Khan Academy Vorlesungsreihe „Unternehmertum“ – Interview mit Elon Musk, Teil 2 (2013)

Dies ist Teil 2 (Minute 24:16 – 48:36) des Interviews, das die Khan Academy als Teil ihrer „Entrepreneurship“-Vortragsreihe am 23. April 2013 auf YouTube veröffentlichte. Salman Khan stellt Elon Musk Fragen zu Raketen, Zeitabläufen und wie er die Zukunft seiner Unternehmen SpaceX und Tesla sieht, und das Publikum möchte gerne von ihm wissen, worauf er bei der Gründung seiner Unternehmen geachtet hat und ob es Neuigkeiten bezüglich des „Hyperloops“ gibt. Beim Lesen des Interviews behalten Sie bitte im Hinterkopf, dass hier einiges mit einem Augenzwinkern oder Lachen gesagt und nicht ganz ernst gemeint wurde. Falls Sie sich also über die eine oder andere Aussage wundern sollten, sehen Sie sich am besten die Szene im YouTube Video an, um Missverständnisse zu vermeiden. Um das englische Transkript oder Teil 1 des Interviews zu lesen, klicken Sie bitte auf den entsprechenden Link.

Sal Khan: (24:16) Und am Ende habt Ihr… Ihr hattet einige Misserfolge, aber offensichtlich auch einige große Erfolge. Wie hoch waren die Kosten für diese Rakete im Vergleich zu den Kosten für die zuvor gebauten?

Elon Musk: Lass mal sehen. Die Falcon 1 war die erste Rakete, die wir gebaut haben, und die ersten drei Flüge mit ihr waren nicht erfolgreich. Wir kamen zwar immer weiter, aber die erste Rakete landete ein paar hundert Meter vom Startplatz entfernt und (in) winzigen Stücken. Wie dem auch sei, diese Rakete kostete am Ende etwa 6 Millionen Dollar, verglichen mit (25:00) anderen Raketen dieser Klasse, die bis zu 25 Millionen Dollar kosteten.

Sal Khan: Wow. So bedeutend?

Elon Musk: Ja, etwa ein Viertel. Aber noch besser ist es, Raketen wiederverwendbar zu machen. Im Moment ist das ungefähr unser Vergleichspreis… die überholten ICBMs nicht berücksichtigt. Wenn also eine Rakete von Grund auf neu gebaut wird, wieviel kostet dann die SpaceX-Rakete im Vergleich zu einer Rakete von Boeing oder Lockheed? Ungefähr ein Viertel des Preises. Wenn wir sie jedoch wiederverwendbar machen, dann kann sie um zwei Größenordnungen billiger sein.

Sal Khan: Um zwei Größenordnungen billiger? Ein Hundertstel des Preises?

Elon Musk: Richtig. – Für Dich.

Sal Khan: Nur heute. Memorial Day Sale.

Ich habe einige gesehen… Sie machen diese vertikalen Landungen, buchstäblich wie aus einem dieser 1950er Sci-Fi-Filme. Und das ist es, wovon Du sprichst?

Elon Musk: Ja. Im Wesentlichen muss die Rakete zurückkommen und am Startplatz landen, dann Treibstoff nachtanken und wieder abheben, wie ein Flugzeug in seiner Wiederverwendbarkeit.

Sal Khan: Wie weit, glaubst Du, sind wir davon entfernt? Wann… – Du weißt schon, Deine beste Einschätzung – wann werden wir das tatsächlich erleben?

Elon Musk: Nun, ich bin zuversichtlich, dass wir es nächstes Jahr schaffen können.

Sal Khan: Oh, okay. Ja. Wir haben auch einige ehrgeizige Sachen bei der Khan Academy im nächsten Jahr vor. Wir können also vergleichen. Wir gestalten unseren Internet-Auftritt neu.

Elon Musk: Genau. Wir arbeiten schon seit langer Zeit daran. SpaceX gibt es nun seit 11 Jahren, und bis jetzt haben wir noch keine Raketen geborgen. Wir haben die Raumkapsel aus der Umlaufbahn geborgen. Das war also großartig. Aber keiner unserer Versuche, die Raketenstufen zu bergen, war bisher erfolgreich.

