Lex Fridmans ‚Artificial Intelligence‘ Podcast (III) – Teil 2

In der zweiten halben Stunde (32:55 – 1:02:37) des am 28.12.2021 von Lex Fridman auf YouTube veröffentlichten Podcast #252 mit Elon Musk geht es um die Voraussetzungen für eine sich selbst erhaltende Zivilisation auf dem Mars, Wurmlöcher und Raumkrümmung, mögliche Staatsform und Währung auf dem Mars, lästige Cookies, die Unsterblichkeit von staatlich erlassenen Regeln und Vorschriften, die Definition von Geld, den Schöpfer von Bitcoin und ein bisschen Shakespeare zum Schluss. Zu Teil 1 des Interviews und dem englischen Transkript gelangen Sie durch Klicken auf die Links.

Lex Fridman: (32:55) Was ist Deiner Meinung nach der schwierigste Aspekt beim Aufbau einer Zivilisation auf dem Mars, beim Terraforming des Mars, aus technischer Sicht, aus finanzieller Sicht, aus menschlicher Sicht, um eine große Anzahl von Menschen dorthin zu bringen, die nie wieder zur Erde zurückkehren werden?

Elon Musk: Nein, sie könnten durchaus zurückkehren. Einige werden zur Erde zurückkehren.

Lex Fridman: Sie werden sich dafür entscheiden, für den Rest ihres Lebens dort zu bleiben?

Elon Musk: Ja, viele werden das tun, aber wir brauchen die Raumschiffe wieder, die zum Mars fliegen. Man kann also einsteigen, wenn man will. Wir können nicht einfach die Raumschiffe da lassen. Diese Dinger sind teuer. Ich möchte, dass sie zurückkommen und nochmal zum Mars fliegen.

Lex Fridman: Denkst Du über den Terraforming-Aspekt nach, den Aufbau? Oder konzentrierst Du Dich im Moment noch auf den Teil mit den Raumschiffen, der so wichtig ist, um zum Mars zu gelangen?

Elon Musk: Ja, absolut. Wenn man dort nicht hinkommt, ist alles andere unwichtig. Und wie ich schon sagte, ist es nicht mit exorbitanten Kosten möglich. Ich meine, die derzeitigen Kosten für, sagen wir, eine Tonne zur Marsoberfläche liegen in der Größenordnung von einer Milliarde Dollar, weil man nicht nur die Rakete braucht. Man braucht einen Hitzeschild, ein Leitsystem, eine Weltraumkommunikation und eine Art von Landungssystem. Ich würde also grob geschätzt eine Milliarde Dollar pro Tonne zur Marsoberfläche veranschlagen. Das ist natürlich viel zu teuer, um eine sich selbst versorgende Zivilisation aufzubauen. Wir müssen das also mindestens um den Faktor 1.000 verbessern.

Lex Fridman: Eine Million pro Tonne?

Elon Musk: Ja. Im Idealfall viel weniger als eine Million pro Tonne. Man muss sich fragen, wie viel die Gesellschaft für eine sich selbst versorgende Stadt auf dem Mars ausgeben kann oder will. Das mit der Selbstversorgung ist wichtig. Das ist nun mal die entscheidende Schwelle. Der große Filter ist überwunden, wenn die Stadt auf dem Mars überleben kann, selbst wenn die Raumschiffe von der Erde aus irgendeinem Grund nicht mehr kommen. Es spielt keine Rolle, aus welchem Grund. Aber wenn sie aus irgendeinem Grund nicht mehr kommen, wird die Stadt dann aussterben oder nicht? Und wenn auch nur eine kritische Zutat fehlt, dann zählt es trotzdem nicht. Es ist so, als ob man auf einer langen Seereise alles hat, außer Vitamin C, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis alle sterben. Wir werden also eine Stadt auf dem Mars so weit bringen müssen, dass sie sich selbst versorgen kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob das zu meinen Lebzeiten noch passieren wird, aber ich hoffe, dass es zumindest eine große Dynamik geben wird. Und dann könnte man sagen: „Okay, was ist die Mindesttonnage, die notwendig ist, um eine sich selbst versorgende Stadt errichten zu können?“ Und hier herrscht große Unsicherheit. Man könnte sagen – ich weiß nicht – es sind wahrscheinlich mindestens eine Million Tonnen, weil man auf dem Mars eine Menge Infrastruktur aufbauen muss. Wie ich schon sagte, darf nichts fehlen, was… um sich selbst zu versorgen, darf nichts fehlen… man braucht Halbleiterfabriken, man braucht Eisenerzraffinerien – man braucht eine Menge Dinge. Und der Mars ist nicht besonders gastfreundlich. Er ist der am wenigsten unwirtliche Planet, aber man muss definitiv viel Material und Arbeit reinstecken, um ihn bewohnbar zu machen.

