CodeCon 2021 – I

Am 28. September 2021 gab Elon Musk ein ausführliches Interview im Laufe der CodeCon 2021. In der ersten halben Stunde des Gesprächs mit Kara Swisher spricht er unter anderem über Kryptowährungen, seinen Blick auf China, den heiligen Gral der Raumfahrt, das heißt wiederverwendbare Raketen, wie Starlink dabei hilft, den Weg zum Mars zu ebnen, und warum er diesen ganzen Aufwand überhaupt betreibt. Dies hier ist die deutsche Übersetzung der ersten Hälfte (0:04 – 30:20) des gut einstündigen Interviews, das auf YouTube veröffentlicht wurde. Zum englischen Transkript geht es hier.

Kara Swisher: (0:04) Hallo zusammen! Heute ist die Bond Premiere. Es ist mein Lieblingsfilm, also dachte ich, dass ich so etwas tun muss. Wie auch immer, wie geht es Dir?

Elon Musk: Gut. Wie geht es Dir?

Kara Swisher: Gut. Wie ist Elons Stimmung heute?

Elon Musk: Meine Stimmung? Ich fühle mich gut.

Kara Swisher: Wirklich?

Elon Musk: Ja.

Kara Swisher: Also gut, wir haben eine Menge zu besprechen. Womit willst Du anfangen?

Elon Musk: Womit auch immer Du anfangen möchtest.

Kara Swisher: Also gut, China, Kryptowährung – was machen die da?

Elon Musk: Das ist übrigens mein Safeword.

Kara Swisher: Okay. Wobei? Kryptowährung?

Elon Musk: Ja, es wird alle Zuwiderhandelnden töten.

Kara Swisher: ‚Kryptowährung‘ für uns klären wir später. Fahre fort.

Elon Musk: Kryptowährung in China?

Kara Swisher: Ja, was tun sie dort in Bezug auf Bitcoin usw.? Und ich würde gerne darauf eingehen, was die USA im Bereich der Regulierung tun werden.

Elon Musk: (0:56) Nun, es sieht so aus, als würden sie Kryptowährungen nicht mögen. (Publikum lacht)

Kara Swisher: Es sieht so aus.

Elon Musk: Nicht so offensichtlich, aber es deutet darauf hin. Ja, ich kann also nicht genau sagen, warum sie es nicht so sehr mögen. Aber man kann über verschiedene Gründe spekulieren. China hat einige erhebliche Probleme mit der Stromerzeugung. Ich denke, ein Teil davon könnte tatsächlich auf die Stromknappheit in vielen Teilen Chinas zurückzuführen sein. In weiten Teilen Südchinas kommt es derzeit zu Stromausfällen, weil der Strombedarf höher ist als erwartet. Das Krypto-Mining könnte dabei eine Rolle spielen. Ich bin mir nicht sicher.

Kara Swisher: Gibt es noch mehr Gründe?

Elon Musk: Ja, es ist mehr als das. Nun, ich nehme an, dass Kryptowährungen im Grunde darauf abzielen, die Macht einer zentralisierten Regierung zu verkleinern. Das gefällt ihnen nicht. Das ist meine Vermutung.

Kara Swisher: (2:06) Okay. Was denkst Du, was passieren wird, (…)?

Elon Musk: Ich meine, vielleicht hat das Publikum andere …

Kara Swisher: Die Aktien sind gestiegen, unabhängig von deren Ankündigung. Sie fielen und sie stiegen. Du kannst den Aktienkurs von Kryptowährungen mehr verändern als China.

Elon Musk: Ja.

Kara Swisher: Ist das gut?

Elon Musk: Ähm, wenn es nach oben geht, nehme ich an, dass es das ist. Aber ich denke, dass Kryptowährungen eine langfristige Rolle spielen werden. Die Leute sollten wirklich jede Art von Geldsystem, ob es nun ein historischer Wert oder eine Währung ist, als eine Form von Information betrachten. Wenn man die Informationstheorie auf Geld anwendet, egal ob es sich um Kryptowährung oder eine andere Form handelt, und es im Hinblick darauf betrachtet, wie gut es in Bezug auf Bandbreite, Latenz, Jitter, Paketverluste – Betrug ist wie der Verlust von Paketen oder so etwas im Netzwerk – und allgemeine Sicherheit ist, dann denke ich, dass viele dieser Dinge in dieser Hinsicht einfach sehr sinnvoll sind. Jede Form von Geld hat an sich keine Macht, es sei denn, es dient dem Austausch von Werten zwischen Menschen für Waren oder Dienstleistungen oder der zeitlichen Übertragung von Dingen, wie etwa einem Kredit.

