Third Row Tesla Podcast – Elon Musks Story (Teil II)

Dies ist der zweite Teil (Minute 30:32 – 1:00:28) des Transkripts und der deutschen Übersetzung des Interviews. In der ersten Hälfte geht es um Tesla, in der zweiten um Elon Musk. Dort beschreibt unter anderem, wie er zuerst nach Kanada und dann in die USA kam, wie eine erfolglose Bewerbung zu seiner ersten Unternehmensgründung führte und wie wenig glorreich die Anfangszeit im später so wertvollen Geschäft aussah. Zum ersten Teil des Interviews und zum YouTube Video gelangen Sie durch Klicken auf die Links.

Gali: (30:32) Das ist super. Ja.

Kristen: Wir freuen uns auf den Investoren Tag.

Elon: Das ist eine ziemlich große Sache.

Vincent: Großartig. Gut zu wissen.

Elon: Maxwell hat eine Reihe von Technologien, die… nun, wenn sie richtig eingesetzt werden, denke ich, dass sie einen sehr großen Einfluss haben können.

Omar: Wie die Trockenelektroden?

Elon: Das ist eine davon. Das ist eine große Sache.

Sofiaan: Ja, auf jeden Fall.

Elon: Eine viel größere Sache, als es vielleicht den Anschein hat. Und es gibt noch ein paar andere Dinge.

Sofiaan: Mit dem Platz, den die Öfen einnehmen – also für die aktuelle Technologie – benötigt man viel weniger Immobilienraum; das ist ein Aspekt. Dann die Kostenreduzierung, die Gewichtseinsparung… Ich meine, es gibt so viele Pluspunkte.

Elon: Ja, da gibt es Einiges, aber ich muss bis zum Batterietag warten, der hoffentlich in ein paar Monaten stattfinden kann; ich denke, da haben wir ein paar ziemlich aufregende Neuigkeiten mitzuteilen.

Omar: Gali ist sehr gespannt.

Gali: Ja, es scheint so, als ob das Innovationstempo bei den Batterien einfach zugenommen hat, seit etwas mehr Kapital zur Verfügung steht und die Gigafactory vertikal integriert werden konnte. Kein anderer Autohersteller stellt so viele Batterien her, und anscheinend denkt auch keiner über die nächsten Schritte nach.

Vincent: Nicht mal annähernd.

Elon: Ja, das stimmt. Andere Autofirmen wollen die Batterietechnologie einfach nur auslagern und nicht einmal Batteriemodule und Zelle herstellen. Zellen auszusourcen ist plausibel – aber auch die Module und die Packs? Sie denken wirklich nicht über grundlegende chemikalische Verbesserungen nach. Tesla beherrscht auf diesem Gebiet große Magie.

Ich sollte ein bisschen was über Elektrofahrzeuge oder nachhaltige Energie im Allgemeinen sagen. Ich habe gesagt, dass es ziemlich offensichtlich ist (32:30), nicht nur für mich, sondern für viele Leute – man kann sogar 30 Jahre oder länger zurückgehen – dass wir eine nachhaltige Energielösung haben müssen. Letztendlich ist das völlig logisch; wenn wir nicht nachhaltig agieren, werden wir irgendwann eine Alternative dazu finden müssen. Selbst, wenn es keinen Einfluss auf die Umwelt hätte – wenn wir weiterhin fossile Energien nutzen, werden sie sich irgendwann dem Ende zuneigen. Und dann würden wir einen wirtschaftlichen Zusammenbruch haben und die gesamte Zivilisation würde zugrunde gehen.

Das war eigentlich meine anfängliche Motivation, Elektrofahrzeuge zu bauen. Ich dachte: „Okay, wir brauchen eine Lösung, bei der keine Kohlenwasserstoffe abgebaut werden müssen und die auf lange Sicht nachhaltig ist.“ Ich ging anfangs nicht von einem Umweltgedanken aus, da ich damals die Schwere der Auswirkungen auf die Umweltsituation noch nicht erkannt hatte. Und ich war davon überzeugt, dass wir bis heute Elektrofahrzeuge hätten.