Lex Fridman: (36:18) Außerhalb der Erde.

Elon Musk: Ja. Die Erde ist einfach.

Lex Fridman: Die Erde ist ziemlich gut, und außerdem, das sollten wir klarstellen, im Sonnensystem.

Elon Musk: Ja. Im Sonnensystem.

Lex Fridman: Es gibt vielleicht schöne Urlaubsorte.

Elon Musk: Es könnte da draußen ein paar tolle Planeten geben. Aber es ist hoffnungslos…

Lex Fridman: …zu schwer, dorthin zu gelangen?

Elon Musk: Ja, viel, viel, viel, viel, viel, viel zu schwer. Gelinde gesagt.

Lex Fridman: Lass mich eine Gegenfrage stellen – nicht wirklich eine Gegenfrage, aber eine kurze interessante Frage. Du hast die Physik als ersten Ausgangspunkt erwähnt. Die allgemeine Relativitätstheorie lässt Wurmlöcher zu; sie können technisch gesehen existieren. Glaubst Du, dass diese jemals von Menschen genutzt werden können, um schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen?

Elon Musk: Nun, die Sache mit dem Wurmloch ist umstritten. Wir kennen derzeit keine Möglichkeit, schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen. Es gibt einige Ideen, wie man den Raum… man kann sich nicht mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum bewegen, aber wenn man den Raum selbst in Bewegung bringen kann, wäre das eine Raumkrümmung. Der Raum ist in der Lage, sich schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zu bewegen. Beim Urknall dehnte sich das Universum viel schneller aus als die Lichtgeschwindigkeit, und zwar um ein Vielfaches. Wenn dies möglich ist, ist die erforderliche Energiemenge für die Raumkrümmung so gigantisch, dass es einem den Verstand raubt.

Lex Fridman: (38:03) Bei all der Arbeit, die Du im Bereich der Antriebe geleistet hast… wie viel Innovation ist bei Raketenantrieben möglich? Ich meine, Du hast schon alles gesehen. Und Du bist ständig dabei, in jeder Hinsicht Innovationen zu entwickeln. Wie viel ist möglich? Wie viel… kann man irgendwie das 10-fache erreichen? Gibt es in der Physik etwas, mit dem man die Effizienz von Triebwerken und all diese Dinge erheblich verbessern kann?

Elon Musk: Nun, wie ich schon sagte, der heilige Gral ist ein vollständig und schnell wiederverwendbares Orbitalsystem. Im Moment ist die Falcon 9 die einzige wiederverwendbare Rakete, die es gibt. Der Booster kommt zurück und landet – Du hast die Videos gesehen – und wir bekommen die Raketenspitze oder die Verkleidung zurück, aber wir bekommen die obere Raketenstufe nicht zurück. Das bedeutet, dass wir auf ein Minimum an Kosten für den Bau der oberen Raketenstufe achten. Man kann sich eine zweistufige Rakete sozusagen als zwei Flugzeugen vorstellen. Ein großes Flugzeug und ein kleines Flugzeug. Wir bekommen das große Flugzeug zurück, aber nicht das kleine Flugzeug.