Kara Swisher: (3:36) Ist es also gut, dass die Regierungen die Kontrolle darüber übernehmen wollen? Ist das möglich?

Elon Musk: Ich denke, dass es nicht möglich ist, Kryptowährungen zu zerstören, aber es ist möglich, dass Regierungen ihre Entwicklung verlangsamen.

Kara Swisher: Was sollte die US-Regierung also tun? Wir hatten vorhin Gary Gensler zu Gast, den Vorsitzenden der SEC. Er nannte es den „Wilden Westen der Finanzwelt“. Was sollten sie tun, wenn überhaupt?

Elon Musk: Ich würde sagen, nichts.

Kara Swisher: Okay, das sagen sie nicht.

Elon Musk: Also, ich würde es wirklich einfach lassen.

Kara Swisher: Weil?

Elon Musk: Was kann die Regierung Deiner Meinung nach tun?

Kara Swisher: Ich glaube, sie können es ruinieren. Ich glaube nicht, dass sie es nur verlangsamen können. Ich glaube, sie können es aufhalten. Ich glaube nicht, dass sie es kontrollieren können. Und deshalb wollen sie es vielleicht aufhalten.

Elon Musk: (4:31) Okay, ich behaupte nicht, dass ich ein Experte für Kryptowährungen bin. Ich glaube, dass Kryptowährung einen gewissen Wert hat. Ich glaube nicht, dass sie die endgültige Offenbarung ist, was einige Leute zu denken scheinen. Sie wird hoffentlich die Fehler und die Latenz im Geldsystem, dem alten Geldsystem, reduzieren und die … Weißt Du, Regierungen haben die Angewohnheit, die Gelddatenbank zu bearbeiten – auf einem wahrscheinlich uralten Rechner, der irgendwo in Virginia steht und mit COBOL läuft. Ziemlich düster, sich das vorzustellen. Aber wenn Regierungen ihre Hände nicht aus der Keksdose lassen können und die Gelddatenbank bearbeitet, haben Kryptowährungen wahrscheinlich einen gewissen Wert.

Kara Swisher: (5:26) Okay, Du sagst also, Du bist kein Experte, aber Du hast viel Zeit damit verbracht, darüber zu twittern. Du twitterst über eine Menge Dinge. Dazu kommen wir später. Aber warum ist das für Dich von Interesse. Ich würde zwar nicht behaupten, dass Du der Krypto-Messias bist, aber …

Elon Musk: (lacht) Krypto-Messias. Oh, nein. Aber ich meine, ich twittere meistens nicht über Krypto; das ist nur eine kleine Anzahl von Tweets. Ich weiß eine Menge über das Geldsystem und den Zahlungsverkehr und wie das alles tatsächlich funktioniert, im Gegensatz zu dem, was Ökonomen glauben, wie es funktioniert. Praktisch betrachtet ist Geld… – Das Geldsystem ist eine Reihe von heterogenen Datenbanken, die nicht in Echtzeit – mit Ausnahme von PayPal und ein paar anderen – Abstimmungen auf einer Batch-Basis vornehmen, die von 24 Stunden bis mehrere Tage dauern können. Das ist ganz einfach langsam. Das ist eine Menge Latenz und Jitter. Und das ACH (Automated Clearing House)-System bietet im Grunde keine Sicherheit. Das war schon so, als PayPal im Jahr 99 an den Start ging, und so ist es auch heute noch, 22 Jahre später.

Kara Swisher: Es ist also eine Reform nötig?

Elon Musk: Ja.