Die Raketenstufen sind im Grunde immer beim Wiedereintritt explodiert. Wir glauben jetzt, die Ursache dafür gefunden zu haben. Es ist eine knifflige Sache, weil die Schwerkraft der Erde wirklich ziemlich stark ist. Mit einer fortschrittlichen Rakete kann man typischerweise vielleicht 2 bis 3 % der Startmasse in die Umlaufbahn bringen. Für die Wiederverwendbarkeit muss man allerdings 2 bis 3 % abziehen. Dann bringt man so gut wie nichts in die Umlaufbahn oder weniger als nichts. Das ist natürlich nicht hilfreich.

Der Trick ist, die zwei bis drei Prozent in einer Einwegkonfiguration zu erhöhen, also die Effizienz der Raketenmasse, des Triebwerks und so weiter so weit zu verbessern, um auf etwa 3,5 % bis 4 % in der Einwegkonfiguration zu kommen. Und dann zu versuchen, die Elemente der Wiederverwendbarkeit so zu gestalten, dass sie auf etwa 1,5 bis 2 % sinken. So hat man also eine Nettonutzlast in der Umlaufbahn von etwa 2 %.

Sal Khan: Aber Du machst es um ein, zwei Größenordnungen billiger.

Elon Musk: Ja. Auf jeden Fall, denn unsere Falcon 9-Rakete hat etwa 60 Millionen Dollar gekostet. Aber die Kosten für den Treibstoff, der größtenteils aus Sauerstoff besteht – zwei Drittel Sauerstoff, ein Drittel Treibstoff – betragen nur etwa 200.000 Dollar. Es ähnelt einer 747. Es kostet ungefähr so viel, unsere Rakete aufzutanken, wie eine 747.

Sal Khan: Angenommen, Ihr seid erfolgreich – und Ihr habt in der Vergangenheit bewiesen, dass Ihr bei diesen kühnen Dingen erfolgreich seid –  was passiert dann? Ich meine, das scheint so… was passiert in den nächsten fünf, zehn Jahren in der Raumfahrtindustrie, wenn Ihr das schafft? Kommen wir dann zum Mars? Fängt dann eine Art der Kommerzialisierung des Weltraums an?

Elon Musk: Schauen wir mal. Nun, der erste Schritt ist, dass wir genug Geld verdienen müssen, um das Unternehmen am Leben zu halten. Also müssen wir sicherstellen, dass wir Satelliten starten – kommerzielle Satelliten wie Rundfunksatelliten, Kartierungssatelliten und Regierungssatelliten, die wissenschaftliche Missionen durchführen. Des Weiteren erdgebundene oder weltraumgestützte Missionen. Und GPS-Satelliten. So etwas in der Art. Außerdem die Belieferung der Raumstation, der Transport von Fracht zur und von der Raumstation, was wir schon ein paar Mal gemacht haben. Und dann werden wir auch Menschen zur und von der Raumstation bringen.

Wir werden also den Bedarf an Satelliten für die Erde bedienen, und das zahlt die Rechnungen. Aber dabei müssen wir die Technologie so weit verbessern, dass eine vollständige Wiederverwendbarkeit möglich ist und unsere Kapazität und Erfahrung groß genug ist, um Menschen zum Mars zu bringen.

Sal Khan: Wow. Du glaubst also, dass dies verwirklicht werden kann? Wann, schätzt Du, werden wir den Mars betreten?

Elon Musk: Wahrscheinlich in etwa 12 Jahren.

Sal Khan: Wird es das als Hin- und Rückflugticket geben? Oder wird es nur eine Art permanente Kolonie auf dem Mars sein?

Elon Musk: Hin- und Rückflug ist wahrscheinlich. (30:00) Es ist nicht sicher, aber wir streben das an.

Sal Khan: Das ist umwerfend. Und dann zu Tesla. Ich meine, Tesla ist offensichtlich, aus meiner Sicht, ein riesiger Erfolg. Das ist etwas, das GM und Toyota und diese riesigen Multi-Milliarden-Dollar-Organisationen versucht haben. Was gab Dir die Zuversicht, darauf zu setzen? Und jetzt, da es ein riesiger Erfolg zu sein scheint, was denkst Du, wo diese Industrie in den nächsten 5, 10 Jahren sein wird?