Und so kostet es immer noch eine Menge. Die obere Raketenstufe kostet mindestens 10 Millionen Dollar. Und dann ist der Booster nicht so schnell und vollständig wiederverwendbar, wie wir es gerne hätten, ebenso wie die Verkleidungen. Unsere minimalen Grenzkosten, ohne Berücksichtigung der Gemeinkosten pro Flug, liegen also in der Größenordnung von 15 bis vielleicht 20 Millionen Dollar. Das ist extrem gut für… es ist bei weitem besser als jede Rakete in der Geschichte. Aber mit der vollständigen und schnellen Wiederverwendbarkeit können wir die Kosten pro Tonne in die Umlaufbahn um den Faktor 100 senken.

Stell Dir vor, Du hättest ein Flugzeug oder ein Auto, und wenn Du jedes Mal ein neues Auto kaufen müsstest, wenn Du eine Fahrt machst, dann wäre das sehr teuer. Das wäre, offen gesagt, albern. Aber in Wirklichkeit muss man das Auto nur auftanken oder aufladen, und das macht die Fahrt wahrscheinlich 1.000 Mal billiger. Bei Raketen ist es dasselbe. Es ist sehr schwierig, diese komplexe Maschine zu bauen, die in den Orbit fliegen kann. Wenn man sie also nicht wiederverwenden kann und auch nur einen bedeutenden Teil davon wegwerfen muss, erhöht das die Kosten massiv. Starship könnte theoretisch pro Start etwa eine Million, vielleicht 2 Millionen Dollar oder etwas in der Art kosten und über 100 Tonnen in den Orbit bringen, was unglaublich ist.

Lex Fridman: (40:54) Ja, das ist unglaublich. Du sagst also, dass die Wiederverwendbarkeit bei weitem den größten Nutzen bringt, im Gegensatz zu einem brillanten Durchbruch in der theoretischen Physik?

Elon Musk: Nein, es gibt kein geniales… wir müssen einfach die gesamte Rakete wiederverwendbar machen. Das ist ein extrem schwieriges technisches Problem. Aber es ist keine neue Physik erforderlich.

Lex Fridman: Einfach brillante Technik. Lass mich eine etwas philosophische Frage stellen. Ich muss das fragen. Ich weiß, dass Du Dich darauf konzentrierst, zum Mars zu gelangen. Aber wenn wir erst einmal auf dem Mars sind, welche Form der Regierung, des Wirtschaftssystems, des politischen Systems würde Deiner Meinung nach am besten für eine neue menschliche Zivilisation funktionieren? Ich meine, das Thema ist interessant und könnte den Menschen helfen, von der Zukunft zu träumen. Ich weiß, dass Du Dich wirklich auf den kurzfristigen technischen Traum konzentrierst. Dennoch – es hat etwas mit der Vorstellung einer tatsächlichen Zivilisation auf dem Mars zu tun. Das gibt den Menschen wirklich Hoffnung.

Elon Musk: Nun, es wäre eine neue Eroberung und eine Gelegenheit, das ganze Wesen der Regierung zu überdenken, so wie es bei der Gründung der Vereinigten Staaten gemacht wurde. Ich würde eine direkte Demokratie vorschlagen, bei der die Menschen direkt über Dinge abstimmen, im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie. Die repräsentative Demokratie ist meiner Meinung nach anfällig für Sonderinteressen und, naja, für die Nötigung von Politikern und dergleichen mehr. Ich empfehle daher eine direkte Demokratie. Die Menschen stimmen über Gesetze ab, die Bevölkerung stimmt selbst über Gesetze ab, und die Gesetze müssen so kurz sein, dass die Menschen sie verstehen können.

Lex Fridman: Ja, und dann eine gut informierte Bevölkerung, und wirkliche Transparenz bei allem, worüber abgestimmt wird.

Elon Musk: Ja, absolute Transparenz.

Lex Fridman: Ja. Und es nicht so lästig machen wie diese Cookies. Wir müssen die Cookies akzeptieren.