Kara Swisher: Ich möchte nun zu … Ich möchte noch kurz bei China bleiben. Du bist dort tätig, verkaufst dort. Was hälst Du davon, was man dort mit den Tech-Unternehmern, den Tech-Mogulen, macht?

Elon Musk: (7:11) Nun, wo ist Jack Ma?

Kara Swisher: Weißt Du es?

Elon Musk: Ich weiß es nicht.

Kara Swisher: Du hast die Mittel, das herauszufinden, nehme ich an.

Elon Musk: Vielleicht. Ich weiß es nicht. Ich glaube, in China sind einige Veränderungen im Gange. Ich denke, dass ein Teil davon tatsächlich mit COVID zusammenhängt, da es ziemlich schwierig war, persönliche Treffen in China abzuhalten; dabei ist das ganze System so aufgebaut, dass es auf der Grundlage von persönlichen Treffen funktioniert. Das Fehlen dieser Treffen in den letzten 18 Monaten hat wahrscheinlich zu einer Verschlechterung der Lage geführt. Ich denke also, dass mit der Aufhebung der COVID-Maßnahmen und der Rückkehr zu persönlichen Treffen das Vertrauen in das System zunehmen wird und die Dinge sich wahrscheinlich in eine positivere Richtung entwickeln werden.

Kara Swisher: Das Vertrauen zwischen der Technologiebranche und der Regierung?

Elon Musk: Ja. Sowohl innerhalb Chinas als auch in Bezug auf Menschen aus den USA und anderen Ländern, die zu Besuch kommen und sich mit Beamten der chinesischen Regierung treffen, ist China sehr stark auf persönliche Treffen ausgerichtet. Und COVID hat dies meiner Meinung nach beeinträchtigt. Die Dinge werden sich also höchstwahrscheinlich verbessern, sobald die persönlichen Treffen wieder stattfinden.

Kara Swisher: Sie haben also diese kartellrechtlichen Maßnahmen ergriffen, weil sie nicht „Hallo“ sagen konnten?

Elon Musk: Nicht alles davon kann darauf zurückgeführt werden, aber einiges schon. Ja, wir werden sehen. Ich vermute, dass sich die Dinge im nächsten Jahr verbessern werden, weil einfach mehr Interaktion möglich ist.

Kara Swisher: Bist Du nervös wegen dem, was Du dort machst? Es ist ein großer Markt für Dich. Du bist dort tätig.

Elon Musk: (9:24) Ja, wir haben eine große Fabrik in Shanghai, die sehr gut läuft. Das Team von Tesla China leistet großartige Arbeit. Der Verkauf auf dem chinesischen Markt und die Produktion für China und für den Export nach Europa laufen gut. Alles in allem läuft es also ziemlich gut, ehrlich gesagt.

Kara Swisher: Du bist nicht besorgt über die Beziehungen zwischen den USA und China?

Elon Musk: Nein, im Moment nicht besonders.

Kara Swisher: Nicht besonders, in Ordnung. Lass uns über den Weltraum reden. Ihr hattet vor kurzem einen Weltraum… Ihr habt einen Haufen Zivilisten in den Weltraum geschickt. Du hast Dich selbst nicht hochgeschickt.

Elon Musk: Nein, ich habe mich nicht hochgeschickt. Ich nehme an, dass ich das irgendwann einmal tun werde. Aber mein Ziel ist es nicht, mich selbst hochzuschicken. Mein Ziel ist es, den Weltraum für die Menschheit zu erschließen und uns letztlich auf den Weg zu bringen, eine raumfahrende Zivilisation und eine multiplanetare Spezies zu werden.

Kara Swisher: Okay. Du willst also nicht selbst nach oben gehen?

Elon Musk: Weder, noch – irgendwann werde ich gehen.

Kara Swisher: Was hälst Du von den anderen Bemühungen, suborbital zu fliegen?

Elon Musk: (10:33) Suborbital ist ein Schritt in Richtung Orbit. Aber um die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken: man braucht etwa 100mal mehr Energie, um in die Umlaufbahn zu gelangen als für eine suborbitalen Flug. Und um aus der Umlaufbahn zurückzukommen, muss man diese Energie wieder abbrennen, also braucht man einen starken Hitzeschild, weil man wie ein Meteor einfliegt. Den Orbit zu erreichen ist also um etwa zwei Größenordnungen schwieriger als ein suborbitaler Flug. Aber es ist immer gut, etwas im Weltraum zu tun.