Elon Musk: Mit Tesla wollen wir versuchen, das Aufkommen des nachhaltigen Verkehrs zu beschleunigen. Es würde sowieso passieren, einfach aus der Notwendigkeit heraus. Aber weil wir eine nicht eingepreiste Externalität in den Kosten für Benzin haben… – Wir haben die Umweltauswirkungen von CO2 in den Ozeanen und der Atmosphäre nicht eingepreist. Das führt dazu, dass die normalen Marktkräfte nicht richtig funktionieren.

Das Ziel von Tesla ist es also, als Katalysator zu fungieren, um diese Art von normalen Kräften zu beschleunigen. Die normale Art der Marktreaktion, die auftreten würde. Wir versuchen, einen katalytischen Effekt darauf zu haben. Und versuchen, dass es vielleicht zehn Jahre früher passiert, als es sonst der Fall wäre. Das ist das Ziel von Tesla. Das ist also der Grund, warum wir Elektroautos herstellen und nicht irgendeine andere Art von Auto. Und wir liefern auch Antriebsstränge an Toyota und an Mercedes und in der Zukunft vielleicht an andere Autofirmen, um deren Produktion von Elektrofahrzeugen zu beschleunigen. Das ist also das Ziel. Und bis jetzt klappt das auch ganz gut.

Sal Khan: Ich meine, ich habe heute erst einen Nachrichtenbericht gesehen, dass Tesla mehr Model S verkauft hat als… Ihr seid führend in diesem Segment der Branche – die Mercedes S-Klasse, die BMW 7er-Serie oder der Lexus LS400, oder was auch immer es ist.

Elon Musk: Ja, das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Mir war nicht klar, dass sie so wenige Autos in diesem Segment verkaufen. Weil wir nicht so viele Autos verkaufen. Wir verkaufen 5.000 pro Quartal, 12.000…

Sal Khan: Nun, in unserer Gegend scheinen sie jedenfalls…

Elon Musk: Nun, das ist die Heimat der Firma. Wir sollten hier in der Bay Area besser eine Menge verkaufen, denn sonst…

Sal Khan: Wie hast Du angefangen? Was gab Dir das Vertrauen? Und siehst Du Dich in fünf, zehn Jahren als eine Art große Automobil-Mainstream-Marke, die mit den Honda Accords und Civics konkurriert?

Elon Musk: Unser Ziel ist es nicht, eine große Marke zu werden oder mit Honda Civics zu konkurrieren, sondern die Sache mit den Elektrofahrzeugen voranzutreiben. Wir werden einfach mehr und mehr Elektroautos herstellen und den Preis senken, bis die Elektromobilität fest in der Industrie verankert ist. Bis vielleicht die Hälfte aller produzierten Autos elektrisch ist oder etwas in der Art; was nicht bedeutet, dass wir erwarten, die Hälfte aller Autos zu produzieren. Wir wollen nur diesen katalytischen Effekt erzeugen, bis zumindest das eintritt. Wenn wir uns dem Punkt nähern, dass die Hälfte aller neu hergestellten Autos elektrisch sind, dann würde ich das als Sieg betrachten. Je schneller wir diesen Tag herbeiführen können, desto besser.

Sal Khan: Wann wäre das Deiner Meinung nach der Fall?

Elon Musk: Nun, ich habe vor etwa drei Jahren mit jemandem gewettet, dass es früher als in 20 Jahren sein würde. Also ist es in 17 Jahren so weit. Aber das ist konservativ. Ich denke, in vielleicht 13 oder 14 Jahren.

Sal Khan: Wow. Genau dann, wenn wir zum Mars fliegen.

Elon Musk: Richtig.

Sal Khan: Das werden spannende Zeiten.

Elon Musk: Stimmt. Ganz genau. Ich habe erst kürzlich darüber nachgedacht. Mir ist aufgefallen, dass die Zeitrahmen übereinstimmen. Die Einführung neuer Technologien neigt dazu, einer S-Kurve zu folgen. Normalerweise wird sie am Anfang unterschätzt, weil viele die Entwicklung linear darstellen. Und dann überschätzt man sie in der Mitte, weil es Nachzügler gibt. Dann dauert es tatsächlich länger, als die Leute in der Mitte angenommen haben, aber viel kürzer, als die Leute am Anfang denken. Aber ich bin ziemlich begeistert, wie sich die Dinge entwickeln. Und ich glaube, dass die technologische Entwicklung im Bereich der elektrischen Energiespeicherung wirklich schneller voranschreitet, als viele für möglich halten.