Vincent: Ganz sicher.

Kristen: Oder wieder auf dem Mond wären.

Elon: Ja, richtig. Warum sind wir noch nicht wieder da gewesen? Das ist unglaublich.

Kristen: Vollkommen unglaublich.

Elon: Wenn Du 1969 zu jemanden gesagt hättest, dass wir bis 2020 den Mond nicht wieder betreten haben würden – wahrscheinlich hätte man Dich geschlagen. Ehrlich. Weil das eine dreiste Behauptung über die Zukunft gewesen wäre. Die hätten gefragt, was mit dir nicht stimmt.

Kristen: SpaceX aber ermutigt in dieser Hinsicht.

Elon: Ja. Also, es ist so, dass wir eine Basis auf dem Mond haben sollten, wir sollten Menschen zum Mars geschickt haben. Nichts davon ist eingetreten. Wir müssen dafür sorgen, dass das passiert. Was die Nachhaltigkeit angeht, so war das, wie ich schon sagte, zunächst nicht so sehr aus ökologischer Sicht, sondern aus der Notwendigkeit heraus, eine endliche Ressource zu ersetzen, um sicherzustellen, dass die Zivilisation weiter wachsen kann. Und dann wurde die Dringlichkeit viel deutlicher. Wir sollten wirklich etwas tun, denn die Umweltprobleme werden immer ernster.

Die Trägheit großer bestehender Unternehmen ist schwer zu begreifen. Sie wollen einfach immer weiter das Gleiche machen und jährlich vielleicht 5% verändern – vielleicht mal 5%. Die Unternehmen hassen Veränderungen. Zu der Zeit, als Tesla gegründet wurde, gab es niemanden, der Elektroautos herstellte. Es gab nicht wirklich Startups (35:00), keiner der großen Autohersteller wollte das machen, GM und Toyota hatten ihre Elektrofahrzeug-Programme eingestellt.

Vincent: Und jetzt macht das jeder.

Elon: Ja, wirklich jeder.

Vincent: Wir möchten alle gerne zur Gigafactory 3 gratulieren. Ich würde gerne wissen, warum die Wahl auf China gefallen ist, um die erste ausländische Gigafactory zu bauen.

Elon: China ist der größte Autokonsument der Welt. Das allein wäre schon Grund genug. Es gibt aber auch viele Unsicherheiten bezüglich der Zölle, und aller Voraussicht nach könnte man die Autos nicht lohnend in China verkaufen, wenn wir keine Fabrik vor Ort hätten; oder man wäre zumindest nicht in der Lage, zu wettbewerbsfähigen Preisen zu verkaufen. Das sind die beiden Hauptgründe.

Aber da ist noch ein dritter, wichtiger Grund. Es gibt in China so viele Menschen mit Potenzial und Ambitionen, dass ich denke, es ist ein guter Ort, um vieles zu verwirklichen. Den Beweis haben wir, wenn man sich den unglaublich schnellen Fortschritt beim Bau der Gigafactory ansieht. Dieses Werk wurde mit einer sehr hohen Qualität in sehr kurzer Zeit erbaut. Und die Fahrzeuge, die in Shanghai produziert werden, haben bereits jetzt einen außerordentlichen Qualitätsstandard.

Vincent: Das kann ich bestätigen, und die Durchsatzrate ist erstaunlich.

Sofiaan: Ich finde es toll, dass sie auch die chinesischen Plaketten benutzen. Es ist ein Symbol des Stolzes. Ihr wisst schon,  „Made in China“.

Elon: Das ist cool, super cool.

Omar: Wie hat Tesla es erreicht, als erstes ausländisches Unternehmen eine eigene Fabrik in China bauen zu können?