Kara Swisher: Was denkst Du, wenn Du Richard Branson und Jeff Bezos dabei zusiehst?

Elon Musk: Ich fand es cool, dass sie Geld für den Fortschritt der Raumfahrt ausgeben. Ich denke, wir wollen letztendlich… die Menschheit will… sollte eine raumfahrende Zivilisation sein und da draußen zwischen den Sternen. Und wir wollen… ich glaube, wir wollen wirklich… all diese Dinge, die wir in Science-Fiction-Filmen und -Büchern sehen, wir wollen, dass sie eines Tages Wirklichkeit werden und nicht nur Fiktion bleiben. Ich finde es also gut, dass die Leute ihr Geld für die Weiterentwicklung der Raumfahrttechnologie ausgeben.

Kara Swisher: (11:52) Als wir das letzte Mal hier zusammensaßen, haben wir nicht viel über den Weltraum gesprochen. Wir haben über Fleischklappen gesprochen, was Elons Wort für Sprechen war. Wir bewegen unsere Fleischklappen.

Elon Musk: Ja. Langsames tonales Keuchen.

Kara Swisher: Ja, das ist richtig, da ich mich gerade so anhöre.

Elon Musk: So hören wir uns für einen Computer an – wie Walgesänge in verlangsamter Form.

Kara Swisher: Also, wir haben nicht über den Weltraum gesprochen. Lass uns also ein wenig darüber sprechen, wo Du Deiner Meinung nach mit dem, was Du tust, Fortschritte gemacht hast. Denn ich denke, Du bist wahrscheinlich derjenige, der mit all diesen Bemühungen am schnellsten vorankommt.

Elon Musk: Also, in Bezug auf SpaceX… mal sehen. Ich meine, es gibt zwei… neben der gesamten bemannten Raumfahrt und dem Transport von Astronauten und Fracht zur und von der Raumstation für die NASA, was wir nun schon seit einer Weile, über ein Jahrzehnt, machen, haben wir Starlink, ein globales Internetsystem. Und ich glaube, dass dies einige tiefgreifende positive Auswirkungen auf die Welt haben wird, denn Starlink ist wirklich darauf ausgelegt, denen zur Verfügung zu stehen, die es am meisten brauchen.

Kara Swisher: Ihr habt im Moment 1.300 Satelliten in Betrieb. Ist das korrekt?

Elon Musk: 1.500.

Kara Swisher: Und Du willst 30.000 einsetzen?

Elon Musk: Ja.

Kara Swisher: Wir kommen gleich auf die Weltraumverschmutzung zu sprechen. Aber erkläre zuerst die Gründe dafür.

Elon Musk: Um einer großen Anzahl von Menschen eine Verbindung mit hoher Bandbreite und geringer Latenz zu bieten, braucht man viele Satelliten. Und die müssen sich in einer niedrigen Erdumlaufbahn befinden, damit die Latenzzeit gering ist. Das Problem bei Satelliten in einer geostationären Umlaufbahn ist, dass sie sich in einer Höhe von etwa 36.000 Kilometern befinden, während wir uns in 550 Kilometern Höhe befinden. Der Unterschied in der Latenzzeit ist also gigantisch. Mit dem Starlink-System könnte man ein Videospiel spielen, das von der Latenz abhängt. Es ist im Grunde so, als würde man ein terrestrisches System nutzen.

Und Starlink ist wirklich, nur um das klarzustellen, keine Bedrohung für 5G oder terrestrische Glasfaser oder irgendetwas in der Art. Aber es eignet sich sehr gut für Regionen mit geringer bis mittlerer Dichte auf der Erde, also für Orte, an denen es zu teuer ist, Glasfaser zu verlegen oder Zellen, also 5G-Mobilfunk-Basisstationen, aufzustellen. Es kümmert sich also um die Menschen, die kein Internet haben, oder… entweder ist das Internet zu langsam oder zu teuer, oder sie haben einfach keins. Es ist sehr gut als weltraumgestütztes System geeignet, um die am wenigsten versorgten Menschen zu versorgen, vielleicht 5 % oder so.