Elon Musk: Ich habe immer ein wenig Angst, wenn ich auf „Cookies akzeptieren“ klicke. Ich habe das Gefühl, dass eine winzige Chance besteht, dadurch ein Portal zur Hölle zu öffnen oder ähnliches. Warum wollen sie, dass ich das akzeptiere? Was wollen sie mit diesem Cookie? Als ob sich irgendwo jemand über das Akzeptieren von Cookies aufgeregt hätte – ich meine, wen interessiert das? Es ist so lästig, ständig diese Cookies zu akzeptieren. Ja, Sie können meinen verdammten Cookie haben. Das ist mir egal. Wie auch immer.

Lex Fridman: Ihr habt es von Elon direkt gehört – er nimmt alle Eure verdammten Cookies an.

Elon Musk: Ja. Und hört auf, mich zu fragen. Das ist lästig.

Lex Fridman: Das ist ein Beispiel dafür, wie eine gute Idee wirklich schrecklich umgesetzt wurde.

Elon Musk: Ja, es gibt einige gute Absichten, was den Datenschutz oder was auch immer angeht. Aber jetzt muss jeder das Häkchen bei „Cookies akzeptieren“ setzen, und Milliarden von Leuten müssen ständig auf „Cookie akzeptieren“ klicken, und das ist super nervig. Akzeptiert einfach den verdammten Cookie, es ist in Ordnung. Ich glaube, ein grundsätzliches Problem ist, dass wir… da wir keinen großen Weltkrieg oder so etwas hatten – und natürlich möchten wir keine Weltkriege haben -, existiert keine Aufräumfunktion für Regeln und Vorschriften. Kriege hatten insofern einen Silberstreif am Horizont, als dass nach einem Krieg die Regeln und Vorschriften neu festgelegt wurden.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden also Regeln und Vorschriften in großem Umfang zurückgesetzt. Wenn die Gesellschaft keinen Krieg hat, gibt es keine Inventur oder ‚Garbage Collection‘ (automatische Speicherbereinigung) für Regeln und Vorschriften – dann werden sich Regeln und Vorschriften jedes Jahr ansammeln, weil sie unsterblich sind. Menschen sterben, aber die Gesetze nicht. Wir brauchen also eine Garbage Collection für Regeln und Vorschriften. Sie sollten nicht einfach unsterblich sein, weil einige der Regeln und Vorschriften, die eingeführt werden, kontraproduktiv sein können – mit guten Absichten, aber kontraproduktiv. Manchmal werden sie auch nicht mit guten Absichten erlassen. Wenn sich die Regeln und Vorschriften von Jahr zu Jahr häufen und man immer mehr davon bekommt, dann kann man irgendwann gar nichts mehr tun. Man ist dann wie Gulliver mit 1.000 kleinen Schnüren außer Gefecht gesetzt.

Und das sehen wir in den USA und im Grunde in allen Volkswirtschaften, die schon eine Weile existieren. Die Regulierungsbehörden und Gesetzgeber schaffen jedes Jahr neue Regeln und Vorschriften, aber sie bemühen sich nicht um deren Abschaffung. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir uns um die Beseitigung von Regeln und Vorschriften bemühen. Aber es ist schwierig, weil es spezielle Interessen gibt, die davon abhängig sind… wenn sie ein persönliches Interesse an dieser oder jener Vorschrift haben, dann kämpfen sie dafür, dass sie nicht abgeschafft wird.

Lex Fridman: (45:57) Ja, ich schätze, das Problem mit der Verfassung ist, dass es eine Art von C gegen Java ist, weil es keine eingebaute Garbage Collection hat. Ich denke, es sollte eine geben. Als Du die Metapher der Garbage Collection zum ersten Mal erwähnt hast, fand ich das toll.

Elon Musk: Ja, vom Standpunkt der Kodierung aus gesehen.