Elon: Nun, ich war viele Male in China, und sie sagten immer wieder, dass dies nur mit einer lokalen Beteiligung gehen würde. Und ich sagte, na ja, wissen Sie, wir sind ein wenig zu spät zum Tanz hier; mit wem sollten wir uns zusammentun? Wissen Sie, es ist niemanden mehr übrig. Außerdem sind wir noch ein kleines Unternehmen. Also sollten wir heiraten, solange wir jung sind. (37:30)

Vincent: Das ist ein gutes Beispiel.

Elon: Ich habe auch darauf hingewiesen, dass chinesische Unternehmen Fabriken in den USA errichten, wie zum Beispiel Faraday Future, die zu gleichen Zollbestimmungen handeln können. Und deshalb sollte es fairerweise erlaubt sein, dass ein amerikanisches Autounternehmen auch seine Fabrik in China besitzt. Und so haben wir mit ihnen über eine Reihe von Jahren gesprochen, bis sie schließlich meinten: „Okay, gut, wir werden das Gesetz ändern.“ Auch andere Unternehmen können jetzt eine Fabrik in China aufbauen. Es ist also nicht nur auf Tesla beschränkt.

Gali: Wie viel der Erfahrungen, die in Eurer „Produktionshölle“ gemacht wurden, haben ermöglicht… – Ich möchte jetzt nicht die Investitionskosten ansprechen, aber eines meiner Lieblingsdinge ist die Statistik im Aktionärsbrief. Es ist so viel preiswerter – nicht nur schneller; aber es scheint, als ob Ihr so viel von dieser – der Fremont-Fabrik – gelernt habt, dass dies wirklich eine Art Turbobau für Shanghai ermöglicht hat.

Elon: Der größte Unterschied ist, dass wir jetzt weniger dumm sind, als wir es anfangs waren.  Der Anteil der Investitionen war sehr hoch, und jetzt ist er weniger hoch. Beim Design des Shanghai Werkes vermieden wir die ganzen Fehler, die wir zuvor gemacht hatten – die in Fremont und die in Nevada. Wir hatten eine ganze Menge Entscheidungen getroffen, die nicht klug waren. All das haben wir beim Shanghai Design berücksichtigt, so dass die Produktionslinien viel einfacher und besser implementiert sind.

Außerdem haben wir festgestellt, dass die Lieferanten in China in den meisten Fällen effizienter sind als in den USA. So haben wir es auch geschafft, aus den vorhandenen Anlagen in den USA viel mehr Leistung herauszuholen. Die Model 3 Fertigungslinie in Fremont zum Beispiel war immer nur für 5.000 Autos pro Woche ausgelegt, und jetzt sind es 7.000 (40:00) – und das, indem wir eine Menge unnötiger Dinge abgestellt haben, die gemacht wurden; wir hatten viel Unsinniges getan. Außerdem haben wir manche Designs geändert und es insgesamt leichter gemacht. Es sind hunderte von kleinen Dingen, die die Produktion einfacher machen. Dass wir nun in der Lage sind, 40 % mehr Ausstoß mit der gleichen Linie zu erzielen, macht natürlich einen großen Unterschied – und das bei gleichzeitiger Senkung der Grenzkosten für die Produktion und, wie ich denke, einer Verbesserung der Qualität des Autos. Das ist also wirklich gut – das Ergebnis einer Menge harter Arbeit von vielen Leuten.

Es war in gewisser Weise notwendig, dass es… – wir hatten keinen Platz, um eine zweite Model-3-Fertigungslinie zu errichten. Es war also so, dass wir entweder diese eine schneller machten, oder wir wären nicht in der Lage gewesen, die Produktionszahlen zu erreichen. Die Model 3 Fertigungslinie in Shanghai ist um ein Vielfaches unkomplizierter und erzielt dennoch das gleiche Endergebnis. Das beweist, dass einfach das Entfernen unnötiger Bewegungen …. – Die Fremont Fertigungslinie beinhaltet eine Menge unnötiger Bewegungen, die in Shanghai nicht stattfinden.