Kara Swisher: (14:45) Wie groß ist der Anteil Starlinks am Raumfahrtgeschäft aus Deiner Sicht?

Elon Musk: Ich denke, es ist ziemlich signifikant, was Raketenstarts angeht; allein der Transport von fremden Satelliten und die Versorgung der Raumstation bringt wahrscheinlich 3 oder 4 Milliarden Dollar pro Jahr an Einnahmen. Wenn wir hingegen, sagen wir, 3 % des weltweiten Internet-Verkehrs erreichen können – und das ist ein Geschäft mit einem Volumen von etwa einer Billion Dollar pro Jahr – dann können wir unsere Einnahmen auf etwa 30 Milliarden steigern. Und dann können wir mit den Erlösen die Raketentechnologie entwickeln, die notwendig ist, um die Menschheit zum Mars, zum Mond und zu anderen Orten im Sonnensystem zu bringen.

Ich denke also, dass Starlink an und für sich eine gute Sache ist, weil es, wie gesagt, den am wenigsten versorgten Menschen der Welt Zugang zum Internet verschafft. In dieser Hinsicht ist es eine grundsätzlich gute Sache. Und es bietet auch ein wenig Wettbewerb in den Städten, obwohl Starlink vielleicht weniger als 5 % der Menschen in einer Stadt erreichen kann. Das liegt an der Art und Weise, wie …. die Spot-Beams aus dem Weltraum sind sehr groß. Wie auch immer, es ist eine sehr schöne und eine notwendige Ergänzung zu 5G und Glasfaser.

Und wie ich schon sagte, wird Starlink uns eine Einnahmequelle für die Entwicklung unserer nächsten Raketengeneration, nämlich Starship, verschaffen. Mit Starship versuchen wir, den grundlegenden Durchbruch zu erzielen, der den heiligen Gral der Raketentechnik darstellt. Das heißt, eine vollständig wiederverwendbare Orbitalrakete zu haben. Das ist extrem wichtig. Mit der Falcon 9 haben wir eine größtenteils wiederverwendbare Rakete.

Kara Swisher: (16:44) Ihr habt kürzlich bewiesen, dass Starship landen kann, richtig?

Elon Musk: Wir landen jetzt schon seit einer ganzen Weile. Einige unserer Booster haben bereits ihren zehnten Flug hinter sich. Wir haben also gezeigt, dass die Wiederverwendung der Booster-Stufe möglich ist und dass es sich wirtschaftlich als sinnvoll erweist.

Kara Swisher: Wie groß ist der Preisunterschied?

Elon Musk: Zwischen unserer Falcon 9 und der Konkurrenz?

Kara Swisher: Mit einer wiederverwendbaren Rakete.

Elon Musk: Okay, klar. Der Unterschied ist wirklich gigantisch. Bei der Falcon 9 verlieren wir noch die obere Raketenstufe. Und man kann sich jede Stufe wie das Äquivalent eines Düsenflugzeugs vorstellen. Die Booster-Stufe ist also wie ein großes Düsenflugzeug, die obere Raketenstufe ist das kleine Düsenflugzeug. Trotzdem werfen wir das kleine Düsenflugzeug jedes Mal weg. Die Falcon 9 ist also die wettbewerbsfähigste Rakete der Welt, weil wir den Booster und die Verkleidung zurückgewinnen. Dennoch liegen unsere Grenzkosten für den Start im günstigsten Fall, ohne Berücksichtigung der Gemeinkosten, bei etwa 15 Millionen Dollar.

Kara Swisher: Pro Start?

Elon Musk: Ja, für 15 Tonnen in die Umlaufbahn, was ziemlich viel ist. SpaceX hat im letzten Jahr etwa zwei Drittel aller Nutzlast in die Erdumlaufbahn befördert, glaube ich. Das restliche Drittel entfällt auf China, und alle anderen bewegen sich unter ferner liefen. Aber es sind immer noch 15 Millionen Dollar, vor allem weil…

Kara Swisher: (18:24) Wie groß ist der Kostenunterschied zwischen dem und dem, was Du anstrebst?