Lex Fridman: Vom Standpunkt der Kodierung aus gesehen, ja. Es wäre interessant, wenn die Gesetze selbst eine Art eingebaute Funktion hätten, mit der sie nach einer Weile sterben, wenn sie nicht jemand ausdrücklich öffentlich verteidigt. Es ist also nicht so, dass jemand sie abschaffen muss – ihre Gültigkeit läuft sozusagen von selbst aus. Sie verschwinden. Nicht um Java zu verteidigen oder so. Mit C++ könnte man auch eine großartige Garbage Collection  haben… und mit Python und so weiter.

Elon Musk: Ja, es muss etwas passieren, sonst verhärten die Arterien der Zivilisation mit der Zeit. Und man kann immer weniger erreichen, weil es einfach eine Regel gegen alles gibt. Ich denke also, ich weiß nicht, für den Mars oder was auch immer, würde ich sagen, oder sogar für hier, natürlich auch für die Erde, sollte es einen aktiven Prozess geben, um Regeln und Vorschriften abzuschaffen und ihre Existenz zu hinterfragen. Wenn wir eine Funktion für die Schaffung von Regeln und Vorschriften haben, denn Regeln und Vorschriften kann man sich auch vorstellen als… sie sind wie Software oder Codezeilen für den Betrieb einer Zivilisation. Das sind die Regeln und Vorschriften. Es ist also nicht so, dass wir keine Regeln und Vorschriften haben sollten, aber es gibt eine Anhäufung von Codes, keine Entfernung von Codes. Und so wird das Ganze nach einer Weile zu einer archaischen Bloatware. Das macht es schwer, die Dinge voranzutreiben.

Also, ich weiß nicht, vielleicht würde man auf dem Mars so etwas wie ein Gesetz mit einer Verfallsfrist einführen und eine aktive Abstimmung verlangen, um es aufrechtzuerhalten. Ich sollte auch sagen, dass – und das sind nur Empfehlungen oder Gedanken, und letztendlich werden die Menschen auf dem Mars darüber entscheiden – aber ich denke, es sollte einfacher sein, ein Gesetz zu entfernen als eines hinzuzufügen, einfach um die Trägheit von Gesetzen zu überwinden. Vielleicht ist es so, dass man, sagen wir mal, 60 % der Stimmen braucht, um ein Gesetz in Kraft treten zu lassen, aber nur 40 %, um es aufzuheben.

Lex Fridman: (48:23) Lass mich der Kerl sein… Du hast kürzlich ein Meme auf Twitter gepostet, in dem eine Reihe von Pissoirs zu sehen ist, und ein Kerl geht einfach an allen vorbei, stellt sich zu Dir und erzählt Dir etwas über Krypto.

Elon Musk: Glaub mir, dass ist oft fast buchstäblich so.

Lex Fridman: Glaubst Du, dass es technologisch gesehen irgendeinen Raum für Ideen wie Smart Contracts oder Ähnlichem gibt? Du hast ja Gesetze erwähnt. Das wäre eine interessante Anwendung von so etwas wie Smart Contracts, um die Gesetze zu implementieren, nach denen Regierungen funktionieren. Wie etwas, das auf Ethereum aufbaut, oder vielleicht eine „Dog Coin“, die Smart Contracts irgendwie ermöglicht?

Elon Musk: Ich verstehe diese ganze Sache mit den Smart Contracts nicht ganz. Ich bin zu ‚downtown‘, um intelligente Verträge zu verstehen. (beide lachen)

Lex Fridman: Das ist ein guter Satz.

Elon Musk: Meine generelle Herangehensweise an jede Art von Geschäft oder was auch immer ist, sicherzustellen, dass es ein klares Verständnis gibt. Das ist das Allerwichtigste. Halte jede Art von Vereinbarung kurz und einfach, in einfacher Sprache, und stell sicher, dass es jeder versteht: „Dies ist die Vereinbarung. Ist das klar? Und das sind die Konsequenzen, wenn verschiedene Dinge nicht geschehen.“ Aber in der Regel sind Verträge – Geschäftsverträge oder was auch immer – viel zu lang und komplex und übermäßig juristisch geprägt. Und sinnlos.