Omar: Ihr habt im Produktionsbrief gesagt, dass Ihr auch gerade mit der Batterieproduktion in Shanghai begonnen habt. Und ich habe gehört, dass Ihr Zellen von CATL und LG Chem bezieht. Sind die Zellen im Grunde eine Art Standardteil, das in die Batteriepacks eingebaut werden kann? Macht das einen Unterschied? Wie siehst Du das langfristig?

Elon: Ich glaube, diese Zellen sind noch nicht von LG. Ich würde erwarten, dass wir lokal produzierte Zellen verwenden. Um es klar zu sagen: Ich weiß nicht immer genau, was überall in dem 50.000-Mann-Unternehmen vor sich geht. Das meiste von dem, was ich sage, wird richtig sein, aber vielleicht sage ich gelegentlich etwas, das nicht stimmt. Also, meines Wissens nach verwenden wir noch keine LG Chem-Zellen, sondern Panasonic-Zellen, die in Nevada hergestellt werden. (42:30)

Omar: Aber LG Chem kann ziemlich genau die gleichen Zellen herstellen wie Panasonic.

Elon: Ja, aber ‚so ziemlich das Gleiche‘ ist nicht das Gleiche wie ‚das Gleiche‘. Es gibt noch ein paar Schwierigkeiten, die wir bei den LG Chem-Zellen ausmerzen müssen, bevor wir sie in unserem Produktionssystem für Module und Batteriepacks verwenden können. Bei CATL wird es sich eher um ein integriertes Modul als um eine Zelle handeln. Es ist nicht super einfach, diese Dinger zu ersetzen. Aber wir erwarten, CATL zu verwenden, wir erwarten, LG zu verwenden. Derzeit verwenden wir Panasonic. Wenn ich hier ‚erwarten‘ sage, dann spreche ich von ein paar Monaten. Bis Mitte des Jahres werden wir wahrscheinlich sowohl LG als auch CATL in großen Stückzahlen einsetzen.

Kristen: Wir haben nun eine Menge über Tesla gesprochen, aber wir wollten gerne etwas über Deine persönliche Geschichte erfahren, da es einige Missverständnisse gibt, die wir gerne richtigstellen würden. Zum Beispiel hat Ashley Vance hat ein Buch über Dich geschrieben. Ich habe gerade Mayes Buch gelesen und es ist wirklich wundervoll. Ich liebe es. Ich habe ein bisschen mehr über die Geschichte Deiner Familie und Deinen Werdegang erfahren. Welches sind die Missverständnisse, die Du gerne korrigieren würdest?

Elon: An sich ist inzwischen vieles einfach nur Schnee von gestern, und die Leute nehmen es auch nicht mehr so sehr zur Kenntnis. Ich meine, es gibt da ein paar Geschichten, in denen es so klingt, als hätte ich Leute ganz plötzlich und willkürlich gefeuert, was nicht der Fall war. Ashley hat jemanden gefragt, der nicht wusste, was los ist, und dann war diese Person plötzlich nicht mehr da, und sie wussten nicht, warum. Aber ich feuere definitiv keine talentierten Leute, es sei denn, ich habe keine andere Möglichkeit. Und schon gar nicht ohne Vorwarnung.

Kristen: Ich höre Dich immer wieder „wir“ sagen; das klingt, als würdest Du immer an alle denken. Ich sehe Dich als eine sehr selbstlose Person.

Elon: Oh, vielen Dank.

Kristen: Ich meine, ernsthaft. Ja, es klingt so, als hättest Du seit deinem 12. Lebensjahr darüber nachgedacht, wie Du der Menschheit helfen kannst.