Elon Musk: Im Grunde genommen kostet Falcon 9 wegen der Wiederverwendung der Booster-Stufe nur etwa die Hälfte bis ein Drittel der alternativen Raketen. Mit Starship sollten wir in der Lage sein, den Punkt zu erreichen, an dem es vielleicht 1 % der Kosten einer „Einweg“-Rakete ausmacht.

Kara Swisher: Das wäre nur eine Million Dollar, richtig?

Elon Musk: Ja, wir denken dass die Grenzkosten für einen Start bei, …. könnten möglicherweise unter einer Million Dollar für über 100 Tonnen in die Umlaufbahn liegen.

Kara Swisher: 100 mehr als 15 – Du hast 15 gesagt.

Elon Musk: Ja. 100 Tonnen wahrscheinlich, und mit Verfeinerungen des Designs wahrscheinlich 150 Tonnen. Starship wird also im Wesentlichen die 10-fache Nutzlast der Falcon 9 bei 15-fach geringeren Kosten bieten.

Kara Swisher: Wann wird das passieren?

Elon Musk: 100-mal besser – das ist wirklich tiefgreifend. Im Grunde ist es mit Starship möglich, eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars und eine Basis auf dem Mond für diejenigen zu errichten, die dorthin gehen wollen. Es handelt sich also um eine wirklich sehr, sehr tiefgreifende Entwicklung. Und darauf verwende ich die meiste Zeit – die Entwicklung von Starship voranzutreiben.

Kara Swisher: Starship, damit Du zum Mars fliegen kannst. Oder willst Du eine Zivilisation auf dem Mars?

Elon Musk: Zivilisation auf dem Mars.

Kara Swisher: Also, was kommt zuerst? Die Mondbasis oder…? Die Mondbasis zuerst, richtig?

Elon Musk: Nun, der Mond ist nah, also können wir das auch tun.

Kara Swisher: Okay, könnten wir machen.

Elon Musk: Er ist ja sofort da oben.

Kara Swisher: Du hast einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium für eine Mondlandefähre für die NASA erhalten, was von Jeff Bezos angefochten wurde?

Elon Musk: Ja.

Kara Swisher: Was hältst Du davon?

Elon Musk: (20:35) Nun, ich habe meine Gedanken zu diesem Thema bereits geäußert. Ich denke, er sollte mehr Energie darauf verwenden, in die Umlaufbahn zu gelangen, als auf Klagen. Man kann sich den Weg zum Mond nicht einklagen, egal wie gut die Anwälte sind.

Kara Swisher: Und warum tut er das?

Elon Musk: Ich weiß es nicht.

Kara Swisher: Dumachst dich auch gerne über seine Rakete lustig. Ihr macht Euch alle über die Raketen der anderen lustig.

Elon Musk: Ich meine, sie hat… Ich meine, sie könnte eine andere Form haben, möglicherweise, Du weißt schon.

Kara Swisher: Könntest Du aus technischer Sicht erklären, warum es eine schlechte Form ist?

Elon Musk: (21:28) Nun, wenn man nur suborbital fliegen möchte, dann kann die Rakete etwas kürzer sein.

Kara Swisher: Hast Du ihn also angerufen und gesagt: „Hör auf mit dem Mist – warum so groß? ”

Elon Musk: Ich habe ihn ermutigt, den Weg in die Umlaufbahn zu probieren. Ja.

Kara Swisher: Hast Du mit ihm gesprochen?

Elon Musk: Ähm, nicht verbal.

Kara Swisher: Wie denn? (…)

Elon Musk: Nein, nur ein… Du weißt schon…

Kara Swisher: …Tweet an ihn?

Elon Musk: Subtweet.

Kara Swisher: Was hast Du bezüglich der Mondlandefähre vor? Und wie bringst Du die Mondbasis dorthin?

