbit sich gegenseitig annähert und andockt. Dies ist also eines der anderen kritischen Teile des Puzzles, das benötigt wird, um eine Basis auf dem Mond und dem Mars zu errichten, bzw. eine Stadt letztendlich. Dieses sind also die Dinge, die dafür unabdingbar sind. Eine Basis auf dem Mond zu errichten, wird sehr spannend werden.

Selbst wenn es nur eine Basis für die Wissenschaft ist, die… – wir haben zum Beispiel eine Basis in der Antarktis. Viele Länder haben das für die wissenschaftliche Forschung, und dies wäre ein unglaubliches Gebiet für die Forschung. Also, ob die Menschen nun auf dem Mond leben wollen oder nicht, es gibt definitiv eine Menge wissenschaftlicher Erkenntnisse dort zu erlangen. Und der Mond ist recht nah. Es wäre also ziemlich aufregend, das zu tun. Und dann können wir natürlich auch zu anderen Orten im Sonnensystem reisen, wie zum Beispiel zum Saturn. Aber das Entscheidende, auf das wir uns konzentrieren müssen, ist meiner Meinung nach der schnellste Weg zu einer autarken Stadt auf dem Mars. Das ist die Grundlage für alles weitere.

Soweit wir wissen, sind wir das einzige Bewusstsein oder das einzige Leben, das es da draußen gibt. Es könnte anderes Leben geben, aber wir haben keine Anzeichen dafür gesehen. Ich werde oft gefragt, ob ich Aliens für möglich halte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es wissen würde, wenn es Aliens gäbe. Ich habe keine Anzeichen von Aliens gesehen. Oder vielleicht versteckt das Militär Aliens in der Area 51? Das ist ein beliebtes Meme. (37:30) Nun, lasst mich Euch sagen: der einfachste und schnellste Weg, um das Verteidigungsbudget zu erhöhen, wäre zu sagen: „Hey, wir haben einen Außerirdischen gefunden.“ (…37:40) Dann gäbe es definitiv mehr Geld für das Militär. Garantiert, (…37:46). Die Realität ist – soweit wir wissen – dass dies der einzige Ort ist, zumindest in diesem Teil der Galaxie oder in der Milchstraße, wo man Bewusstsein findet. Und es hat lange gedauert, bis wir an diesem Punkt angekommen sind.

Laut den geologischen Aufzeichnungen gibt es die Erde seit etwa viereinhalb Milliarden Jahren, wobei sie etwa eine halbe Milliarde Jahre lang hauptsächlich aus geschmolzenem Magma bestand. Dennoch, mehrere Milliarden Jahre und für mehrere hundert Millionen Jahre mit zumindest bakteriellem Leben und mehrzelligem Leben. Aber hier ist der interessante Teil. Die Sonne wird allmählich heißer und größer, und mit der Zeit wird sich die Sonne auch ohne die globale Erwärmung – also, die von Menschen gemachten Sachen – ausdehnen, und sie wird die Erde überhitzen. Meiner Vermutung nach wird es zwar nach menschlichen Maßstäben noch sehr lange dauern, bis das passiert, aber es sind nur noch einige hundert Millionen Jahre. Das ist alles, mehr haben wir nicht. Okay. Mehrere hundert Millionen Jahre. Sobald man das allerdings vom evolutionären Standpunkt aus betrachtet: wenn es nur 10 % länger gedauert hätte, bis sich eine Lebensform mit Bewusstsein auf der Erde entwickelte, hätte sie sich gar nicht entwickeln können, weil alles Leben zuvor von der Sonne verbrannt worden wäre.

Was ich damit sagen will: Es scheint, dass eine Lebensform mit Bewusstsein eine sehr seltene und kostbare Sache ist, und wir sollten alle möglichen Schritte unternehmen, um das Licht des Bewusstseins zu erhalten. Das Zeitfenster wurde erst jetzt geöffnet – nach viereinhalb Milliarden Jahren ist dieses Fenster offen. Das ist eine lange Zeit des Wartens, und es wird vielleicht nicht lange offen bleiben. Ich bin von Natur aus ziemlich optimistisch, aber es gibt eine gewisse Chance, dass dieses Fenster nicht lange offen bleibt. Ich denke, wir sollten eine multiplanetare Zivilisation werden, solange dieses Fenster noch geöffnet ist. Und wenn wir das tun, wäre dies wahrscheinlich sogar für die Erde von Vorteil, denn dann könnte der Mars der Erde eines Tages helfen. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir wirklich unser Bestes tun sollten, um eine multiplanetare Spezies zu werden und das Bewusstsein über die Erde hinaus auszudehnen. Und wir sollten das jetzt tun. Ich danke Euch. (40:13)

Ein Kommentar zu „Starship Präsentation 2019

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