Elon: Es ist nicht meine Absicht, ein Retter oder sowas zu sein. Es ist nur so, dass, (45:00) wenn es scheint… ich weiß nicht. Wenn es so aussieht, als wäre es das Naheliegendste, dann weiß ich nicht, warum man etwas anderes machen sollte. Die Menschheit möchte ihr Glück maximieren, solange wie möglich weiterexistieren und das Wesen der Realität verstehen – und daraus ergibt sich alles andere.

Viv: Ich habe auf Twitter gelesen, dass viele dem Gerücht glauben, Du seist bereits von Geburt an reich gewesen und dass das der einzige Grund für Deinen Erfolg sei. Du hast das richtiggestellt. Kannst Du uns mehr über Deinen Werdegang erzählen und was Dich dazu gebracht hat, nach Nordamerika zu kommen.

Elon: Sicher. Ich war in Südafrika, und es schien, als würde ein Großteil der fortschrittlichen Technologie der Welt in Amerika und insbesondere im Silicon Valley produziert werden. Ich wollte also dorthin, wo ich einen Einfluss auf die Technologie haben oder an der Entwicklung neuer Technologien beteiligt sein konnte. Das hat mich dazu gebracht, zunächst nach Kanada zu gehen, weil ich durch meine Mutter die kanadische Staatsbürgerschaft bekommen konnte, und dann schließlich in die USA. Aber ja, ich habe Südafrika einfach verlassen, als ich 17 war und bin in Montreal gelandet. Ich hatte weniger als etwa 2.000 Dollar dabei – kanadische. Und ich habe erst mal ein paar Tage in einer Jugendherberge gewohnt. Und dann gab es… man konnte für 100 Dollar ein Ticket kaufen, um quer durchs Land zu fahren und auf der Strecke Halt zu machen. Also machte ich das und nahm einen Greyhound Bus durch Kanada und all diese kleinen Städte…

Maye: (Maye Musk, Elons Mutter, ist auch anwesend, bleibt aber im hinteren Teil des Raums. Leider kann ich sie während des gesamten Interviews aufgrund der Entfernung zu den Mikrofonen kaum verstehen.) [nicht verständlich] … Gepäck.

Elon: Nun, ich hatte nicht viel dabei. Ich hatte einen Rucksack und einen Koffer voll Bücher. Das Busunternehmen… sie haben mein Gepäck an einer Haltestelle ausgeladen, und dann ist der Bus ohne meine Sachen weitergefahren.

Kristen: Oh, das ist schön.

Elon: Ich hatte buchstäblich nichts.

Kristen: Alle Deine Bücher!

Sofiaan: Deine Kleidung auch?

Elon: Seltsamerweise hatte ich zwar die Bücher, aber nicht die Kleidung.

Kristen: Das nennt man Prioritäten.

Omar: Alles, was Du brauchst. (47:30)

Elon:  Ich kann mich daran erinnern, dass ich lesend an der Bushaltestelle saß und darauf wartete, dass der Bus losfuhr. Ich denke, ich hatte die Bücher, aber keine Kleidung. Wie auch immer… aber ich schaffte es bis Swift Current in Saskatchewan. Und dann hat mein… (Elon wendet sich an Maye) Ist er Dein Cousin?

Maye: Der Sohn meines Cousins.

Elon: Der Sohn Deines Cousins, ja… hat dort einen Ackerbaubetrieb. Ich habe etwa sechs Wochen auf seiner Farm gearbeitet und feierte meinen 18. Geburtstag in Saskatchewan bzw. Swift Current.

Sofiaan: Das war im Sommer, oder? Im Juni.

Elon: Ja, der 28. Juni.

Sofiaan: Ich war einmal im Winter dort, und da sind es etwa minus 40 Grad. Da will man nicht unterwegs sein.

Kristen: Bist Du mal Schlittschuh gelaufen?

Elon: Nein, es war ziemlich warm.

Kristen: Ich meinte im Winter. Bist Du den Winter über geblieben?

Elon: Nein, ich war dort für etwa sechs Wochen.