Elon Musk: Starship ist im Wesentlichen als Allzweck-Transportsystem zu jedem Ort im Sonnensystem konzipiert, weil es ein Antriebslandegerät ist. Und mit einem Antriebslandegerät kann man überall landen, wo es eine feste Oberfläche gibt. Außerdem ist Starship für die Wiederbefüllung in der Umlaufbahn ausgelegt. Man kann das Raumschiff also in die Umlaufbahn bringen und dann Tankflüge schicken, um es wieder aufzutanken, so dass es im Grunde eine enorme Delta-Geschwindigkeit (delta v) hat. Es kann sich sehr weit von der Erdumlaufbahn entfernen, weil man Treibstoff nachfüllen kann.

Kara Swisher: Die Mondbasis ist wichtig, weil…?

Elon Musk: Nun, ich denke, dass die Mondbasis… Ich meine, es gibt sicherlich eine Menge, was wir erforschen könnten, wenn wir ein richtiges Labor auf dem Mond hätten – die Natur des Universums, wo wir alle herkommen, die frühe Geschichte der Erde, und solche Dinge. Ich meine, wir haben eine Forschungstation in der Antarktis, und wir ziehen immer noch eine Menge Erkenntnisse aus unseren Aktivitäten dort. Ich denke, wir könnten auf dem Mond noch mehr erforschen.

Also, es ist sehr wertvoll, eine… Ich denke, es wäre einfach verdammt cool. Du weißt schon, lass uns hier für die Menschheit präsent sein, lass uns eine Basis auf dem Mond haben. Ich finde, eine Mondbasis wäre einfach cool. Man könnte dadurch viel lernen, so wie durch die Forschungsstationen, die wir in der Antarktis und an vielen anderen Orten haben.

Und ich denke, dass es einen großen Wert hat. Und dass es nicht schlecht gemacht werden sollte, wenn Menschen in die Erdumlaufbahn oder zum Mond fliegen wollen. Denn wenn sie das tun, sind wir alle zu einem gewissen Grad stellvertretend dabei. Weißt Du, im Apollo-Programm, als sie auf dem Mond gelandet sind – ja, es war nur eine Handvoll Menschen auf dem Mond, aber wir alle sind stellvertretend mit ihnen gegangen. Die Menschheit ging mit ihnen. Wenn man wen auch immer auf der Erde fragen würde, welches seiner Meinung nach die bis dato größte Errungenschaft der Menschheit sei, wäre die Antwort: „Die Landung auf dem Mond.“ Und das ist, glaube ich, für Kinder überall auf der Welt inspirierend.

Kara Swisher: (24:50) Du hast das jetzt gerade für Zivilisten möglich gemacht. Ist das Weltraumtourismus, was Du da machst? Und nebenbei bemerkt, man muss ziemlich reich sein, um das zu tun. Soweit ich weiß, kann ich es mir nicht leisten, auf den Mond zu fliegen.

Elon Musk: Ich denke, es hat ein bisschen mehr Gewicht als nur Tourismus – metaphorisch, bildlich und wörtlich. Es ist nicht wie ein Besuch in Disneyland. Es ist viel tiefgründiger als das. Manchmal wird der Begriff ‚Tourismus‘ in einer negativen Weise verwendet. Aber ich glaube, besonders bei dem ‚Inspiration‘ Flug haben sie wirklich …. Ich meine, sie haben die ganze Sache in Echtzeit gefilmt und ihre Erfahrungen mit der Welt geteilt.

Ich kann jedem empfehle, die Netflix-Serie „Countdown“ sich anzusehen. Die ist großartig. Ich habe nichts damit zu tun. Der Produktionswert der Netflix-Dokumentation „Countdown“ ist erstaunlich. Und man erfährt etwas über die Hintergrundgeschichte der Leute. Es ist wirklich super…

Kara Swisher: (…26:03) Tourismus, Du weißt schon, ist das vermutlich für die Wissenschaft und für die Rettung der Menschheit?

Elon Musk: Ich denke, es gibt ein Element des Tourismus, aber ich denke auch…. die Technologie ist anfangs teuer. Man kann nicht einfach… – Wenn man versucht, eine brandneue Technologie zu entwickeln, wird sie nicht sofort billig und erschwinglich. Denk zum Beispiel an Handys. Die ersten Mobiltelefone waren wirklich teuer und, ehrlich gesagt, mies. Wie im Film ‚Wall Street‘, wo er mit einem schuhkartongroßen Handy am Strand entlangläuft … also wirklich teuer, und die Technik war nicht gerade toll. Aber wenn einige Leute nicht für die teuren Handys bezahlt hätten, gäbe es nicht die preiswerten Handys, die sich jeder leisten kann.