Sal Khan: Wow. Ich habe noch eine… (fragt Ester) Wie liegen wir in der Zeit? (35:00) Wo ist Ester? Oh, neun Uhr. Also, wie viel Zeit hast du noch? Ich will sichergehen, dass wir nicht überziehen.

Elon Musk: Nun, ich schätze, vielleicht noch 15 Minuten.

Sal Khan: Okay. Ich schließe mit einer letzten Frage, und dann können die Zuschauer Fragen stellen. Welchen Rat hast Du für uns von der Khan Academy?

Elon Musk: Ich weiß es nicht. Ihr scheint euch wirklich gut zu machen. Ich habe mich gefragt, ob Ihr einen Rat für mich habt.

Sal Khan: Oh, nein, also.

Elon Musk: Ja. Es scheint, als ob Ihr einen erstaunlichen Job macht… Ihr habt wirklich einen großen Einfluss. Ihr seid ganz offensichtlich nur ein kleines Team und habt einen dramatischen Effekt auf…

Sal Khan: Ja, die Hälfte der Leute hier arbeitet nicht mal bei der Khan Academy. Sie sind einfach gekommen.

Elon Musk: Es ist sehr beeindruckend, was Ihr tut, um Wissen und Verständnis in der Welt zu verbreiten.

Sal Khan: Im Universum bald, wenn Du Deinen Teil der Abmachung einhältst.

Elon Musk: Es ist eigentlich ziemlich lustig. Ich meine, was ist Bildung? Im Grunde lädt man Daten und Algorithmen in sein Gehirn herunter. Und das funktioniert erstaunlich schlecht in der konventionellen Bildung. Das sollte nicht so schwierig sein. Du machst es viel, viel besser. Aber ich denke, viele Dinge, die ich sagen würde, hast Du wahrscheinlich schon 100-mal gehört. Und falls Ihr das nicht eh schon tut: Je mehr man den Prozess des Lernens spielerisch gestalten kann, desto besser. Meine Kinder muss ich nicht ermutigen, Videospiele zu spielen. Ich muss sie ihnen quasi aus den Händen reißen, wie Crack; sie sozusagen auffordern, die Crack-Nadel aus der Hand zu legen.

Sal Khan: Du hast das Problem also auch bei dir zu Hause. Crack macht süchtig.

Elon Musk: In dem Maße, in dem man das Lernen irgendwie wie ein Spiel gestalten kann, ist es besser. Leider ist ein Großteil der Ausbildung sehr altbacken. Da oben steht jemand und hält den Leuten eine Art Vortrag. Und dieser jemand hat die gleiche Vorlesung 20 Jahre hintereinander gehalten und ist nicht mehr sehr begeistert davon. Dieser Mangel an Begeisterung überträgt sich auf die Schüler. Sie sind auch nicht sehr begeistert davon. Sie wissen nicht, warum sie dort sind. „Warum lernen wir dieses Zeug? Wir wissen nicht einmal, warum.“ In der Tat denke ich, dass vieles, was gelernt wird, keinen Sinn hat. Weil sie es in der Zukunft nie benutzen werden.

Sal Khan: Denn wer wird schon eine Rakete ins All starten? Ich meine, das ist einfach wie… genau, das passiert nie.

Elon Musk: Nun, niemand hinterfragt, warum etwas beigebracht wird. Wir sollten den Schülern sagen können, warum wir diese Dinge lehren. Denn eine Menge Kinder sind gerade in der Schule und wahrscheinlich verwirrt, warum sie dort sind. Ich denke, wenn man das Warum von Dingen erklären kann, dann macht das einen großen Unterschied für die Motivation. Dann versteht man den Zweck. Das ist ziemlich wichtig.