Sofiaan: Glücklicherweise. So hast Du überlebt. Es ist dort wirklich kalt.

Elon: Ich habe richtig auf der Farm gearbeitet. Wir haben eine Scheune gebaut, Weizenlager leergefegt, also die Getreidesilos… solche Sachen. Und ich habe das Gemüsebeet bearbeitet. Im Grunde alles, was anfiel.

Kristen: Hast Du dabei darüber nachgedacht, was Du als nächstes machen wolltest?

Elon: Ja, klar, ich habe mir überlegt, was ich als Nächstes machen soll. Ich bestieg schließlich wieder einen Bus und bin nach Vancouver gefahren. Ich hatte dort einen Halbonkel, der in der Holzindustrie tätig ist. Er stellt Holzbearbeitungsgeräte her.

Kristen: Klingt nach dem Nordwesten.

Elon: Ja, im Grunde. Ich landete also beim Zerlegen von Baumstämmen mit der Kettensäge und arbeitete in einem Sägewerk und reinigte dort… – sie kochen dort einen Brei in einer Art Kesselraum. Das war vielleicht der härteste Job, den ich je hatte, denn man musste in einem Schutzanzug durch einen kleinen Tunnel kriechen und dann diesen dampfenden Sand und Mulch aus den Kesseln schaufeln, um sie zu reinigen. Es gab nur einen Ein- bzw. Ausgang, diesen kleinen Tunnel. Das ist nichts für jemanden, der klaustrophobisch veranlagt ist.

Man schaufelt den Sand und den Mulch durch diesen Tunnel, und blockiert ihn damit. (50:00) Und ein anderer reicht von außen hinein und schaufelt das raus. Der Tunnel ist also gerade lang genug, dass man mit einer Schaufel mit langem Stiel… die Person innen kann ihn weit genug schaufeln, dass jemand draußen ihn herausschaufeln kann. Und dann wechselt man alle 15 Minuten, um einen Hitzschlag zu vermeiden.

Kristen: Oh, wow. Was war bezüglich Sicherheit? War da nur noch der eine Mann?

Elon: Da waren nur die zwei Leute, die miteinander arbeiteten, und wenn einer zusammengebrochen wäre, hätte der andere jemanden rufen können. Aber es wäre wirklich schwer gewesen, dort jemanden herauszuziehen, das muss ich sagen. Also, es war nicht sicher, weil der Tunnel blockiert wurde. Der Versuch, den Tunnel in kurzer Zeit freizulegen, wäre sehr schwierig. Aber es war der bestbezahlte Job beim Arbeitsamt. Für andere Jobs bekam man unter $8 pro Stunde und bei diesem hier bekam man $18 pro Stunde.

Kristen: Du musstest neue Klamotten kaufen; sie waren alle weg.

Elon: Nun, sie gaben Dir einen Schutzanzug.

Sofiaan: Wie lange hast Du diesen Job gemacht?

Elon: Etwa vier Tage – dann war es erledigt. Es war eine kurzfristige Sache – die Reinigung der Kesselräume.

Gali: Und was war dann? Wir waren nun bei den Kesselräumen – und dann?

Elon: Ein paar Monate lang arbeitete ich als Holzfäller, zerschnitt Stämme mit der Kettensäge, und machte die Sachen, die sonst so dazugehörten. Dann bewarb ich mich am College, ging zur Queen’s Universität in Kingston und blieb da ein paar Jahre. Dann meinte jemand, ich solle mich bei der Penn Universität bewerben. Ich dachte nicht, dass ich das machen könnte, weil ich meinen Weg durch die Universität selbst finanzierte. Das ist in Kanada eigentlich nicht so schwer, weil die Studiengebühren dort stark subventioniert sind. Wenn man also während des Sommersemesters arbeitet, ein paar Kredite aufnimmt und ein paar Stipendien bekommt, kann man so ziemlich jedes College in Kanada besuchen.