Kara Swisher: Also Milliardären dafür danken, dass sie ins All fliegen?

Elon Musk: (26:59) Nun, das muss nicht ganz oben auf der Dankesliste stehen. Ich sage nur, dass eine neue Technologie zwangsläufig teuer ist, bis man das Design verfeinern und die Dinge skalieren kann, und erst dann kann man sie preiswerter machen. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man eine neue Technologie, vor allem wenn es sich um ein physisches Objekt handelt, einfach so billig und verfügbar machen kann. Es bedarf vieler Design-Iterationen, und man muss die Produktion hochfahren und hohe Stückzahlen erzielen.

Tesla wurde zum Beispiel lange Zeit vorgehalten, dass wir diesen Roadster bauten und dies doch nur ein teurer Spielzeugsportwagen für reiche Leute sei. Wir sagten: „Ja, das ist er.“ Aber es gab keine Möglichkeit, ein erschwingliches Elektroauto als unser erstes Auto zu bauen. Wir hatten einfach nicht das Kapital, wir hatten nicht die Erfahrung, und wir mussten mehrere Technologie-Iterationen durchlaufen, um zu etwas wie dem Model 3 zu gelangen.

Ich habe sogar einen Blog darüber geschrieben, weil ich wusste, dass die Leute fragen würden, warum wir einen Sportwagen für reiche Leute bauen. Als ob wir dächten, dass es irgendwie einen Mangel an Sportwagen für reiche Leute gäbe. Das ist natürlich nicht der Fall. Man muss einfach die Technologie herausfinden, man muss mehrere Designphasen durchlaufen, um etwas für den Massenmarkt und preiswert produzieren zu können. Viele, viele Design-Iterationen, viele verschiedene Versionen der Technologie, eine Menge harter Arbeit, und dann muss man die Produktionsrate erhöhen, um Skaleneffekte zu erzielen. Diese beiden Dinge sind es, die jede einzelne Technologie für die breite Öffentlichkeit verfügbar machen. Und im Grunde hat jede Technologie, die wir heute als selbstverständlich ansehen, diese Entwicklung durchlaufen.

Kara Swisher: (28:49) Der Weg zum Mars wird also eines Tages erschwinglich sein?

Elon Musk: Ja, absolut. Das muss so sein. Damit auf dem Mars eine sich selbst erhaltende Zivilisation entstehen kann, muss er erschwinglich sein. Es müssen genügend Menschen hinfliegen.

Kara Swisher: Warum willst Du, dass die Leute gehen? Du sagst das immer wieder. Weil Du Dir Sorgen um diesen Planeten machst? Oder wettest Du einfach darauf, dass wir ihn entweder in die Luft jagen oder (…20:08). Das wird der ‚Day after Tomorrow‘-Film sein.

Elon Musk: Es geht darum, dass wir unsere internen Streitereien hinter uns lassen und uns das große Ganze ansehen. Welche Art von Maßnahmen können wir ergreifen, um die Wahrscheinlichkeit zu maximieren, dass die Zukunft für die Zivilisation und das Bewusstsein gut sein wird? Und ich denke, wir sollten das Bewusstsein auf der Erde als fragil betrachten, einfach zerbrechlich. Und welche Maßnahmen können wir ergreifen, um sicherzustellen, dass es fortbesteht und dass sich der Umfang und das Ausmaß des Bewusstseins ausweiten.

Ich bin für die Ausdehnung des Bewusstseins, denn wenn wir verstehen wollen, worum es im Universum geht und was der Sinn des Lebens ist, müssen wir hinausgehen und es herausfinden. Und je mehr wir Umfang und Ausbreitung des Bewusstseins erweitern, desto besser werden wir in der Lage sein zu verstehen, welche Fragen wir zu der Antwort, die das Universum ist, stellen müssen. (30:20)

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