Lex Fridman: (49:52) Du hast erwähnt, dass Doge die Münze des Volkes ist. Und Du hast gesagt, dass Du buchstäblich… SpaceX könnte erwägen, eine Dogecoin buchstäblich auf den Mond zu bringen. Ist das etwas, was Du immer noch in Betracht ziehst? Oder auf den Mars vielleicht? Glaubst Du, dass es eine Chance gibt – wir haben über politische Systeme auf dem Mars gesprochen – dass Dogecoin die offizielle Währung des Mars wird, die Münze der Zukunft?

Elon Musk: Nun, ich denke, dass es auf dem Mars selbst eine andere Währung geben muss, weil man aufgrund der Lichtgeschwindigkeit nicht ohne Probleme synchronisieren kann.

Lex Fridman: Eine Währung sollte also völlig unabhängig von der Erde sein?

Elon Musk: Nun, ja, denn die nächste Annäherung an den Mars ist ungefähr vier Lichtminuten entfernt. Und die weiteste Annäherung ist ungefähr 20 Lichtminuten entfernt, vielleicht sogar etwas mehr. Man kann also nicht wirklich etwas mit einem 20-Minuten-Lichtgeschwindigkeits-Thema synchronisieren. Wenn es eine einminütige Blockchain hat, wird es nicht richtig synchronisiert. Ich weiß nicht, ob es auf dem Mars eine Kryptowährung geben wird, aber wahrscheinlich ist es schon. Allerdings wäre es eine Art lokalisierte Sache auf dem Mars.

Lex Fridman: Und Du lässt die Leute entscheiden.

Elon Musk: Ja, absolut. Die Zukunft des Mars sollte den Marsianern überlassen werden. Ich denke, dass die Kryptowährung ein interessanter Ansatz ist, um den Fehler in der Datenbank, die sich Geld nennt, zu reduzieren. Ich glaube, ich habe durch PayPal ein ziemlich gutes Verständnis davon, was Geld in der täglichen Praxis bedeutet. Wir sind da wirklich tief eingestiegen. Und im Moment ist das Geldsystem in der Praxis ein Haufen heterogener Mainframes, auf denen altes COBOL läuft.

Lex Fridman: (52:07) Okay, Du meinst buchstäblich – das ist buchstäblich, was passiert?

Elon Musk: Im Batch-Modus, ja. Ich habe Mitleid mit den armen Bastarden, die diesen Code pflegen müssen. Das ist eine Qual.

Lex Fridman: Nicht einmal Fortran – COBOL, ja.

Elon Musk: Es ist COBOL. Und die Banken haben 2021 immer noch Großrechner gekauft und mit altem COBOL-Code gearbeitet. Die Federal Reserve ist wahrscheinlich noch älter ausgestattet als die Banken, und diese haben einen alten COBOL-Mainframe. Die Regierung hat in der Tat Bearbeitungsrechte an der Gelddatenbank, und sie nutzt diese Bearbeitungsrechte, um mehr Geld zu generieren, wann immer sie will. Und das erhöht den Fehler in der Gelddatenbank.

Ich denke also, dass Geld durch die Linse der Informationstheorie betrachtet werden sollte. Es ist wie eine Internetverbindung: Wie groß ist die Bandbreite, die Gesamtbitrate, wie groß ist die Latenz, der Jitter, der Paketverlust, die Fehler in der Netzwerkkommunikation? Stellt Euch Geld einfach so vor. Ich denke, so kann man es sich vorstellen. Und dann sagen wir, welches System aus Sicht der Informationstheorie eine Wirtschaft am besten funktionieren lässt. Kryptowährungen sind ein Versuch, den Fehler im Geld zu reduzieren, der dadurch entsteht, dass die Regierungen die Geldmenge verwässern, was im Grunde eine schädliche Form der Besteuerung darstellt.

Lex Fridman: (53:58) Sowohl die Politik in Bezug auf die Inflation als auch die Technologie, COBOL – Kryptowährungen bringen uns ins 21. Jahrhundert hinsichtlich der Systeme, die es ermöglichen, Transaktionen durchzuführen, Vermögen zu speichern und all diese Dinge.