Aber ich traf jemanden, der an der Penn University war, und der meinte, ich sollte mich zumindest mal bewerben. Ich bewarb mich, und sie gaben mir tatsächlich ein ziemlich großes Stipendium, was mir mein Studium dort ermöglichte. Also habe ich dort Physik und BWL studiert (52:30), und das führte dann zu dem Roadtrip nach Stanford mit Robin Ren. In jenem Sommer überlegte ich mir, dass ich entweder mehrere Jahre damit verbringen kann, einen Doktortitel zu erwerben… nicht, dass mich der Doktortitel wirklich interessiert hätte; ich brauchte nur ein Labor. Aber ich konnte entweder ein paar Jahre in einem Labor arbeiten und vielleicht würde sich die Technologie durchsetzen oder vielleicht auch nicht. Aber das Internet war definitiv dabei, im Jahr 95 durchzustarten. Also sagte ich mir, ich kann später immer noch an der Elektromobilität arbeiten – was ich dann ja auch tat. Aber das Internet wird nicht warten.

Ich habe Stanford aufgeschoben und wir haben mit Karten und Wegbeschreibungen angefangen… Yellow Pages (Gelbe Seiten), White Pages, diese Art von Dingen. Soweit ich weiß, waren das die erste Straßenkarte und Wegbeschreibungen im Internet. Wir haben noch einige Patente… also, ich weiß nicht, ob wir sie noch haben; ich glaube, sie sind inzwischen abgelaufen – aber für Straßenkarten und Wegbeschreibungen und Gelbe Seiten und Werbung und so. Ich schrieb die gesamte erste Codebasis dafür selbst, weil ja niemand anderes da war. Es gab nur mich.

Ich hatte nur ein paar tausend Dollar. Mein Bruder kam dazu und brachte etwa 5.000 Dollar mit, was eine Menge Geld war. Zumindest in den ersten paar Monaten gab es buchstäblich nur einen Computer. Wenn die Website also nicht funktionierte, lag das daran, dass ich den Code kompilierte. Und selbst eine Internetverbindung zu bekommen, war ziemlich schwierig. Aber in der Etage unter uns gab es einen Internet-Provider. Wir haben uns mehr oder weniger in diesem Büro eingenistet, weil der Vermieter anscheinend immer außer Landes war und es niemand benutzte.

Omar: Du hast also da drin gewohnt?

Elon: Ja.

Kristen: Ich glaube, ich habe gelesen, dass Ihr damals im YMCA geduscht habt, richtig?

Elon: Das ist richtig, ja.

Kristen: Das war schlau. Ich meine, Ihr musstet sparsam sein.

Elon: Wir hatten einfach kein Geld. (55:00)

Omar: Was haben die Leute generell über Zip2 gedacht? Wurde es als eine verrückte Idee abgetan? Haben die Leute damals das Internet überhaupt verstanden?

Elon: Die meisten hatten keine Vorstellung vom Internet. Sogar auf der Sand Hill Road, wo wir versucht haben, Leute dazu zu bewegen, in unser Internetunternehmen zu investieren, hatten die meisten VCs (Venture Capital Firmen) noch nie das Internet benutzt.

Omar: Erinnerst Du Dich an einige der VC-Firmen, bei denen Ihr in der Sand Hill Road wart?

Elon: Die meisten waren nicht bereit, sich mit uns zu treffen. Und die, mit denen wir uns getroffen haben, waren ziemlich gelangweilt und sagten sowas wie, „Wer macht schon Geld mit dem Internet?“ Diese Sichtweise änderte sich aber, als Netscape an die Börse ging. Ich hatte nicht als erstes versucht, ein Unternehmen zu gründen, sondern hatte mich bei Netscape beworben; aber sie haben mir nicht geantwortet. Also lungerte ich in der Lobby von Netscape herum und wusste nicht, wen ich ansprechen könnte. Ich war wirklich zu schüchtern, um jemanden anzusprechen. Daher sagte ich mir „Okay, ich kann keinen Job bei der einzigen Internetfirma bekommen, die Internet-Software entwickelt. Also versuche ich, selbst eine Software zu schreiben.“ So ist es dann auch gekommen.