Und es einfach unterhaltsam machen. Generell sollte die konventionelle Bildung massiv überarbeitet werden. Ich bin mir sicher, dass Du mir zustimmst. Manchmal benutze ich den neuesten Batman-Film von Chris Nolan als Analogie. Dieser Film ist richtig gut. Man hat unglaubliche Spezialeffekte, ein großartiges Drehbuch, mehrere Takes, tolle Schauspieler und einen großartigen Sound, und er ist sehr fesselnd.

Aber wenn man stattdessen sagen würde, okay – selbst wenn man das gleiche Drehbuch hätte, also zumindest das gleiche Drehbuch – und man würde sagen, okay, wir verfilmen das nicht, sondern lassen es von der örtlichen Stadttruppe aufführen. Und so müsste man in jeder Kleinstadt in Amerika, die kein Kino hätte, „The Dark Knight“ nachspielen – mit selbstgenähten Kostümen und auf der Bühne herumhüpfen. Und die Teilnehmer würden vielleicht ihren Text nicht richtig hinbekommen. Und sie würden nicht wie die Leute im Film aussehen. Und es gäbe keine Spezialeffekte. Das wäre doch ätzend. Es wäre schrecklich.

Sal Khan: Das ist richtig.

Elon Musk: Das ist Bildung.

Sal Khan: Damit… und ich entschuldige mich bei Ihnen allen, dass ich die ganze Zeit in Anspruch genommen habe, denn ich könnte natürlich stundenlang über dieses Thema reden. Aber wir haben Zeit, vielleicht 5 oder 10 Minuten, für eine Handvoll Fragen. Wenn keiner von Ihnen welche hat, habe ich noch etwa neun.

Sprecher A: Mir ist aufgefallen… Ich habe zwei Themen aus dem aufgegriffen, was Sie besprochen haben. Das eine waren die ziemlich kühnen Ziele. Und das andere war, dass Sie das Wort Profit in keinem Zusammenhang verwendet haben. Alles ist ausgerichtet auf Dinge wie die Wiederbelebung einer Industrie oder die Wiedereinführung von Weltraummissionen. Wie viel Ihres Erfolges führen Sie darauf zurück, dass Sie wirklich kühne Ziele haben, oder darauf, dass Sie sich nicht auf kurzfristige Ziele konzentrieren – auf Geld, das hereinkommt, oder, ich weiß nicht, auf Investoren?

Elon Musk: Leider (40:00) muss man sich bei der Gründung eines Unternehmens auf Kurzfristiges und Geld konzentrieren, das reinkommt, denn sonst stirbt das Unternehmen. Viele glauben, ein Unternehmen zu gründen wird Spaß machen. In Wirklichkeit macht es nicht so viel Spaß. Es gibt Phasen, in denen es Spaß macht. Und es gibt Phasen, in denen es einfach nur schrecklich ist.

Und besonders, wenn Sie der CEO des Unternehmens sind, beschäftigen Sie sich im Grunde mit dem Destillat aller schlimmsten Probleme im Unternehmen. Es macht keinen Sinn, seine Zeit mit Dingen zu verbringen, die gut laufen. Also verbringen Sie Ihre Zeit nur mit den Dingen, die schief laufen. Und es gibt Dinge, die schief laufen, um die sich andere Leute nicht kümmern können. Ihr Job ist also der Schlimmste. Sie haben einen Filter für die beschissensten Probleme in der Firma. Die bösartigsten und schmerzhaftesten Probleme. Ich denke, man muss sich also ziemlich getrieben fühlen, das zu tun. Und eine ziemlich hohe Schmerzgrenze haben.

Ein Freund von mir sagt, ein Unternehmen zu gründen bedeutet, in den Abgrund zu starren und Glas zu essen. Und da ist etwas Wahres dran. Der Teil mit dem Blick in den Abgrund ist, dass man ständig mit der Vernichtung des Unternehmens konfrontiert sein wird. Denn die meisten Start-Ups scheitern. Etwa 90%, vielleicht sogar 99% der Start-Ups scheitern. Das ist also der Teil, wo man in den Abgrund starrt. Man sagt sich ständig: „Okay, wenn ich das nicht richtig mache, wird die Firma sterben,“ was ziemlich stressig sein kann. Und dann der Teil mit dem Essen von Glas: Man muss an den Problemen arbeiten, die für das Unternehmen wichtig sind, und nicht an denen, an denen man selbst arbeiten möchte. Und so arbeitet man am Ende an Problemen, an denen man eigentlich nicht arbeiten möchte. Das ist der Teil, in dem man Glas isst. Und das geht eine lange Zeit so weiter.