Elon Musk: Wie ich schon sagte, betrachte Geld einfach als Information. Die Leute denken oft, dass Geld an und für sich Macht habe. Das ist aber nicht der Fall. Geld ist eine Information, und sie hat keine Macht an und für sich. Auch hier ist es hilfreich, die physikalischen Methoden anzuwenden, um über Dinge im Grenzbereich nachzudenken. Wenn man auf einer tropischen Insel gestrandet ist und eine Billion Dollar hat, ist das Geld nutzlos. Denn es gibt keine Ressourcenzuweisung. Geld ist eine datenbasierte Ressourcenzuweisung, aber es gibt keine Ressource, die man zuweisen könnte, außer sich selbst. Geld ist also nutzlos. Wenn man auf einer einsamen Insel ohne Nahrung gestrandet ist, werden alle Bitcoins der Welt einen nicht vor dem Verhungern bewahren.

Stell Dir Geld als eine Datenbank für die Zuweisung von Ressourcen in Zeit und Raum vor. In welcher Form sollte diese Datenbank, dieses Datensystem… was wäre am effektivsten? Es gibt ein grundsätzliches Problem mit… Bitcoin in seiner derzeitigen Form hat ein sehr begrenztes Transaktionsvolumen. Und die Latenzzeit für eine ordnungsgemäß bestätigte Transaktion ist zu lang, viel länger als man es gerne hätte. Vom Standpunkt des Transaktionsvolumens oder der Latenzzeit ist Bitcoin also nicht gerade großartig. Er ist vielleicht nützlich, um einen Aspekt des Gelddatenbankproblems zu lösen, nämlich eine Art Vermögensspeicher oder eine Buchführung über relative Verpflichtungen, nehme ich an. Aber als Währung, als Alltagswährung, ist er nicht geeignet.

Lex Fridman: (56:30) Aber die Leute haben verschiedene technische Lösungen vorgeschlagen.

Elon Musk: Wie ‚Lightning‘.

Lex Fridman: Ja, ‚Lightning Network‘ und die darüber liegenden Layer 2-Technologien. Es scheint alles eine Art Kompromiss zu sein. Aber der Punkt ist, es ist irgendwie brillant zu sagen, dass man nur über Informationen nachdenken muss, darüber, welche Art von Datenbank, welche Art von Infrastruktur den Austausch von Informationen ermöglicht.

Elon Musk: Ja, für die Wirtschaft braucht man etwas, das ein effizientes Wertverhältnis zwischen Produkten und Dienstleistungen ermöglicht. Man hat also eine riesige Anzahl von Produkten und Dienstleistungen und muss… man kann nicht einfach tauschen, weil das extrem unhandlich wäre. Man braucht also etwas, das ein Austauschverhältnis zwischen Waren und Dienstleistungen bietet. Und dann etwas, das es ermöglicht, Verpflichtungen über die Zeit zu verschieben, wie Schulden und Kapital. Und was eignet sich am besten dafür?

Ein Grund, warum ich glaube, dass Dogecoin einen gewissen Wert hat – auch wenn er offensichtlich als Scherz gedacht war – ist, dass er tatsächlich ein viel höheres Transaktionsvolumen als Bitcoin hat. Und die Kosten für eine Transaktion, die Dogecoin-Gebühr, sind sehr niedrig. Wenn man jetzt eine Bitcoin-Transaktion durchführen möchte, ist der Preis für diese Transaktion sehr hoch, so dass man ihn für die meisten Dinge nicht effektiv nutzen kann. Und er könnte auch nicht auf ein hohes Volumen skaliert werden. Als Bitcoin ins Leben gerufen wurde, ich schätze so um 2008 herum, waren die Internetverbindungen um ein Vielfaches schlechter als heute. Eine kleine Blockgröße oder was auch immer, und eine lange Synchronisationszeit waren 2008 sinnvoll. Aber 2021 oder in 10 Jahren ist das lachhaft niedrig.