Wie ich schon erwähnte, schloss mein Bruder sich später an. Das war alles etwa Ende 1995. Und dann, im Januar 1996, glaube ich, nach dem Börsengang von Netscape, war das Interesse am Internet schon um einiges größer. Unsere Software war beeindruckender, nehme ich an, und Davidow, eine VC Firma in der Sand Hill Road, investierte in uns. Sie investierten ca. drei Millionen Dollar für effektiv 60 % des Unternehmens. Wir hielten das für verrückt. Als ob sie uns Geld für nichts geben würden. Die müssen verrückt sein. Ja, das schien uns verrückt, dass sie so viel Geld in ein Unternehmen investierten, das zu dieser Zeit aus etwa fünf Leuten bestand – buchstäblich, ich glaube, es waren nur fünf Leute zu der Zeit (57:30). Aber am Ende hatte es sich für sie gelohnt.

Wir stellten mehr Leute ein. Wir übernahmen den Service. Und wir schrieben schließlich auch eine Menge Software, um Zeitungen online zu bringen, so dass Medienunternehmen wie Knight Ridder, New York Times Company und Hearst Corporation zu Investoren und Kunden wurden. Und irgendwann war Zip2 für einen bedeutenden Teil der Website der New York Times Company verantwortlich. So lernte ich die Medienbranche ziemlich gut kennen.

Was dann mit Zip2 passierte, war die Folge einer zu großen Kontrolle durch die beteiligten Medienunternehmen – zu viele Vorstandssitze und zu viel Stimmrechtskontrolle. Sie versuchten immer wieder, das Unternehmen in eine Richtung zu drängen, die keinen Sinn machte. Zip2 hatte eigentlich eine sehr gute Software. Eine Software, die in mancher Hinsicht vergleichbar oder sogar fortschrittlicher war als, sagen wir, Yahoo oder Excite damals, aber sie wurde einfach nicht richtig genutzt. All das wurde durch die Medienunternehmen forciert, die es nicht nutzten.

Wir hatten also die beste Technologie, aber sie wurde nicht richtig eingesetzt. Glücklicherweise kam Compaq daher, und… – Compaq erwarb Digital Equipment, und Digital Equipment hatte AltaVista, was zu der Zeit wahrscheinlich die beste Suchmaschine war. Ihre Idee war also, AltaVista mit vielen anderen Internetfirmen zu kombinieren und zu versuchen, zu konkurrieren … einen Konkurrenten zu Yahoo oder Excite zu erschaffen. Excite war erstaunlicherweise mal eine große Sache. Und Yahoo war auch mal dick im Geschäft.

Vincent: Ja. Vor langer Zeit.

Omar: Jetzt ist es im Besitz von Verizon oder so.

Kristen: Und es gab AOL.

Omar: Yahoo war eine verrückte Geschichte. Sie haben es zweimal nicht geschafft, Google zu übernehmen. Microsoft bot ihnen etwa 40 Milliarden oder so an. Und sie haben es abgelehnt.

Gali: Und Alibaba hat sie dann aus dem Nichts gerettet.

Omar: Der Alibaba Anteil war mehr wert als das gesamte Unternehmen.

Gali: Ja, das war ein riesiger Betrag. Im Grunde war es eine Vollmacht für Alibaba.

Elon: Ja, genau. Ich meine, zu dieser Zeit, also so um 98/99, schien Yahoo ein unaufhaltbarer Koloss zu sein – buchstäblich ein Gigant, der unmöglich von jemanden geschlagen werden konnte. Aber egal… – Und wo ist Compaq heute? Aber das war die Idee, die sicherlich mit der richtigen Umsetzung Sinn gemacht hätte. (1:00:28)

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