Sprecher A: Wie behalten Sie also das große Ganze im Auge, wenn Sie ständig damit konfrontiert sind, dass Sie in einem Monat aus dem Geschäft sein könnten?

Elon Musk: Nun, nur ein sehr kleiner Prozentsatz der mentalen Energie richtet man auf das große Ganze. Man weiß, worauf man im Allgemeinen zusteuert, und der tatsächliche Weg ist eine Art Zick-Zack-Kurs in diese Richtung. Man versucht, nicht zu weit von dem Weg abzuweichen, auf dem man sein möchte, aber bis zu einem gewissen Grad wird man das müssen. Aber ich will das nicht schmälern… Ich denke, das Profitmotiv ist ein gutes, wenn die Regeln einer Branche richtig aufgestellt sind.

Es ist nichts grundsätzlich falsch an Profit. In der Tat bedeutet Profit nur, dass die Leute Ihnen mehr für das bezahlen, was Sie tun, als Sie für die Erstellung ausgegeben haben. Das ist gut. Wenn das nicht der Fall ist, dann sind Sie aus dem Geschäft. Und das zu Recht. Weil Sie nicht genug Wert hinzufügen. Nun gibt es natürlich Fälle, in denen Menschen schlechte Dinge tun, um Profit zu erzielen, aber das ist eigentlich ziemlich ungewöhnlich. Denn die Regeln sind größtenteils korrekt aufgestellt. Nicht vollständig korrekt, aber größtenteils.

Sal Khan: Ich glaube, wir haben noch Zeit für eine Frage. Joel.

Joel: Ja, ich habe eine wichtige.

Sal Khan: Okay, sehr gut. Ja, bitte.

Joel: Vor ein paar Monaten haben Sie Hyperloop angepriesen, und seitdem haben wir nichts mehr gehört. Also, zunächst einmal haben ein paar von uns Ingenieuren darüber gesprochen, und ich denke, wir haben ein paar Ideen, falls Sie Hilfe brauchen. Aber vielleicht könnten Sie uns ein bisschen mehr erzählen, wenn das möglich ist.

Elon Musk: Ich hatte etwas über die kalifornische Hochgeschwindigkeitsbahn gelesen, und das war ziemlich deprimierend. Denn die kalifornischen Steuerzahler werden für den Bau der weltweit teuersten Hochgeschwindigkeitsstrecke pro Meile aufkommen müssen – und der langsamsten. Das sind nicht die Superlative, die man sich wünscht. Außerdem sind wir in Kalifornien, wir machen Super-High-Tech-Zeug. Warum geben wir jetzt solch einen Betrag – die Schätzungen liegen bei 100 Milliarden Dollar – für etwas aus, das zwei Stunden braucht, um von LA nach San Francisco zu kommen? Ich kann in ein Flugzeug steigen und die Strecke in 45 Minuten schaffen. Das macht nicht viel Sinn. Gibt es nicht eine bessere Möglichkeit, das zu tun?

Also, was würden Sie sich idealerweise von einem Transportsystem wünschen? Sie würden etwas wollen, das im Vergleich zu bestehenden Transportmitteln schneller ist – sagen wir mal doppelt so schnell -, das nur halb so viel pro Ticket kostet, das nicht abstürzen kann, das immun ist gegen Wettereinflüsse und das… Sie wissen schon, das ganze Ding kann sich selbst mit Solarzellen oder ähnlichem versorgen. (45:00) Das wäre ziemlich…

Sal Khan: Das wäre toll, ja.

Elon Musk: … ein gutes Ergebnis. Und was würde das bewirken? Und was ist der schnellste Weg dahin, abgesehen von der Erfindung der Teleportation? Einige der Elemente dieser Lösung sind ziemlich offensichtlich, und einige von ihnen sind nicht so offensichtlich. Und dann die Details… der Teufel steckt im Detail, um so etwas tatsächlich zum Laufen zu bringen. Aber ich kam zu dem Schluss, dass es etwas gibt, das funktionieren könnte und praktisch wäre.