Ich denke, dass ein linearer Anstieg der generierten Währungsmenge einen gewissen Wert hat, denn ein Teil der Währung… wenn eine Währung zu deflationär ist – oder ich sollte sagen, wenn eine Währung im Laufe der Zeit an Wert gewinnt – dann zögert man, sie auszugeben, weil man denkt: „Oh, ich werde sie einfach behalten und nicht ausgeben, weil ihre Knappheit mit der Zeit zunimmt. Wenn ich es jetzt ausgebe, werde ich es bereuen, dass ich es ausgegeben habe. Ich werde es besser behalten.“ Aber wenn die Währung im Laufe der Zeit etwas geschwächt wird, ist das ein größerer Anreiz, sie als Währung zu verwenden.

Dogecoin hat irgendwie zufällig nur eine feste Anzahl von Münzen oder Hash-Strings, die jedes Jahr generiert werden. So gibt es zwar Inflation, aber es ist im Grunde genommen kein Prozentsatz. Es ist eine feste Zahl, so dass der Prozentsatz der Inflation zwangsläufig im Laufe der Zeit abnimmt. Ich sage nicht, dass es das ideale System für eine Währung ist, aber ich denke, dass es grundsätzlich besser ist als alles andere, was ich bisher gesehen habe – einfach nur zufällig.

Lex Fridman: (1:00): Mir gefällt, wie Du ‚um 2008‘ herum sagst. Du bist also nicht… Du weißt, einige Leute vermuten, dass Du Satoshi Nakamoto sein könntest. Du hast bereits gesagt, dass Du es nicht bist.

Elon Musk: Ich bin es nicht.

Lex Fridman: Das bist Du ganz sicher nicht. Würdest Du uns sagen, wenn Du es wärst?

Elon Musk: Ja.

Lex Fridman: Okay. Glaubst Du, es ist ein Vorteil oder ein Nachteil, dass er anonym ist, oder sie, oder die Leute? Es ist eine interessante Besonderheit in der menschlichen Geschichte, dass es eine bestimmte Technologie gibt, die einen völlig anonymen Erfinder oder Schöpfer hat.

Elon Musk: Nun, ich meine, man kann sich die Entwicklung der Ideen vor der Einführung von Bitcoin anschauen und sehen, wer über diese Ideen geschrieben hat. Ich weiß nicht, wer Bitcoin für die praktische Nutzung geschaffen hat. Aber die Entwicklung der Ideen davor ist ziemlich klar, und es scheint, als ob Nick Szabo wahrscheinlich mehr als jeder andere für die Entwicklung dieser Ideen verantwortlich ist. Er behauptet zwar, er sei nicht Nakamoto, aber ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt. Er scheint auf alle Fälle derjenige zu sein, der mehr als jeder andere für die Ideen hinter Bitcoin verantwortlich ist.

Lex Fridman: (1:01:50) Vielleicht sind einzelne Figuren gar nicht so wichtig wie die Figuren, die an der Entwicklung von Ideen beteiligt waren, die zu Dingen führten.

Elon Musk: Ja.

Lex Fridman: Es mag traurig klingen, wenn man über die Geschichte nachdenkt, aber vielleicht werden die meisten Namen sowieso vergessen.

Elon Musk: Was ist überhaupt ein Name? Ein Name, der einer Idee angehängt wird – was bedeutet er eigentlich?

Lex Fridman: Ich glaube, Shakespeare sagte dazu etwas mit Rosen oder so.

Elon Musk: „Das, was wir eine Rose nennen, würde bei jedem anderen Namen genauso süß duften.“

Lex Fridman: Ich habe Elon dazu gebracht, Shakespeare zu zitieren. Ich habe das Gefühl, dass ich heute etwas erreicht habe.

Elon Musk: „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?“ (beide lachen)

Lex Fridman: Ich werde das stattdessen ausschneiden.

Elon Musk: „Er ist wie du so lieblich nicht und lind.“ (1:02:37)

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