Sal Khan: Geht es hier um die Unterdruck-Röhren? Die Vakuumröhren? Wie die alte Bank…

Elon Musk: Es ist etwas in dieser Richtung.

Sal Khan: Aber Du hast Dich nicht mehr öffentlich dazu geäußert?

Elon Musk: Nein. Ich habe nur gesagt, dass ich mehr darüber sprechen würde, sobald Tesla profitabel ist. Aber wir haben noch keine Gewinnergebnisse veröffentlicht. Ich denke, ich werde wahrscheinlich nach der Veröffentlichung etwas dazu sagen. Und die Sache ist die, dass ich mit den Dingen, die ich bereits tue, ziemlich ausgelastet bin. Wenn ich also noch eine Sache hinzufüge, ist das nicht… es ist viel.

Sal Khan: Gitarre lernen. Du könntest noch alles Mögliche machen.

Elon Musk: Genau. Ich habe versucht, Geige zu spielen. Das ist, nebenbei bemerkt, schwer zu lernen.

Sal Khan: Ja. Raketen starten, Elektroautos, den Transport revolutionieren. Ja, das ist ganz einfach.

Elon Musk: Ich kann überhaupt nicht Geige spielen. Ganz furchtbar.

Wenn man über die Zukunft nachdenkt, will man eine Zukunft, die besser ist als die Vergangenheit, und wenn wir also so etwas wie den Hyperloop hätten, wäre das cool, denke ich. Man würde sich auf den Tag freuen, an dem das funktioniert. Und wenn es so etwas gäbe, selbst wenn es nur an einem Ort wäre – von L.A. nach San Francisco, oder von New York nach DC oder so – dann wäre es cool genug, um eine Touristenattraktion zu sein. Es wäre wie ein Fahrgeschäft oder so etwas.

Selbst wenn also einige der anfänglichen Annahmen nicht aufgingen, die Wirtschaftlichkeit nicht ganz so funktionierte, wie man es erwartete, wäre es cool genug, dass Leute anreisten, nur um auf diesem Ding zu fahren. Es wäre ziemlich cool. Wenn man eine neue Technologie entwickelt, sollte sie sich auch so anfühlen. Wenn man einer objektiven Person davon erzählen würde, würde sie sich auf den Tag freuen, an dem dieses Ding verfügbar wird? Es wäre ziemlich aufregend, so etwas zu verwirklichen.

Oder ein Flugzeug. Ich fand es zum Beispiel sehr enttäuschend, als die Concorde außer Betrieb genommen wurde und es keinen Überschalltransport mehr gab. Und natürlich hat die 787 einige Probleme gehabt. Aber die Sache ist die, dass die 787, selbst im besten Fall, nur eine etwas bessere Version der 777 ist. Und das ist nicht wirklich so aufregend.

Sal Khan: Also ist das etwas, woran Du arbeitest?

Elon Musk: Ich würde nicht sagen, dass ich daran arbeite.

Sal Khan: Und eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft… – Oder gibt es da irgendwelche Pläne oder Berater oder so?

Sprecher aus dem Publikum: Sie haben in Russland angerufen.

Sal Khan: Du hast einige Anrufe nach Russland getätigt.

Elon Musk: Nein. Hin und wieder sickert der eine oder andere Gedanke durch. Ich denke nicht aktiv darüber nach. Aber dann wird es wieder irgendetwas geben, von dem ich denke, das würde es besser machen.

Sal Khan: Faszinierend. Nun, ich denke, ich spreche für alle. Das ist so ziemlich das großartigste Gespräch, das man im Laufe einer Stunde führen kann. Wir alle würden gerne stundenlang mit Dir plaudern, aber vielen Dank. Ich weiß, dass Du viel Freizeit hast, also war es wahrscheinlich keine große Sache für Dich, hierher zu kommen. Aber es war eine große Ehre. Und ich denke, es hat uns alle inspiriert, hinauszugehen und die Welt und das Universum zu verändern.

Elon Musk: Cool. In Ordnung.

Sal Khan: Ich danke Dir vielmals. (48:36)

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